Feature: Fettes Brot - Krankenhausreif
von Staiger
Fettes Brot veröffentlichen in diesen Tagen ihr bislang drittes Album, das da heißt "Fettes Brot läßt grüßen", und werden wahrscheinlich demnächst in so ziemlich allen Medien abgefrühstückt. MK ZWO mag da mit Sicherheit nicht fehlen, ist MK ZWO ja das HipHop MAG und bezeichnen sich die drei Hamburger bei allem Pop Appeal ja trotzdem noch als HipHop Band. Warum auch nicht? Schließlich ist, wie Doktor Renz richtig feststellt , "die HipHop Szene ja nichts, wo man eine Eintrittskarte braucht, oder drin war und dann ausgeschlossen wird."

Ansonsten verstehen sich die Brote sowieso hervorragend mit dem Rest der Szene und schauen bei denen auch ab und zu mal beim Kaffee vorbei und mit den ganz harten Heads wird hin und wieder sogar gefrühstückt. Schon früh begegnete Fettes Brot jeder aufkeimendem Pop und Sell-Out Kritik mit aggressiver Selbstironie. Der Untertitel zur ersten Platte hieß "auf einem Auge blöd, aber der Erfolg gibt uns recht". Es folgte zur nächsten Platte die Werbung mit dem Satz: "Die Huren des Kapitalismus schlagen zurück" und danach die Singleauskopplung "Sekt oder Selters", die sie als Originoo Fun Rappers herausbrachten. "Das haben wir natürlich auch in Anlehnung an Originoo Gunn Clappaz gemacht aber auch um zu sagen: Okay, wenn Fun Rapper, dann sind wir die originalen Blödel-Rapper und den Schuh ziehen wir uns auch an. Ich kann mich ja nicht dauernd darüber aufregen, daß ich Blödelrap ein furchtbares Wort finde. Das war natürlich eine Strategie von uns, aber davon haben wir uns verabschiedet und sind jetzt auch mit der neuen Platte ganz freundlich und angreifbar", erklärt Schiffmeister.
Diese Abkehr liegt aber nicht zuletzt daran, daß sich auch das Klima in der Szene für eine Band wie Fettes Brot stark verbessert hat, zumindest bemerken sie selbst, daß sich die Einstellung zum Verkauf in HipHop-Kreisen doch sehr verändert hat. Nicht verändert hat sich in den letzten Jahren allerdings das gesamtgesellschaftliche Klima, sondern ganz im Gegenteil, das hat sich eher verschärft. Da ist es doch verwunderlich, daß sich heute 25jährige auf einer HipHop-LP konsequent freundlich mit dieser Welt auseinandersetzen und sich immer noch auf die Helden ihrer Kindheit beziehen (Die Drei ???, Spiderman). Ein bißchen mehr revolutionären Eifer wünscht man sich da schon, oder zumindest eine erwachsenere Herangehensweise.
Die Antwort auf diese schwierige Frage gibt Boris: "Also wir haben ein Lied auf der Platte, das Lied "Krankenhausreif", das ist völlig geradeaus und ohne Witz und überhaupt nicht freundlich. Das soll gar kein Aufruf zur Gewalt sein, sondern nur zeigen, was man fühlt in Situationen der Machtlosigkeit. Ansonsten gibt es bestimmte Sachen, die mich ankotzen, aber bei vielen Dingen ist es gar nicht nötig etwas zu sagen. Es gibt so viele interessantere Dinge, über die man Songs machen kann. Wir sind 'ne freundliche Band und das ist gut - gerade weil die Welt nicht nett ist, ist es wichtig, freundlich zu sein. Schließlich ist das ja auch ein Zeichen von Respekt. Wir haben ja auch nicht den Anspruch, die Welt zu erklären, wir können unseren Mikrokosmos erklären und wenn daraus irgendwer irgendwelche Botschaften zieht, dann ist das super. Ansonsten: was unsere Welt vermitteln kann, ist ein Gefühl, vielleicht ein gutes Gefühl und vielleicht, daß mehr Leute so fühlen. Warum sollen wir versuchen die Überzeugten zu überzeugen oder irgendetwas zu repräsentieren, was wir nicht sind. Wenn wir irgendetwas über's Ghetto erzählen würden, dann würde ich es auch verstehen, daß mir irgendwelche Straßenjungs auf die Schnauze hauen. Wir versuchen nur die Welt, in der wir leben, auf Platte zu bannen"
Man kann den Herren Schiffmeister, König Boris und Dr. Renz sicher einiges vorwerfen, nicht aber, daß sie nicht wüßten wo sie stehen. Das wissen sie, und das ist gut.




