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Interview: Charnell

geschrieben am 26.09.2008
von Cracc

Vor ein paar Wochen stieß ich im Internet auf die Ankündigung, dass am 19. September ein „Best Of“ von Charnell im Internet als Free-Download veröffentlicht werden soll. Da ich schon eine Weile nichts mehr über ihn gehört hatte, nahm ich die Gelegenheit wahr, ein Interview mit ihm zu führen. Welchen Verlauf sein Leben in der letzten Zeit genommen und was er zukünftig vor hat, lest ihr am Besten selbst.

Charnell
Bassdraft: Hallo Charnell - cool zu sehen, dass du wieder am Ball bist...

Charnell: ...also erstmal weiß ich nichts davon, dass ich überhaupt aufhören wollte, um das erstmal klar zustellen. Es war nie eine Frage ob ich aufhöre oder nicht, es hat sich nur die Frage gestellt, wie lange ich überhaupt in Deutschland bleibe. Ich wusste nur, dass es nicht so lange sein wird, weil mich Deutschland und vor allem Berlin ankotzt. Um es nochmal zu betonen: ANKOTZT! Also bin ich nach Amerika gegangen und mache jetzt hier drüben mein Ding. Alles ist gut!

Bassdraft: ...aber in der Info zu "Best Of" steht "Charnell's Karriere ist alles andere als vorbei..."

Charnell: Das haben irgendwelche Leute erfunden, weil sie eine Zeit lang nichts von mir gehört haben. Ich bin halt nicht so eine Industrieschlampe, die einen dicken Deal hat und Geld dafür bekommt ins Studio zu gehen und Videos zu schießen. Alles was ich bisher gemacht habe, kommt aus meiner eigenen Tasche. Und kommt von Leuten um mich rum, die mich all die Jahre supportet und Dinge klar gemacht haben. Das ging in den letzten Monaten nicht so, da ich viele Probleme auf der persönlichen Ebene hatte. Da hat mich einiges eingeholt, deswegen mußte die Musik zurückstecken. Aber jetzt nach dem "Best Of" kommt wieder einiges...

Bassdraft: Die Ankündigung ein kostenloses "Best Of" Album zu releasen, kam sehr überraschend zumal du dich weitgehend von der deutschen Szene verabschiedet hattest. Wie entstand die Idee?

Charnell: Eigentlich wollte ich mein letztes Projekt "King Of Gangxta Rap" umsonst in Netz stellen. Aber mein Manager fragte mich: "Warum nicht ein "Best Of"? Du hast so viele Sachen gemacht..." Also habe ich mich hingesetzt und aus allen Sachen die besten Tracks ausgewählt. Also meiner Meinung nach Besten - beatsmäßig, flowmäßig und gamemäßig. Ich habe also den klugen Rat befolgt ein "Best Of" zu machen.

zugehörige VÖs:

Charnell - Für meine Leute (Album - 05/2010)
Charnell - Für meine Leute Charnell - Für meine Leute (ONL, Eigenvertrieb, 2010 )
Charnell - Best of Charnell (Best Of - 09/2008)
Charnell - Best of Charnell Charnell - Best of Charnell (ONL, unbekannt, 2008 )
Charnell - King Of Gangxta Rap (Mixtape - 08/2006)
Charnell - King Of Gangxta Rap Charnell - King Of Gangxta Rap (CD, Rowdy Records, 2006 )
Charnell - Übernahme (Album - 09/2004)
Charnell - Übernahme Charnell - Übernahme (CD, Px Records, 2004 )
Charnell - Charnell 2 (EP - 08/2004)
Charnell - Charnell 2 Charnell - Charnell 2 (CD, Px Records, 2004 )
Bassdraft: Wenn Du auf die Trackliste von "Best of" sieht, breitest du alle Stationen deines bisherigen Schaffens aus. Würdest du heute alle Stationen genauso gehen, wenn du nochmal die Wahl hättest?

Charnell: Ein paar Kleinigkeiten würde ich vielleicht raus nehmen bzw. nicht so intensiv und ein bisschen durchdachter machen. Leute, die wie ich von der Straße kommen, sind sehr emotional. Die handeln gleich auf den ersten Schlag und gehen gleich auf´s Ganze, wenn sie irgendetwas sauer macht. Aber ich würde alles genauso machen mit mehr Power und durchdachter. Aber alles würde genau gleich bleiben.

Bassdraft: Hast du schon Feedback bekommen, nachdem das "Best Of" online gestellt wurde?

Charnell: Wir haben in den ersten Tagen schon ein paar tausend Downloads gehabt. Ein besseres Feedback kann man sich ja gar nicht vorstellen. Wir haben ja nur nur Promo über Myspace gemacht. Wir haben das zwei Wochen vorher angekündigt und durch die Hilfe einiger Supporter hat sich das dann herumgesprochen. Jetzt kapieren manche erst, welche Tracks alle zu mir gehören...

Bassdraft: Auf deiner Myspace-Seite ist ja der Slogan zu sehen "Charnell im Studio". Arbeitest Du an einem neuen Album?

Charnell: Ich habe hier die Möglichkeit in einem Studio aufzunehmen. Sachen die ich geschrieben habe, da ich in den letzten Jahren viele Sachen erlebt habe. Ich habe viele Sachen dazu gelernt, vor allem musikalisch hat sich bei mir viel weiter entwickelt. Also lasst euch überraschen!

Bassdraft: Demnach wirst du also nicht nach Deutschland zurückkommen?

Charnell: Würde ich so jetzt nicht unbedingt sagen. Ich will nicht unbedingt gerne in Deutschland leben. Ich war in Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Ich bin viel rumgetourt und war bei vielen Leuten aufnemen. Mir gefällt Deutschland nicht so, da ich ein typischer Amerikaner bin und habe gern meine Leute um mich rum. Ich kann mir vorstellen ab und zu auf Besuch zu kommen - aber nicht mehr da leben.

Bassdraft: Hast du die aktuellen Vorgänge, wie das Ende von Royal Bunker und Optik in Deutschland beobachtet. Was denkst du darüber?

Charnell: Also ich habe es nicht mitbekommen, aber es schmerzt zu wissen, das sowas passiert ist. Royal Bunker war ein gute Bewegung aus dem Untergrund - Leute, die aus eigener Tasche Dinge gemacht haben, also ohne irgendwelche Fotzen im Hintergrund. Und wenn Savas meint, dass er aufhören muss oder dass er die Leute, die er im Boot hat, nicht mehr weiter supporten kann - ist das sehr traurig. Es hat immer Spaß gemacht, zu hören was der Dicke da macht. Wenn die jetzt alle aufhören, ist es Schade. Aber das kommt wahrscheinlich auch daher, dass die alle nicht mehr mit den riesen Aufgeboten mithalten können, die Firmen hinter "ersschwulerjunge" und "al kack massiva" aufbieten. Die packen da einfach ihr Geld rein und das macht´s halt schwer für kleine Labels. Dann kommen vielleicht auch noch Streit der Künstler untereinander dazu, weil einige nicht das Business verstehen. Wie damals, als ich so eine Schwuchtel wie Deso mit im Boot hatte, der nicht verstehen wollte, dass man nicht alle Entscheidungen alleine treffen kann, auch wenn man ein eigenes Label hat. Aber es ist sehr schade. Warum wollen die alle ihr Ding auflösen? Die sind dafür geboren, die haben das durchgezogen und haben Berlin groß gemacht. Und ich finde, die Leute sollten auch weiter im Game bleiben.

Bassdraft: Die Diskussion hat ja hier schon stattgefunden, dass man viele Sachen einfach mit Idealen angehen muss, anstatt nur auf Geld zu schauen. Wie verdienst du momentan deinen Unterhalt?

Charnell: Eine Zeit war ich in Miami als Security in einem Stripclub angestellt - immer nackte Frauen um mich rum. Da mußte ich nur trainieren, gut aussehen und im Jacket rumlaufen. Da habe ich viele Rapper kennengelernt. Das hat Spaß gemacht und ich habe gutes Geld verdient. Jetzt bin ich in Philadelphia. Da haben sich andere Sachen ergeben. Momentan bin ich in einem Shopping-Center mit 500 Läden - mache Customer-Service. Da lerne ich viele Frauen kennen und greife jeden Tag 6-8 Nummer ab. Ich fokussiere mich also nicht mehr nur auf Rap. Bei mir muss das Geld also nicht durch Musik reinkommen. Damit setzt man sich nur selbst unter Druck. Und diesen Druck kann ich momentan überhaupt nicht gebrauchen. Das Leben hat mehr zu bieten, als nur in Studios rum zusitzen uns zu Rappen. Das gehört auch zu einem Prozess dazu, um sich als Mensch weiter zu entwickeln.

Bassdraft: Danke, dass du dir die Zeit genommen hat, auf die Fragen zu antworten. Hast eine Ansage für unsere Leser?

Charnell: Lasst euch nicht verarschen! Macht die Augen auf und seht mal richtig hin, welche Leute ihr supportet und Geld in den Arsch schiebt. Das sind alles Opfer und Idioten - früher oder später werden die sich das selbst eingestehen. Es ist besser, wenn ihr als Fans das eher bemerkt, dann ist die Enttäuschung nicht so groß.