Feature: Beatfabrik
von oliversum
Angefangen hat für mich alles im Jahre des Herrn 2001 mit einer eher unscheinbaren Kassette, die mir Fuats damaliger Labelkontakt Jochen K. nach einem Interview in die Hand gedrückt hatte. Promolle MCs stand da drauf, und auf dem Cover grinsten zwei Gestalten etwas dämlich in die Kamera. Nicht gerade aufsehenerregend, und unter dem Titel stellte ich mir auch eher prollige Saufmucke vor. So landete das Tape erst mal irgendwo, und ich dachte nicht weiter daran. Eines Abends aber, als mir aus irgendwelchen Gründen nichts anderes einfiel, kramte ich es unter einem Stapel anderer Kassetten hervor und schob es ins Deck.

Ein entscheidender Moment, denn jetzt wurde ich erstmals mit dem Sound der Beatfabrik konfrontiert, aus deren Reihen die Protagonisten Prinz Porno und Smexer stammen. Sehr souveräne Raps über pumpende Beats – das hat man schon öfter gehört. Was deutschen Rap für mich so uninteressant machte, war die Tatsache, daß da meist Teenager aus gehobenen Verhältnissen ihr üppiges Taschengeld für Equipment ausgaben, um fortan aus ihrem langweiligen Mittelschichtleben zu erzählen. Auch die Beatfabrik-Members sind keine Ghettokids. Aber im Unterschied zu so vielen anderen haben sie genügend Phantasie, um die Actionfilme, die sie im Kino gesehen haben, die Computerspiele, die sie gezockt haben und die Bücher, die sie gelesen haben wie tausend andere Kids in Deutschland, umzusetzen in interessante Rapstücke mit Inhalt.
Zurück zu 1999: Das erste Album der Beatfabrik, “An Der Front”, erscheint. Die Mics teilen sich Kid Kobra aka Tommy Gun, Prinz Porno und B-A-Di, der die Fabrik später aufgrund persönlicher Differenzen verläßt. Smexer stößt etwas später zum erlauchten Kreis. Entstanden ist “An Der Front” größtenteils im Keller von Kick, der für die meisten Produktionen verantwortlich zeichnete.
Auf dem nächsten Crewalbum – “Wortshots” (2001) – wurde der Sound der Beatfabrik weiter verfeinert und den Members Porno, Kobra und Smexer Raum gegeben, ihren jeweiligen individuellen Style zu introducen. Porno gibt den von allem gelangweilten, unglaublich gebildeten Zyniker, Kobra den alles zerreißenden Kampfhund und Playboy. Smexers Style wiederum, der aus zahlreichen Assoziationen und Wortverdrehungen besteht, ist ganz weit draußen. Hörbeispiel: “Wind bewegt den Schaukelstuhl/wie blind, du hast die Augen zu/schau hin, erkenn‘, daß meine Crew/bewegend Dinge hält und du schaust zu/wie alles langsam stirbt/wir nicht, weil alles anders wird/die Sicht aus meinem Schrank sich stürzt/auf dich aus meinem Stamm im Hirn” (Intro zu “Wortshots”).
zugehörige VÖs:
Beatfabrik - Blackbook Vol. 3 (Album - 12/2003)
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Beatfabrik - Doppelalbum (Album - 03/2003)
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Beatfabrik - Wortshots (Album - 10/2001)
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Mit der Zeit setzten Veränderungen im Businessbereich ein, die Beatfabrik rückte näher an Royalbunker, wo schon die Tape-Version der “Wortshots” erschienen war. Die künftigen Releases, Pornos Solo-CD “Radium Reaktion”, die dazugehörige Maxi “Picknick Im Park” und sein “Blackbook Tape”, das im Gegensatz zu seinem Titel fast ausschließlich brandneues Material featurete, kamen komplett über Royalbunker, wo Porno inzwischen auch den Part des Grafikers übernommen hatte.
Lange angekündigt steht nun der Release des Doppelalbums von PanzDominanz (Porno/Kobra) und Promolle 2 an. Das Ganze erscheint auf einer CD beziehungsweise einem Doppelalbum, die ersten zehn Tracks featuren PanzDominanz, die letzten zehn Promolle. Doch damit begnügt sich die Beatfabrik keineswegs. Mittlerweile zur GbR unter der Führung von Sash und Kick geworden, stehen große Pläne für 2003 an: ein Smexer Soloalbum, ein Kobra Soloalbum, ein Porno Solo-Doppelalbum und ein neues Beatfabrik Album, laut Titel das erste richtige. So stoßen die Berliner unbarmherzig weiter vor ins Game und machen dabei das, was für alle das Beste ist: interessante Musik.






