Feature: Tefla & Jaleel
von Torsten Landsberg
Der in letzter Zeit allzu oft bemühten These, HipHop aus deutschen Landen sei am Ende, tritt das Chemnitzer Duo Tefla & Jaleel, das im vergangenen Jahr mit der Single “Beats Du Raps” und dem Album “Interview” eine erste Duftmarke hinterließ, entschieden entgegen. Mit ihrem soeben erschienenen zweiten Werk “Direkt Neben Dir” stellen die beiden klar, um was es im Rap tatsächlich geht. “Der Titel verrät schon, daß uns in erster Linie immer noch die Musik am wichtigsten ist”, erklärt Tefla. “Es ist klar, daß man sich mit den Erfahrungen verändert, wir liefen aber nie Gefahr abzuheben.”

Für ihr Debüt “Interview” heimsten die Rapper fast durchweg gute Kritiken ein, nichtsdestotrotz entwickelte sich ihre Karriere zwischenzeitlich in unerwartete und wenig förderliche Richtungen. “Man versuchte uns zu sagen, was wir zu machen und wie wir uns zu präsentieren hätten. Da haben wir uns gewehrt, denn das wären nicht mehr wir selbst gewesen.” Mit ihrem eigenen Label Phlatline (www.phlatline.com) sicherten sich Tefla & Jaleel die für ihre Arbeit und Individualität nötige Autonomie. “Auf dem neuen Album hört man den Tracks an, daß wir beim Aufnehmen mehr Spaß hatten”, so Tefla stolz. Tatsächlich bieten die 15 Tracks von “Direkt Neben Dir” einen abwechslungsreichen Querschnitt dessen, was die beiden während der Zeit zwischen den Alben erlebt haben. “Wir sind ins Studio gegangen und haben Sachen ausprobiert. Das erste Album wurde von vielen Leuten erwartet und hat uns unter Druck gesetzt. Davon haben wir uns jetzt befreit. Wir haben Wert auf Entertainment gelegt!”
Gemäß dieser Vorgabe wurde der Track “Bounce Mit Uns” als erste Auskopplung gewählt, obwohl auch Titel mit namhafter Unterstützung von Dendemann oder Royce zur Auswahl standen. “Wir haben uns für “Bounce Mit Uns” entschieden, weil es die Stimmung des Albums ein bißchen wiedergibt.” Tefla & Jaleel sind an einem Punkt angelangt, an dem sie unverblümt und selbstbewußt den ihrer Meinung nach angemessenen Respekt einfordern. So weisen sie auf dem neuen Album auf die korrekte Aussprache ihrer Namen hin und toben sich am Mysterium des Backstagedaseins aus, mit dem sich andere Künstler seit langem schmücken. “Wir geben nichts auf Allüren. Die Leichtigkeit, alles ohne Kalkül anzugehen, ist für uns von großer Bedeutung.” Eine Unbeschwertheit, die im Rap zu kurz kommt? “Ja! Deutscher Rap ist nicht tot, aber er nimmt sich oft zu ernst. Es wird Zeit, daß etwas Neues kommt und wieder gebounct wird!”



