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Feature: Azad

geschrieben am 12.04.2003
von Torsten Landsberg

Als Azad vor rund zwei Jahren sein Debütalbum “Leben” veröffentlichte, wunderte man sich über die Fusion eines selbsternannten Hardcore-Rappers mit dem bis dato eher für massenkompatiblen Rappop bekannten Label 3P des Rödelheimer Hartreimers Moses P. “Ich glaube nicht, daß mir irgendwo anders mehr Freiheiten gegeben worden wären!” verdeutlicht Azad die Richtigkeit der damaligen Entscheidung. Inzwischen hat er sich selbst weitgehend etabliert und mit dazu beigetragen, daß 3P nicht mehr nur belächelt wird.

Azad

Nach der gefeierten ersten Single “Napalm”, Collabos mit seinem Freund Savas, einem Disstrack gegen Samy und Beef mit MC Rene erscheint nun Azads zweites Album “Die Faust Des Nordwestens”. “Der Titel ist nicht nur ein Representer-Ding, er ist in Anlehnung an ein Mangacomic entstanden - Fist Of The Northstar”, erklärt er. Die Selbsteinschätzung, er habe alles, was er seit “Leben” gelernt hat, in den Nachfolger einfließen lassen, läßt eben jene Erfahrungen unausgesprochen. “Na ja, man macht Fehler, vor allem, wenn es das erste Album ist. Ich habe jetzt versucht, alles zu verbessern: Equipment, Aufnahmequalität.”

Und in Sachen Raps? “Ich glaube nicht, daß ich da etwas verbessern mußte. Natürlich versucht man neue Sachen, aber mit meinem Rapstil war ich immer zufrieden.” Trotzdem fällt im Vergleich der beiden Alben ein deutlicher Unterschied auf: Während Azad auf “Leben” in einem Tempo rappte, das dem Verständnis der Lyrics mitunter schadete, kommen die Strophen des neuen Werks größtenteils langsamer. “Ich versuche, alles zu können, jegliches Skill-Level zu beherrschen. Die Stimmung orientiert sich an meiner Laune und am Track, aber natürlich werde ich auch älter und ruhiger.” In der Ruhe liegt die Kraft, und so verwundert es kaum, daß Azad seine Faust als unerreichbaren Meilenstein des deutschen Rap sieht. “Ich analysiere alle Produkte, die auf dem Markt sind. Und da sehe ich nicht mehr viele Künstler und MCs, die ihren eigenen Weg gehen.” Auf seinem Weg hat Azad nun im Gegensatz zum komplett selbst produzierten Erstling auch anderen Vertrauen geschenkt.

Ein junges Produzentenduo hat einige Stücke zum Album beigetragen. “Das sind Jungs aus meinem Umfeld, mit denen ich auch privat abhänge. Sie heißen FDA, Fick Deinen Arsch, und sie sind sehr talentiert. Es ist wichtig, solche Talente zu unterstützen.” Dem originellen Namen des Duos zum Trotz, fügen sich dessen Produktionen nahtlos in die von Azad komponierten Stücke ein. Selbst sehr persönliche Titel wie “Mein Licht” und “Drama” fanden den Weg aufs Album. “Ja, die sind autobiographisch. Es ist schwer, über die eigene Tochter zu rappen, weil das natürlich sehr persönlich ist. Aber ich kann dazu stehen, deshalb ist es für mich vertretbar.”

Neben jenen persönlichen Titeln darf aber auch diesmal ein inflationär gebrauchter Bestandteil des Rap nicht fehlen: Auf “MC U Reen” legt sich Azad einmal mehr mit Intimfeind Rene an, der inzwischen beendet geglaubte Beef erhält neue Nahrung. War das nötig? “Er hat mich nur noch genervt. Aber mit dem Song beende ich das endgültig, denn auf den gibt es einfach keine Antwort.” Der Vermutung, daß Renes letztjähriges “Gegen Den Gnom” dann als adäquate Antwort zu werten gewesen sei, beugt Azad aber schnell vor: “Er hat sowieso noch nie etwas gebracht, das an mich herangekommen wäre. Aber jetzt habe ich die finale Antwort gegeben!” Die nahe Zukunft ist für den Frankfurter mit allerhand Arbeit verbunden, geht er nach der bevorstehenden Tour doch gleich wieder ins Studio, um ein Collabo-Album mit Savas aufzunehmen. Ein Gegenpol zu ASD? “Wir hatten die Idee schon in unseren gemeinsamen Anfängen, das hat nichts mit irgendwelchen anderen zu tun.” Wann mit dem fertigen Album zu rechnen ist, steht noch nicht fest, aber “wir arbeiten so gut zusammen, daß wir jeden Termin, der uns vorgegeben wird, locker unterbieten!”.