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Feature: Creutzfeld & Jakob Wittens gutes HipHop-Gewissen

geschrieben am 09.10.2000
von Hülse

Wenn es in letzter Zeit eine Band gab, die für reichlich Furore gesorgt hat in der heimischen HipHop-Szene, dann war das wohl Creutzfeld & Jakob. Das erste was einem sofort im Gedächtnis hängen bleibt, so war es zumindest bei mir, ist dieser eigenwillige Name. Dabei ist die Erklärung recht unspektakulär, denn entstanden ist er in einem Freestyle. Den Namen fanden Laki und Flipstar, damals noch als Duo, so cool, dass sie ihn gleich behielten. Erst später wurden sie auf eine genauso heißende Krankheit, die das Gehirn angreift aufmerksam.

Creutzfeld & Jakob

Ein Punkt, der eigentlich recht gut in ihr Konzept passte, denn wenn Creutzfeld & Jakob eines wollen, dann den Zuhörer beschäftigen. Dass sich dabei intelligente Aussagen und Battle-Reime nicht unbedingt beißen müssen, steht für Laki außer Frage. Er geht sogar soweit zu behaupten, dass man nach dem Hören eines Textes eigentlich schon recht genau wüsste, mit was für einem Menschen man es zu tun hat. Denn ein wichtiger Faktor für die Glaubwürdigkeit eines Rappers ist, dass er greifbar ist dass die Leute ein Individuum sehen. Trotzdem, in erster Linie machen die beiden natürlich Battle-Lyrics. Allerdings solche, die nicht allzu persönlich werden. Auf die Frage warum das so ist, kommt eine plausible Erklärung: Wenn man jemanden persönlich disst, würde man ihn einfach auf eine spezielle Eigenschaft oder eine bestimmte Situation festnageln. Das sind aber Dinge die sich jederzeit ändern könnten, weshalb der Diss dann wiederum seine Wirkung verfehlen würde. Deshalb disst man lieber allgemein, einen bestimmten Umstand, und trifft damit wirkungsvoller diejenigen, die es letztendlich betrifft. Eine Aussage, der ich nach Hören der aktuellen Platte der beiden durchaus zustimmen kann. Obwohl da keine Namen genannt werden, weiß man ganz genau, auf wen es die beiden abgesehen haben. Wacke Rapper und die Industrie.

Apropos Industrie: Das Def Jam Germany und Put da Needle To Da Records in Zukunft zusammenarbeiten, dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben. Trotzdem wird sich für Laki und seine Manen nicht allzu viel ändern. Laki möchte mit Def Jam auch nicht allzu viel zu tun haben. Er begründet das damit, dass er mit den Ami-Acts dieses Labels noch nie viel anfangen konnte. Ein anderer Grund ist sicher auch seine Abneigung gegenüber der allmächtigen Plattenindustrie. Bei P.D.N.T.D.R. fühlen sie sich wohl und für andere Projekte können sie auf das hauseigene Homerecording Label zurückgreifen.

Mit einem anderen Act des Aachener Labels verbindet Creutzfeld & Jakob inzwischen eine dicke Freundschaft: Savas. Erstens weil man sich schon seit drei bis vier Jahren kennt und zum anderen weil Savas aus Berlin ist. Und zwischen Berlin, dem Ruhrpott und Frankfurt am Main gibt es laut Laki so etwas wie eine Verbindung. Alles drei Orte hätten ein ideales Umfeld um ehrlichen Rap voranzutreiben. Schaut man sich die Veröffentlichungen der drei genannten Spots einmal genauer an, ist da durchaus was dran. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Leute aus diesen Orten in letzter Zeit des Öfteren gegenseitig Respekt bekunden und featuren. So waren Creutzfeld & Jakob auf dem Ming Projekt von Roey Marquis vertreten und machen aus ihrer neuen Maxi, die sie zusammen mit dem King of Rap und Funky Chris aufgenommen haben, eine wahre Hymne. Als Revanche reisen sie übrigens demnächst nach Berlin um gemeinsam mit der M.O.R.-Clique einen Track für deren demnächst erscheinendes Album aufzunehmen.

Ansonsten heißt es momentan erstmal abwarten wie der eigene vor kurzem er schienene Longplayer läuft. Vorschusslorbeeren von der Presse und Musikerkollegen gab es ja genug. Wenn sich jetzt auch noch einige Exemplare verkaufen, wird man in Wittens Bunkerwelt wohl das eine oder andere "Brrrrr, ha haha Witten" hören können. Hören wird man diesen Schlachtruf auch auf der Ende des Jahres stattfindenden Supertour, auf der Creutzfeld & Jakob gemeinsam mit ihren Wittener Homies Dike und Onanon, sowie Savas, Pyranja und anderen auftreten. Wer eines der heißesten Debüt-Alben auch mal live erleben möchte, sollte sich ranhalten. Denn wenn sich diese Tour erstmal herum gesprochen hat, wird es schwer noch Karten zu bekommen.