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Feature: Romanzn und Diablow

geschrieben am 12.04.2002
von oliversum

"Zwei Niggaz die blown/Bros die flown/RO, Diablow/ Battlen und blasten/Niemand kann uns testen!" Mit diesen Zeilen präsentierten sich Romanzn & Diablow zum ersten Mal einer breiteren Rapöffentlichkeit mittels dem legendären zweiten “Berlin No.1” Tape. Ihre damalige strikte Ausrichtung auf Battleshit ist unschwer zu erkennen. Die beiden sind im Märkischen Viertel im Berliner Norden aufgewachsen, nicht gerade die feinste Adresse. Das Schicksal muß bei ihrem Werdegang wohl kräftig die Finger im Spiel gehabt haben. Dafür spricht auch die Tatsache, daß sie im "sagenumwobenen Kreuz" aufwuchsen, wie sie es nennen.

Romanzn & Diablow

Zur Erklärung: Dieses Kreuz entstand, wenn man die damaligen Wohnungen von Fuat, Shadow, Chris, Romanzn und Diablow auf einem Stadtplan mit dem Stift verband. Wahrlich magisch. Fuat hatte auf Diablows Entwicklung entscheidenden Einfluß, mit ihm hatte er seinen allerersten Auftritt, im Böcklerpark in Kreuzberg. "Er kam auf uns zu mit abgefuckten Armeeklamotten. Wir dachten echt, das wäre ein Schwarzer, ein Ami! Wir sagten uns 'Mann, der sieht so HipHop aus, da muß einfach was gehen!'. Dann haben wir uns näher kennengelernt." Auch Kool Savas prägte seine musikalischen Schritte, zeigte ihm unter anderem die erste Beatnuts und die Organized Konfusion. Von da ab war für Diablow klar: "Ich will unbedingt rappen! Alles andere, wie Schule, war ab da kein Thema mehr."

Zusammen mit Kumpel Chris wagt er die ersten Schritte am Mic. Wenig später stößt dann auch Romanzn dazu; wie zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte der Beginn einer tiefen, engen Verbundenheit. Romanzn klammert sich zuerst hart an die beiden anderen, wie er sagt. Seine Mutter ist am Wochenende oft verreist, so chillen die Jungs bei ihm. Erste Beats werden auf der berüchtigten Playstation programmiert.

Doch Ende 2000 kommt es zum großen Streit, worüber ist ja egal. Jedenfalls ist es so ernst, daß zwischen Romanzn & Diablow ein halbes Jahr erst mal absolute Funkstille herrscht. Keiner weiß, was der andere treibt. Für Romanzn ist diese sicher nicht leichte Phase ein Anlaß, mehr über sich und sein Verhältnis zu anderen nachzudenken. Das schlägt sich in Zukunft hörbar stark in seinen Texten nieder. Er fängt an, sein Leben und seine Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, das Battlen wird Nebensache.

Nach dem Vorbild von Rappern wie Grouch und Abstract Rude legt er seine Probleme mit Frauen, seinen Beef mit Freunden, allgemein seine Ängste und Schwächen in entwaffnender Offenheit und unverkrampft dar. "Die Zeit des Selbstbemitleidens ist vorbei, jetzt wird gepanzt/ Und mein größter Feind und Wegweiser zugleich ist dabei meine Angst" textet er so zum Beispiel auf "Zeit Für RO". Die Musik dazu fabriziert er mittlerweile auf dem PC, dem die Playstation weichen mußte. Auch seine Freundin trägt zu Romanzns Sinneswandel bei, bewirkt, daß er den Anspruch entwickelt, mehr als down und true zu sein. "Bevor ich sie kennengelernt habe, hat sie jahrelang in einer Jazzband gesungen. Sie hat mir gezeigt, daß es noch weitaus mehr als Rap gibt."

Auf einer Jam im Stellwerk begegnen sich Diablow & Romanzn schließlich wieder. Nachdem sie sich erst mal ausgesprochen haben, stimmt die Chemie wieder. So gut, daß sie noch am selben Abend gemeinsam das Mic rippen. " Wir mußten feststellen, daß wir einfach zusammengehören. Der Streit ist zwar nicht vergessen, aber vergeben. Daß wir an diesem Abend zusammen gerappt haben, hat mir ein unfaßbar schönes Gefühl gegeben." erinnert sich Diablow. Sein wiedergewonnener Partner steckt ihn an, es auch mit persönlicheren Lyrics zu versuchen und von der krassen Battleschiene herunterzukommen. Stücke wie "Das Leben ist zu kurz" von seiner EP "Auf dem Kriegspfad" (Ypsilon) verdeutlichen diese neue Seite an Diablows Lyrik. Er schlägt nachdenklichere Töne an.

"Mein Album wird auf jeden Fall mehrere, verschiedene Themen ansprechen. Ich denke, daß Rap im Moment einfach zu plump ist. Viele beschränken sich auf Battle oder oberflächlichen Credibleshit. Ich halte nichts davon, Untergrund zu sein oder mich sonstwie festzulegen. Ich mache Musik." betont er. Sein Partner geht sogar noch einen Schritt weiter: "Von diesem Wort 'HipHop' will ich mich am liebsten ganz doll distanzieren. Nur Musik, die aus dem Herzen kommt, ist true. Diese ganzen komischen MCs reden ständig davon, daß man nicht klauen und biten darf. Im Endeffekt schnappen sie sich aber ein Loop, legen einen Beat darüber und haben ein Lied geklaut. Ich will das gar nicht verurteilen, ich mach's ja selber genauso. Ich arbeite aber eigentlich darauf hin, irgendwann ganz ohne Samples auszukommen. Wenn es wirklich echt ist, hat der Typ sich hingesetzt und eine Hammer Basslinie eingespielt, mit dem Instrument." führt Romanzn aus, dessen Doppeltape jeweils zur Hälfte über Royalbunker und Ypsilon Records erscheinen soll. Über Grenzen, ob tatsächliche oder vermeintliche, setzt er sich eben gern hinweg. Nachdem beide somit ihren Soloshit durchgezogen haben, planen sie auch, endlich ein gemeinsames Album aufzunehmen. 'Endlich' deshalb, weil es ein schon seit langem als Idee existierender Move ist. In der Vergangenheit scheiterte das Unterfangen jedoch an Dickschädeligkeit. Doch mit zunehmendem Alter wächst eben auch die Kompromißbereitschaft.

Wie oft bei sehr engen Freundschaften sind es auch bei Diablow und Romanzn gerade die Gegensätze, die sie noch mehr verbinden. Während Diablow sich als geborenen Entertainer bezeichnet, dessen Zuhause die Bühne ist und der das Gefühl, eine Crowd zu rocken mindestens einmal im Monat braucht, bezieht Romanzn aus der Arbeit im 'stillen' Kämmerlein mehr Kick. So manche Nacht schlägt er sich kettenrauchend mit starrem Blick auf den PC um die Ohren, wobei er gar Grundbedürfnisse wie Pinkeln vergißt. Oft entsteht dabei nur ein einziges Loop, das er dann auch noch scheiße findet. "Egal. Es gibt mir trotzdem was. Oder ich chille mit meiner Freundin zu Hause, und wir stehen stundenlang am Mic und singen einfach. Ich fühle Musik lieber allein zu Hause. Ich denke, so entstehen auch die ehrlichsten, wirklich persönlichen Stücke." So gehen beide in ihrem Element auf und tragen ihren Teil zur 'RO und Diablow-Show' bei.

"Wir sind ein eingespieltes Team. Für nichts in der Welt würde ich ihn hergeben. Er ist mein Partner bis ans Lebensende." bekräftigt Diablow und sein Freund nickt bestätigend. Was wie ein Zitat aus "Nur die Liebe zählt" klingt, ist in Wirklichkeit das offene Bekenntnis zweier Homies zueinander, deren Weg durch weit mehr als Musik, aber eben auch gerade durch Musik verbunden ist.