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Feature: MC René

geschrieben am 01.09.1998
von Hülse

Etwa zwei Jahre sind vergangen, zwei Jahre, in denen von MC RENE, dem talentierten und erfolgreichen Jungspund, (fast) nichts zu hören war. Zugegeben, hier und da gab es mal einen Auftritt, aber ansonsten war es still geworden um Rene El-Khazraje, das Freestylegenie.

MC Rene

Doch Ren, wie er sich jetzt vorzugsweise nennt, war, auch wenn es für einige so aussah, nie wirklich draußen. Seit er von Braunschweig wegen seines Zivildienstes und seines Labels MZEE Records nach Köln zog, hat sich für den heute 21-jährigen selbst und in seinem direkten Umfeld eine Menge verändert. "Ich habe mich mehr oder weniger neu formiert und mit Leuten abgehangen, die nicht soviel mit HipHop zu tun haben und mich einfach inspirieren lassen. Außerdem war ich noch bei einigen Freestyleaktionen anwesend, habe ein paar coole Texte geschrieben und mir einfach ein bißchen Zeit gelassen." Ja genau, Zeit gelassen hat er sich, um seine Skills am Mic auszubauen und neue Styles auszuprobieren. Einfach andere und ihre Fähigkeiten beobachtet und versucht, immer an vorderster Front, am Puls der Zeit in seiner Eigenschaft als MC zu sein."Denn, wenn man als Rapper dabei sein will, muß man auch bereit sein Veränderungen einzugehen. Veränderungen, die man selbst herbeigeführt hat, weil man will, daß man sich entwickelt. Weil es als Rapper nichts Schlimmeres gibt, als auf der Stelle stehenzubleiben". So behauptet er von sich, inzwischen seinen Style insofern im Griff zu haben, als daß er nicht mehr so laut und aggressiv wie früher rappe, sondern dieses inzwischen konzentrierter, relaxter, smoother eben, aber mit der selben Energie wie früher tut.

Zu dieser persönlichen Weiterentwicklung gehört sicherlich auch, daß er in den letzten zwei Jahren vielfältigste musikalische Experimente eingegangen ist. So sah man ihn des öfteren, wie er versuchte, seine Stimme über House, Drum'n'Bass oder Ragga/Dancehall zu packen, einfach nur um zu sehen, wie es sich anhört oder definitiv die Leute zu puschen. So war er zum Beispiel ein gern gesehener Gast im Kölner Petit Prince, wo jeden Freitag das Dancehallsoundsystem Pow Pow am Start ist, und lernte hier unter anderem auch Gentleman (ja, den von Tabula Rasa) kennen, mit dem er seitdem gut befreundet ist und hin und wieder schon mal eine heftige Session zelebriert.

Doch auch in Sachen HipHop hat sich in dieser Zeit einiges getan. So arbeitet Rene z.B. nicht mehr mit seinen langjährigen Begleitern DJ Mirko und Spax zusammen. "Kann sein das was persönliches gewesen ist. Spax wollte einfach etwas anderes machen als ich, und irgendwann habe ich das Gefühl gehabt, daß wir da nicht mehr auf einen gemeinsamen Punkt gekommen wären. Ich denke, Spax ist ein geiler Entertainer und Rapper, genauso wie Mirko ein echt geiler DJ ist. Props an die Jungs. Aber ich hatte das Gefühl, ich gehöre da nicht mehr hin.
Mal schauen, vielleicht ergibt sich ja mal wieder eine Zusammenarbeit mit Mirko oder so. Ausschließen will ich es jedenfalls nicht". Aber den Kopf in den Sand gesteckt hat er deshalb noch lange nicht, denn ganz im Gegensatz zu dieser gescheiterten Beziehung ist eine andere Bindung um so fester zusammengewachsen. Gemeint ist die mit MZEE.

Nachdem vor ca. 3-4 Jahren jeder zum Kölner Ur-Label wollte, war gar nicht viel später genau der umgekehrte Trend zu verzeichnen. Man hörte Geschichten und Gerüchte und ein Act nach dem anderen verließ, teilweise in Richtung Major, Akim und seine Mannen. Doch Rene hatte eigene Ansichten zu seinem Label, blieb somit als (fast) einziger dort und hat, zumindest in nächster Zeit, auch nicht vor diesen Umstand zu ändern. "Es war so, daß viele Act's, die mit MZEE Probleme hatten, einfach nicht bereit waren, eine gewisse Professionalität anzubieten und das dadurch gerechtfertigt haben, daß sie sagten das Label ist Scheiße. Und das obwohl bei ihnen selbst nicht die professionelle Art vorhanden war. Ich sehe das Problem darin, daß die Leute sich selbst überschätzt haben.

Ein guter Rapper zeichnet sich meiner Meinung nach auch dadurch aus, daß er ein Verständnis für sein Umfeld besitzt. Für das ganze Business und was damit zusammenhängt, die Professionalität, wie man sich verhält, wie man Termine einhält. . ... Ich meine, ich weiß genau, warum ich noch da bin, weil es nämlich ein gutes Label ist. Die verstehen den Sound, den ich mache, meine Person und ich weiß, daß sie alles versuchen, um meine Ideen in die Tat umzusetzen. Und so lange ich dieses Gefühl noch habe, bleibe ich auch dort. Wir werden wahrscheinlich einen Co-Deal mit einer großen Firma eingehen, aber für mich ist MZEE besser als je zuvor, denn wenn ich der einzige bin, dann bin ich auch der einzige für den etwas getan wird. Und wenn ich mir das recht überlege, ist das gar nicht mal so schlecht."
Wenn man dann die hoffentlich im Herbst erscheinende LP im Hinterkopf hat, kann man sich vorstellen, daß alles mögliche getan wird, um diese unters Volk zu bringen. Doch bevor es soweit ist, steht noch eine Menge Arbeit ins Haus. Acht Songs sind zwar in Zusammenarbeit mit Thomilla (Die Krähen/Hausmarke) entstanden, aber elf bis zwölf möchte Rene schon auf seinen Longplayer packen. Wobei eben jener Thomilla dann auch für die komplette Platte, zumindest was die Sounds betrifft, verantwortlich sein wird und damit der neuen, im Gegensatz zur ersten, eine klarere Linie verpassen soll.

Auf die Frage, ob es trotzdem Überraschungen, siehe seine Experimente mit anderen Stilen, geben wird, antwortet Rene: "Nein, also ich muß schon sagen, daß meine LP eine reine HipHop-Platte werden wird. Und zwar eine mit Clubbeats, weil ich auch Bock darauf habe in den Clubs gespielt zu werden. . .. Natürlich werde ich auch Gäste einladen, auf die ich Lust habe. Zum Beispiel Michi oder Afrob. Einfach Leute, mit denen ich gut auskomme und bei denen die Vibes stimmen. Ich meine, Musik ist eine intime Sache und wenn der Vibe nicht stimmt, dann kommt da einfach nichts rüber. Mal schauen, ich mache erstmal meine Pflichttexte, meine Solodinger, auf die ich Bock habe und dann zum Schluß lade ich mir meine Gäste ein. Dann kann man auch viel relaxter arbeiten."

Wenn dann der große Tag gekommen sein sollte, wird sich zeigen, ob Rene sich wieder da etablieren kann, wo er schon einmal war, nämlich ganz oben. Schließlich sind seitdem eine Menge Sprechakrobaten neu dazugekommen und auch wieder verschwunden." Ich habe nichts dagegen, ich denke nicht in Konkurenzkategorien, über dieses Level bin ich eigentlich hinaus. Wenn ich jemanden geil finde, dann höre ich ihn mir, möglichst vorurteilsfrei, genau an. Und wenn er dann Styles bringt, die mich burnen, dann gehe ich nach Hause und übe, übe, übe. Und das sollte eigentlich jeder machen, der von sich behauptet, ein Rapper zu sein."

Seit ich das Interview Anfang März geführt habe, ist einige Zeit vergangen. zur Vergangenheit zählt hiermit auch, daß Rene und MZEE zusammenarbeiten. Als Begründung nannte Rene: "Daß sich die Umlaufbahnen von mir und dem Label in immer mehr unterschiedliche Richtungen um das Objekt drehten. Unter diesen Bedingungen kann ich nicht weiter mit MZEE zusammen arbeiten…". Trotzdem steht er zu den Aussagen von damals, auch wenn er heute so manches anders sieht. Was er in Zukunft und vor allem wo machen wird, wollte er am Telefon noch nicht verraten, bestätigt aber in Bewegung zu sein.

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