Feature: Hamburger Hill
von Torsten Landsberg
Mit einem gut gelaunten Hamburger ein Gespräch zu führen, kann sehr unterhaltsam sein. Nicht nur wegen des von ihm Berichteten, sondern eben auch aufgrund der Art und Weise seines Dialekts. Miles, seines Zeichens DJ, MC und neben Hauptmischer Sleepwalker der zweite Producer des Quintetts Hamburger Hill, ist so ein erfrischender Geselle.

Er beginnt damit, mich zu korrigieren: ”Eigentlich bin ich gar kein MC.“ Sondern? ”Ach, ich rappe nur. Das ist ein Unterschied.“ Mag sein und Bescheidenheit kommt immer gut. Immerhin bleiben ihm so auch noch zwei Funktionen inmitten seiner Crew. ”Ich habe mit 16 als DJ angefangen und bin darüber irgendwann zum Produzieren gelangt. Sleepy hat das Album traditionell produziert, ich habe nur zwei oder drei Tracks gemacht.“ Da blitzt sie schon wieder auf, diese unerwartete wie für HipHopper untypische Genügsamkeit. Ursachenforschung: Miles war Anfang bis Mitte der 90er – wie drei der anderen vier Bergsteiger - Mitglied der Britcore-Combo Readykill. Harte Musik, sehr laut, aggressive Raps auf Englisch, unterm Strich eine weitgehend europäische Nische der Rapmusik, die nach einigen Jahren aufgrund der überschaubar erfolgreichen Gruppen wie Gunshot geschlossen wurde. ”Neulich wurde hier auf der Plattenbörse eine Readykill-Platte mit 50 Euro gehandelt!“, schießt es aus Miles heraus. Er lacht und auch ich freue mich verstärkt, weiß ich mich doch im Besitz der zweiten EP ”Riverz Of Blood“, die ich in einer dieser Phasen Mitte der 90er erstanden habe.
”Ach, das ist die zweite.“, bestätigt mein Gesprächsparnter und gibt mir das Gefühl, als hätte dieses Goldstück keinen vergleichbaren Wert. Damit habe ich genug von der Vergangenheit, ”Woa Diggy“ heißt die erste Single aus dem Hamburger Hill-Album ”Alles Aus“. ”Wir haben vor zwei, drei Jahren angefangen, als Gruppe zu arbeiten, einige Tracks sind schon ein bißchen älter. Die haben wir etwas entstaubt und überarbeitet, hier und da noch mal was neues gerappt. Dadurch ist das Album abwechlsungsreicher, weil es aus verschiedenen Zeiten kommt.“ Ja, und ”Woa Diggy“? ”Das war einer der letzten Tracks, die wir fertig gestellt hatten. Uns war klar, dass der die erste Single wird, am Anfang muss man mit einem Brett starten.“ Es gibt einige Auffälligkeiten an Hamburger Hill und ihrer Musik. Das Album kommt ohne Features aus, textlich finden sich neben bekannten Representer-Titeln auch solche mit sozial(politisch)em Einschlag und der Bandname erinnert an eine Vietnamschlacht und den dazugehörigen Film.
Aber eins nach dem anderen: Man hätte durchaus erwarten können, dass eine Hamburger Formation, die nicht erst seit gestern existiert, das ein oder andere Feature aufbietet. Nicht zuletzt, um sich die Popularität der Gäste zu nutzen zu machen. ”Wir kennen natürlich die ganzen Jungs.“, gibt Miles unumwunden zu, ”Wir hatten aber so viele Ideen und so viel zu sagen, dass da gar keiner mehr Platz hatte.“ Das leuchtet ein, ist sympathisch und bringt uns direkt zum zweiten Punkt: Die Texte. ”Wir dissen keine bestimmten Leute, aber Rap muß auch mal einen guten Schnack abkönnen.“ Da funkt er wieder, dieser Nordslang und verhindert ganz nebenbei eine Überinterpretation des Schnacks. Die andere Seite der Textmedaille bietet Inhalte mit sozialem Einschlag.




