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Interview: Cronite

geschrieben am 17.11.2001
von Winfried Pitpitunge

Wir sind von Chinchilla Recordings auf die “In this Together Tour” in den Kölner Stadgarten eingeladen worden, um dort Cronite, einen englischsprachigen MC aus Nürnberg, zu interviewen.

Cronite
Bassdraft: Wo kommst du her?

Cronite: Ich komme eigentlich aus Kroatien, bin aber in Nürnberg aufgewachsen.

Bassdraft: Seit wann rappst du?

Cronite: 1989 habe ich angefangen zu rappen, Hiphop Fan bin ich seit 1983.

Bassdraft: Woher kommt dein Name?

Cronite: Den Namen haben mir die Amerikanischen Soldaten gegeben, die bei uns in der Gegend stationiert waren. Das ist die Abkürzung von Croatian Nightmare, der Kroatische Alptraum.

Bassdraft: Wie kamst du zum Label Chinchilla Recordings?

Cronite: Mein bester Freund DJ Pauliqué hat in Hamburg Beat von Chinchilla kennengelernt, und die beiden haben sich gut verstanden. Pauliqué hatte ein paar Tracks von mir mit und sie Beat vorgespielt, er fand gefallen an den Songs. So führte eins zum anderen.

Bassdraft: Produzierst du auch?

Cronite: Ja, aber nur teilweise. Die Hauptproduktionen machen DJ Stylewarz und Kaoz aus Bremerhaven.

Bassdraft: Wie kam die Verbindung mit Stylewarz und Kaoz zustande?

Cronite: Wir sind seit ungefähr fünf Jahren ein Team. Stylewarz und Kaoz suchten im Auftrag von dem Studio in dem sie damals arbeiteten 1996 einen MC für einen Remix. Die beiden haben circa zehn bis fünfzehn Rapper eingeladen, aber das Ergebnis gefiel ihnen nicht. Durch Zufall erfuhr ich davon und rappte dann auch vor in Bremerhaven. Dieser Remix ist zwar nicht veröffentlicht worden, aber der Kontakt zu Stylewarz und Kaoz besteht bis heute.

Bassdraft: Machst du noch etwas nebenbei oder kannst du von der Musik schon leben?

Cronite: Also ich mach zur Zeit nichts nebenbei. Ich bin ein Überlebenskünstler (lacht). Die Musik geht bei mir immer vor. Wenn du Hiphop lebst, dann mußt du auch sehr viele Opfer bringen, um durchzuhalten.

Bassdraft: Was ist bis jetzt von dir veröffentlicht?

Cronite: 1994 und 1997 habe ich jeweils eine Maxi auf Independent Labels veröffentlicht, im letzten Jahr hab ich Vinyl auf Eigeninitiative herausgebracht.

Bassdraft: Was ist für dich ein guter MC?

Cronite: Das ist für mich jemand, der nicht nur lyrisch, sondern auch menschlich das herüber bringt, was er fühlt.

Bassdraft: Du rappst auf englisch. Wie vereinbarst du das mit dem deutschsprachigem Publikum?

Cronite: Es ist eigentlich egal, in welcher Sprache man rappt. Es gibt nur gute Musik oder schlechte Musik. Hiphop darf man nicht unterteilen in deutschsprachig, französischsprachig oder so. Die Hauptsache ist, daß es einen berührt.

Bassdraft: Wie erklärst du dir, daß wir im Süden Deutschlands mehr englischsprachige MCs haben, als anderswo in Deutschland?

Cronite: Das hängt mit den amerikanischen Stützpunkten zusammen. Die amerikanischen Soldaten brachten die Hiphop-Kultur quasi mit. Das hat einen ganz großen Einfluß auf die HipHop-Interessierten im ganzen süddeutschen Raum gehabt. Man war zu der Zeit praktisch in der ersten Reihe, was Hiphop betraf. Es sind heute noch viele Amerikaner da, auch in meinem direkten Umfeld.

Bassdraft: Hast du Kontakt zu anderen englischsprachigen MCs wie zum Beispiel Raptile oder Square One?

Cronite: Ja, wir kennen uns persönlich schon so ungefähr fünf Jahre. Das sind coole Gruppen, die du gerade genannt hast, und die sollte man unterstützen. Medienmäßig wird in dieser Hinsicht meiner Meinung nach wenig getan. Ich finde es schade, daß ich von Ami-Acts wie zum Beispiel Lords Of The Underground, Afu-Ra oder den Roots mehr Anerkennung bekomme als von den Medien. Wenn es gut ist, ist es gut.

Bassdraft: Letzte Worte an die Leser?

Cronite: Hiphop for Life. Love, Peace und Unity.