Feature: Die Lätzten
von Cracc
Nachdem ich den Bassboxxx-Sampler zum Rezensieren in meinen Händen hatte, mußte ich mich zwangsläufig mit der Musik, den Texten und den Künstlern beschäftigen. Und zumindest einiges davon sollte man gehört haben, wenn man über Rap in Deutschland spricht. Als ich dann Akte One zufällig im MK ZWO Büro treffe und er mir von seinem in Kürze erscheinenden Album erzählt, einigen wir uns auf eine Plauderstunde und musikalische Bestandsaufnahme im Lätzten Loch.

Ein paar Wochen später stehe ich am Kotti, um ein paar Ecken weiter in einem Hauseingang zu verschwinden, welcher mich erst viele Stunden später wieder ausspucken wird. Nachdem die physikalische Barriere in Form der Tür überwunden ist, sitze ich in Mach Ones Zimmer und trinke Eistee. Natürlich dreht sich das Auftauthema erst mal um die Soloplatten der beiden und um Bassboxxx allgemein. “Bassboxxx besteht nur noch aus Die Lätzten, PVD, Isar, Basstard, Vapeilas, Bogy, B-Lash und Korx. Zu Frauenarzt oder Orgi besteht musikalisch nur noch ein Zusammenhang über die früheren Produktionen”, stellt Mach die momentane Situation dar. Genau diese momentanen Künstler werden nun nacheinander releasen: “Akte One, Basstard, Vapeilas, Mach, Vorck und Darn (PVD), Isar, Die Lätzten - dazwischen oder danach noch ein Bassboxxx-Sampler. Das Akte One Album ist bis auf einen Song komplett fertig.” Das ist natürlich das Stichwort, um ins Produktionsstudio Das Lätzte Loch zu schlüpfen und einige Songs vorab zu hören.
Ein kleiner Raum empfängt mich, in dem ein Computer und andere Technik, wie eine 808, 303 oder ein Moog, stehen. Die Wände sind mit Bildern von HR Giger, Filmpostern und Skizzen zugepflastert. Unter dem dämonischen Grinsen von Jack Nicholson vom “The Shining”-Cover wird mir der beste Platz im Loch direkt vor dem Computer angeboten. Als erstes höre ich “Anschlag”, einen Song über die Erlebnisse eines Sprühers, wie ich es so detailliert und emotional noch nicht gehört habe. “Der Song wird von einigen Kollegen schon jetzt gefeiert”, kommentiert Akte. Die eigentliche Überraschung für mich ist aber “2 Fel” (Zweifel), der mit einem für Bassboxxx Verhältnisse ungewohnt lockeren Beat und Sound daherkommt. “Der Beat kommt von B-Lash, der sehr talentiert ist und uns ganz neue Impulse gibt.”
“Deutschrap” wendet sich dann wieder der brachialeren Gangart zu und textlich den Möglichkeiten der deutschen Sprache und den Wirkungen, die man damit erzielen kann, wenn man sie nur richtig einsetzt. Natürlich soll wegen dieser Songs noch nicht das ganze Album in den Himmel gehoben werden, aber man kann auf alle Fälle auf das Gesamtwerk gespannt sein. Zumal ich auch einen Blick auf die Vorabversion des Booklets geworfen habe, bei welchem genauso penibel selbst entwickelt wird. Auf einer Doppelseite werden Pieces und Bombings von Akte gezeigt. “Die sind alle schon erfaßt, und ich will zeigen, daß ich Ahnung von dem habe, worüber ich rede”, wehrt er meine Hinweis auf die SoKo ab. Die enge Verbindung zu Graffiti läßt schon der Titel des Albums “Overkill” erahnen. “In dem Booklet wird unter anderem ein Hinweis auf das gleichnamige Graffiti-Magazin sein, welches ich für das Beste halte.” Da ich mich in diesem Bereich zu wenig auskenne, kann ich das Thema nicht weiter vertiefen. Doch eine nutzbringende Einrichtung auf www.die-leatzten.de namens Forum kann Euch weiterhelfen: “Wir sind fast täglich online, beschäftigen uns wirklich mit den Einträgen. Man kann dort Fragen zum Beispiel zu unseren Texten stellen, welche wir teilweise in Form eines Tracks beantworten werden.”
Dann spielt mir Mach One noch die ersten drei fertiggestellten Tracks für sein Soloalbum und anderes Material vor. “Ich widme mich momentan hauptsächlich den Produktionen, die bisher nur nebenbei liefen, um sie endlich mal abzuschließen - produziere also nicht alles, was von Bassboxxx kommt. Auf dem neuen Basstard Album wird zum Beispiel nur ein Track von mir sein.” Anschließend begeben wir uns wieder in Machs Wohnzimmer und orakeln über die deutsche HipHop-Szene und Musik allgemein. Zu meinem Erstaunen sind die beiden für HipHop Verhältnisse musikalisch sehr offen. “Ursprünglich habe ich ja Rap gehört. Über die Umwege Reggae, Punk und Metall bin ich dann auch wieder dahin zurückgekommen und habe so alle möglichen Einflüsse”, begründet Mach sein mannigfaltiges Musikinteresse. Im Gespräch verfliegen die Stunden und ein Ende finden wir erst, als Akte irgendwann los muß. Ich bin jedenfalls auf die kommenden Veröffentlichungen gespannt. Wer nicht warten kann, sollte sich nach Machs EP “Jung & Kaputt” umsehen, die A-Seite kann ich uneingeschränkt empfehlen.












