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Interview: Da Fource

geschrieben am 01.03.2001
von Mik, Michael Schemel & Sophie Kobow

"Manche denken auch daß wir Gewalt verherrlichen, aber wir finden Gewalt Scheiße. Es ist halt nur ein Teil unseres Lebens."

Da Fource
Bassdraft: Wo seid ihr groß geworden?

Charnell: Wir haben schon überall gelebt in Berlin. In Kreuzberg, in Moabit, ich persönlich habe noch in Schöneberg und Wilmersdorf gewohnt, und in Wedding bin ich geboren.

Bassdraft: Ich habe mal gehört, daß ihr auf einem OBI-Sampler wart, wie ist es dazu gekomen?

Charnell: Da hatten wir noch ein ganz anderes Management, die Anita. Bevor wir überhaupt einen Vertrag mit ihr hatten, hatte sie schon gesagt daß sie eine Tour klarmachen könnte mit OBI, das wäre gut für die Promo und so. Zu dem Zeitpunkt hatten wir gerade "Money Rock On" aufgenomen und es war so, daß wir den Track schnell rausbringen wollten. OBI meinte dann, daß sie uns mit auf die Tour und den Track mit auf den Sampler nehmen wollten.

Bassdraft: 4-4 DA MESS war ja eure erste Konstellation. Was ist daraus geworden?

Charnell: Da gab es zu viele Meinungsverschiedenheiten.Jeder hat seinen eigenen Stil rausgefunden, Aleksey, (nicht zu verwechseln mit dem aus Braunschweig!), macht jetzt seine Soloprojekte, etwas kommerzieller und eine ganz andere Schiene. Der kleinste von uns ist immer noch tätig im HipHop, im echten HipHop. Der macht sein Ding und wir featuren ihn auch auf ein paar Tracks auf der LP, die nach der EP erscheinen wird.

zugehörige VÖs:

Da Fource - Überlegen (Album - 10/2001)
Da Fource - Überlegen Da Fource - Überlegen (CD, Epic, 2001 )
Da Fource - Überlegen Da Fource - Überlegen (DLP, Epic, 2001 )
Da Fource - Komm auf den Punkt (EP - 03/2001)
Da Fource - Komm auf den Punkt Da Fource - Komm auf den Punkt (CD, Epic, 2001 )
Da Fource - Komm auf den Punkt Da Fource - Komm auf den Punkt (2x12", Epic, 2001 )
Da Fource - Wo sind unsere brüder (Single - 00/2001)
Da Fource - Wo sind unsere brüder Da Fource - Wo sind unsere brüder (12", Epic, 2001 )
Da Fource - Welcome (Single - 00/2001)
Da Fource - Welcome Da Fource - Welcome (12", Epic, 2001 )
Da Fource - Wer von euch (Single - 00/2001)
Da Fource - Wer von euch Da Fource - Wer von euch (12", Epic, 2001 )
Bassdraft: Wieso der Name "Da Fource"?

Timo: Der Name beinhaltet die Zahl vier, wo ja viel drinsteckt, z. B. vier Elemente. Mit der vier kann man einiges verbinden. "Da Fource" ist einfach vieldeutig.

Bassdraft: Wie kam es dazu, daß ihr bei Sony gelandet seid?

Charnell: Es war erstmal viel viel Glück und viel Arbeit von unserem Manager. Der hat in sechs Monaten ohne Übertreibung schon sieben oder acht Firmen an der Hand gehabt mit Verträgen, Angeboten, alles war schon da, es hätten nur noch Unterschriften gefehlt. Im Endeffekt hat's aber wegen Kleinigkeiten nicht hingehauen. Auf jeden Fall waren mehrere Firmen interessiert, so z. B. auch Sony. Wir wollten das so, und wollen es auch immer noch so.

Bassdraft: Könnt Ihr euch bei Sony so entfalten, wie ihr es euch vorstellt? Könnt ihr zu 100% Euer Ding machen?

Timo: Wir können nicht zu 100% unser Ding machen, sagen wir mal zu 90%. Wir können sagen, was wir wollen, die Beats nehmen, die wir wollen. Es ist halt nur eine Frage mit der Abmischung. Unsere Versionen die wir ursprünglich einfach raw aus dem Studio bekommen, sind unserer Meinung nach doppelt so gut wie die, die nachher von Sony abgemastert wurden.

Bassdraft: Wie fühlt man sich dann? Ihr solltet ja eigentlich hinter den Sachen stehen die ihr macht.

Charnell: Wir stehen hinter den Sachen, die wir machen. Das Ding ist einfach: Es ist eine Frage von Klasse. Manche Leute sagen, es hört sich viel besser an, wenn es glasklar und superrund ist, wieder andere Leute sagen, es hört sich viel besser an, wenn es dreckiger ist. Aber im Endeffekt sind die Sachen die kommen auch wir, und dazu stehen wir auch.

Bassdraft: Also kann es passieren, daß sich ein Stück ganz anders anhört, wenn man euch live sieht.

Charnell: Nein, auf keinen Fall.

Bassdraft: Nochmal zum Berliner HipHop. Jeder macht sein Ding, alle arbeiten gegeneinander.

Charnell: Arroganz ist so ein Ding. Jeder denkt, daß er der Beste ist. Aber wir haben kein Problem damit. Ich bin mit vielen von den Jungs groß geworden, bevor sie überhaupt angefangen haben zu rappen. Boogienights von den Harleckinz, also die ganzen Harleckinz-Jungs, Oliver, Jan, Harris, die geben sich und ihren Gruppen alle ihre Namen, und das ist auch gut so. Aber der Punkt ist: Wir haben uns mit den Leuten, die wirklich on top sind und was machen schon gut gestellt, indem wir einfach das Glück hatten, mit ihnen aufzuwachsen. Die Leute aus Berlin, die wirklich rappen und was tun, das sind Leute wie KMC, Harleckinz, Spezializtz, und das war's eigentlich schon. Der Rest ist Underground, auf sich bezogen und die wollen auch so bleiben. Das sollen sie auch tun, im Endeffekt interessieren sie sowieso keinen Menschen.

Bassdraft: Aber kommt das nicht so rüber wie "Wir sind die Großen", und andere denken dann, daß ihr voll abgehoben seid?

Timo: Es gibt immer diesen Fake. Das Ding ist halt: Überhaupt alle Rapper sind normale Menschen mit denen man reden kann. Ich spreche von denen, die so fakermäßig hart sind. Mir ist aufgefallen, daß viele von denen aus Berlin sind und von denen habe ich noch nie was gehört, so straßenmäßig. Und ich weiß ganz genau, wenn's mal hart auf hart kommt, da haben wir auch schon selbst Leute drauf angesprochen, dann geben die zu: "Nee, so sind wir ja gar nicht drauf". Das ist meiner Meinung nach nix, wenn du hart rappst, müßtest du meiner Meinung nach auch hart von der Person her sein.
Na ja, und es gibt auch Leute die machen nur Battlerhymes hier, Battlerhymes da, und wir machen keine Battlerhymes. Viele Leute denken, wir machen das, weil es sich hart anhört. Für uns sind Battlerhymes einfach übertrieben, wenn wir was hartes sagen, was übertrieben kommt, dann ist es verbunden damit, was wir wirklich mal erlebt haben. Und die Leute die uns kennen, die wissen einfach: "So sind die". Und die Leute die uns nicht kennen denken entweder: "Die sind zu hart" oder "Die sind ja komisch drauf". Manche denken auch daß wir Gewalt verherrlichen, aber wir finden Gewalt Scheiße. Es ist halt nur ein Teil unseres Lebens.

Bassdraft: Aber wenn man euch so sieht, dann denkt man vielleicht schon: "Oh, aufpassen"!

Timo: Es ist auch mal so gewesen, aber es gab einen Kurswechsel. Ich habe geheiratet, Charnell ist Vater geworden. Es ist eine Kopfsache, und wir machen nun lieber Musik. Nur macht jeder MC Musik, die er IST, und wir machen es auf unsere Art.
Charnell: Wir sind die typischen Berliner Jungs, die sprayen, breaken, Faxen machen. Wir sind halt damit auch nach vorn gegangen, weil es auch Zeit dafür wird. Wir reden über das typische Berlin.

Bassdraft: Wie meint ihr, wird die Platte in Berlin angenomen werden?

Charnell: Die Leute, mit denen wir zusammen sind und die wissen, daß wir echt sind, die sagen, daß es besser ist, als uns im Knast besuchen zu gehen. Wir haben schon viel erlebt, uns ist schon so viel passiert, wir leben hier einfach. Es ist nicht Amerika und wir sind auch keine Gangster, wir machen einfach das, was in Berlin angesagt ist. Wie das jetzt angenommen wird wissen, wir nicht, und es ist uns auch völlig egal.

Bassdraft: Für euch ist HipHop also kein Lifestyle?

Timo: Die Leute wollen das alles immer verbinden. Wenn sie HipHop hören, denken sie an kiffen. Aber das sind zwei verschiedene Sachen. Für mich ist Rap das, was passiert, und das wußte ich auch schon, bevor ich mit dem rappen angefangen habe. Und deswegen habe ich kein Verständnis für irgendwelche Pseudo-Styles. Ich will nicht dissen, aber ich habe einfach kein Verständnis dafür. Jeder macht es auf seine Art, z.B. Dendemann, der ist cool. Der sagt, er kommt aus einem Dorf und macht HipHop, weil er da einfach Bock drauf hat, und das ist was Echtes. Er macht es einfach so, wie er lebt,und aus einer echten Überzeugung, und nicht, um sich zu verkaufen.

Bassdraft: Habt ihr noch andere Einflüsse in eurer Musik wie z.B. Reggae, oder habt Ihr mal sowas vor?

Timo: Wir haben mit Kappa einen Track gemacht, "Welcome".
Charnell: Wir hören nicht nur HipHop. Wir hören viel Soul, aber beeinflussen tun wir uns eigentlich nur gegenseitig.

Bassdraft: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Meli?

Charnell: Wir haben uns auf einer Party kennengelent, und da erzählte sie uns, sie hätte viel von uns gehört und findet uns cool.
Timo: Beim ersten Kontakt haben wir gleich gesagt: "Wir machen was zusammen". Und dann haben wir den Track für das Kopfnicker- Album gemacht mit ihr und Ju, der den Refrain gemacht hat. Danach sind wir dann mal zu Afrob ins Studio, haben einen Track aufgenommen, wo wir uns dann später überlegten, daß der mit Meli im Refrain echt gut käme.

Bassdraft: Und was wäre mal mit einem Amerika-Feature?

Timo: Muß man sehen, aber geplant ist nichts.

Bassdraft: Was ist mit der LP?

Charnell: Die EP ist erstmal ein Vorgeschmack auf die LP, und die ist dann vielfältiger. Auf der EP haben wir sehr betont, woher wir kommen, was hinter uns steht. Wir repräsentieren Berlin wie es ist, und das wird auf der LP noch vertieft.

Bassdraft: Wie sieht es live so bei euch aus?

Charnell: Wir haben vor allen dingen Beats, an die sich andere nicht rantrauen. Es sind nicht diese düsteren Sachen, es sind schöne Melodien mit schönen Refrains.
Timo: Ich gucke erstmal wie die Stimmung ist, mein DJ macht einen Beat an und ich bringe die Leute erstmal bis zu meinem Pegel: richtig Energie. Und wer nach uns auf die Bühne kommt, ist angearscht.