Interview: Blumentopf
von Paul Schlagk
Roger, Heinemann, Schu, Holunder und DJ Sepalot sind schon eifrige Jungs, das beweist ihre Veröffentlichungsdichte seit 1997 deutlich. Mit “Gern Geschehen” erscheint nun ihr inzwischen viertes Album, das textlich abermals mit einer einzigartigen Kombination aus feinen Beobachtungen, Sprachwitz und einer mal mehr, mal weniger versteckten Sozialkritik glänzt. Musikalisch haben die Münchener ebenfalls ihren Standard gehalten und mit ein paar neuen Experimenten das Spektrum weiter ausgebaut. An einem schwitzigen Tag im Juli hielten sich Roger und Schu abwechselnd den Hörer ans Ohr, um mit mir über die neuen Songs zu sprechen.

Schu: Im Herbst letzten Jahres haben wir angefangen, an dem Album zu arbeiten. Wir haben uns eigentlich von vornherein gesagt, daß wir wenig Lust auf Battle-Tracks haben und lieber in den Texten wirkliche Ideen verarbeiten wollen. Wir haben uns auf jeden Fall Beats ausgesucht, auf die wir in der Art vorher noch nichts gemacht haben. Es ist unser viertes Album und wir hatten keine Lust, noch mal ein “Eins A”-Album zu machen oder “Grosses Kino” noch mal zu verarbeiten.
Schu: Das hast Du ganz richtig erkannt. Den Druck, der da ist, den machen wir uns selbst. Jeder einzelne von uns wollte natürlich, daß das Album besser wird, als das letzte. Je mehr Platten du machst, desto schwieriger wird es auch innerhalb der Band, dich gegenseitig zu überraschen. Wenn beispielsweise Holunder mit einem Text ankommt, ist der Text immer sehr gut, aber einfach auch schon oft da gewesen. Es wird immer schwerer, etwas Besonderes zu machen. Bei Tracks wie “Manfred Mustermann” vom neuen Album konnten wir uns selber wieder sehr begeistern. So etwas haben wir vorher noch nie gemacht. Solche Sachen werden immer wichtiger. “Magic Disco” gehört auf jeden Fall auch dazu.
Schu: Ich glaube, das geht leichter als man denkt. Der Mustermann träumt ja vom Lanzarote-Tauchen. Das machen wir ja in diesem Sinne gerade, weil wir Musik machen. Ich weiß nicht, Du schreibst fürs MK ZWO und, da gehe ich mal von aus, bist auch glücklich dabei. Man muß eben nur schauen, daß man seinen Arsch hochbekommt und das Ding, was man für sich gefunden hat, auch durchzieht. Sicher gibt es viele Leute, die wie der Mustermann das ganze Leben davon träumen und es doch nie machen. Das ist schon eine Form von Realität, die hier in Deutschland vorherrscht. Das Lied hat aber keine resignierte Message von wegen “so muß es laufen”. So läuft es oft, deshalb heißt der ja auch Mustermann, aber ich denke, man kann sich davon frei machen. Wir führen dadurch, daß wir Musik machen, ein sehr abwechslungsreiches Leben.
zugehörige VÖs:
Blumentopf - Das Fenster Zum Berg EP (EP - 02/2011)
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Blumentopf - SoLaLa (Single - 09/2010)
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Blumentopf - Wir (Album - 06/2010)
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Blumentopf - Die City Schläft (Single - 02/2007)
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Blumentopf - Musikmaschine (Album - 09/2006)
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Schu: Da kann Dir jeder von uns eine andere Antwort geben. Ich für meinen Teil weiß es nicht wirklich. Jeder von uns wird weiter Musik machen, das ist klar. Vielleicht nicht mit dem Anspruch, damit sein Lebensunterhalt verdienen zu wollen. Wir hören ja auch nicht gleich auf, nur weil das mit dem Geld nicht mehr klappen sollte. Jeder hat seinen Rechner daheim, kann Beats machen, rappen und aufnehmen. Wenn es mal soweit ist, werden wir sehen, was kommt. Wir haben da nichts geplant.
Roger: Das hängt halt immer vom Text ab. “Mein Block” sehe ich jetzt eher als schön und gar nicht so als melancholisch an. “Alles Gute” schon mehr. “Manfred Mustermann” entwickelt sich erst mit der Zeit in diese Richtung. Man hätte über diesen Beat auch einen Representer-Text machen können. Durch die Geschichte, bei der der Typ am Schluß stirbt, hat das natürlich etwas Trauriges.
Schu: Das Furchtbare ist, daß jede Zeile wahr und wirklich so passiert ist. Daß sie mich nicht auf die eigene Aftershow-Party gelassen haben, ist mir mal in Rostock passiert. Der Anlaß zu diesem Lied war der Anfang: “...flieg ich durch die Hintertür und bin das Problem im Hof” – das war halt so. Ich bin weggegangen, habe viel getrunken und auf einmal haben sie mich gepackt, sind mit mir im Schwitzkasten durch die Hintertür und haben dann sogar noch fünf Mann Verstärkung geholt, um mich irgendwie vom Gelände zu kriegen. Als ich dann wieder nüchtern war, habe ich mir gedacht: “Laß den Track machen.” Ich hatte den Beat schon, und er paßte auch zu dieser Grundstimmung “ich bin die arme Sau, die draußen steht”. Mir ist das komischerweise schon sehr oft passiert. Alle Highlights habe ich in den Text reingepackt.
Roger: Das ist schon vier Jahre her. Vor “Eins A” sind wir in die Stadt gezogen und mittlerweile ist jeder auch schon einmal wieder umgezogen. In der Wohnung, über die der erste Part geht, habe ich drei Jahre gewohnt. Die Idee war eigentlich ganz leicht, ich mein‘, ich habe immer Streß mit Mietern gehabt. So saß ich irgendwann abends mit Manuva von Total Chaos da und habe angefangen zu schreiben. Es war recht geil, das mal so runterzuschreiben. Das hat auch so einen 7/8-Sample, ist also immer ungerade. Man schreibt immer dreieinhalb Zeilen. Das fällt beim Anhören gar nicht so auf, aber es hat Spaß gemacht, mal mit einem anderen Schreibprinzip einen Text zu schreiben.
Schu: Das ist einfach aus dem Wortspiel entstanden. Als Grundgefühl soll halt rüberkommen, daß man nicht als verbitterter Typ dasitzen und sich fragen sollte, was man in zwei Monaten macht, sondern daß man einfach macht, es wird schon nichts schiefgehen, denn Jah ist dein Manajah. Ich hab‘ das Ding auch einem Freund vorgespielt, der einen Reggaeladen hat, und der fand das einfach super lustig. Bis jetzt haben alle das sehr positiv aufgenommen, da war keiner dabei, der sich in seinen religiösen Empfindungen getroffen fühlte. Das müßte auch schon ein verdammt engstirniger Mensch sein. Der A.k.a.-Name von Heinemann ist übrigens Heine Selassie. (lacht) Man muß schon einen gewissen Humor haben, um unsere Sachen zu verstehen, und das ist eigentlich auch gut so.
Schu: Wo ich persönlich öfters dran denke, sind die Livekonzerte. Ich hoffe, daß sie weiterhin gut besucht, sprich: voll, sein werden. Das würde ich mir schon sehr wünschen. Da wir im Fernsehen bis jetzt eh nicht so präsent waren, ist nicht die Angst da, daß sich keiner mehr für unsere Platte interessiert. Durch unsere Homepage sehen wir, daß wir sehr viele treue Fans haben, die von diesem Medienrummel gar nicht abhängig sind. Die interessieren sich einfach für uns und warten, daß etwas Neues rauskommt. Wir hatten diesen Medienhype noch nie, und den brauchen wir auch nicht, deshalb ist es bei uns etwas anderes als bei Bands, die darauf ausgelegt sind, die Single in die Charts zu bringen.








