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Interview: Duell - "Bis Ans Limit"

geschrieben am 19.09.2009
von Cracc

„Bis ans Limit“ heißt das zweite Soloalbum von Duell von 41 Beatfantika. Kurz nach der Veröffentlichung trafen wir den Berliner Rapper in seinem Studio. Das ausführliche Gespräch drehte sich natürlich um sein neues Album und den Entstehungsprozess. Auf die Inhalte angesprochen, wird schnell klar, dass Duell eine breite Themenvielfalt mit den verschiedensten Hintergründen einfließen läßt. Neben seinen Lebenszielen, gibt es konkrete Infos zu den nächsten Projekten und Veröffentlichungen.

Duell
Bassdraft: Was sind die Unterschiede zwischen dem neuen Album „Bis ans Limit“ und deinen früheren Veröffentlichungen?

Duell: Von der Qualität hat sich einiges geändert, da wir jetzt mit anderen Geräten arbeiten. Wir arbeiten nicht mehr soviel mit Software, sondern mehr mit Hardware. Raptechnisch habe ich mich natürlich auch weiter entwickelt. Der Unterschied zwischen "Gut und böse" und "Die jungen Wilden" ist hauptsächlich inhaltlich: "Gut und böse" war eher ein sozialkritisches Album und "Die jungen Wilden" war dagegen ein Projektalbum. Es lief auf der Schiene Crunk, Synthiesounds, South...

Bassdraft: Das neue Album geht auch in diese Richtung?

Duell: Ja richtig. Das neue Album ist auch South-angelehnt. Es sind 21 Tracks drauf, davon sind zwei oder drei Beats langsam. Der Rest ist HiHat-lastig.

Bassdraft: Wie hast du dich thematisch orientiert?

Duell: Hauptsächlich habe ich mich mit persönlichen Sachen beschäftigt: Wie mein Leben ist, wenn man auf der Straße aufwächst und mit diversen Leuten zu tun hat, die hauptsächlich auf der Straße aktiv sind. Zwei bis drei Tracks gehen in Richtung Politik bzw. sind sozialkritisch. Party ist auch eine Thema, z.B. "Halbe Liter fließen wieder", das lehnt an ein Lied an, welches noch rauskommt. Dieses heißt "Halbe Liter" und wird auf einem gemeinsamen Album von Blutbad Berlin und 41 Beatfanatika drauf sein. Die Fortsetzung mit DeineLtan ist also schon jetzt auf meinem Album. Ansonsten habe ich mit Konkret, Pablo SOK und Illa Mac einen Track aufgenommen, dieser heißt "Übertrieben" und ist auch ein Partysong.

zugehörige VÖs:

Duell - Bis ans Limit (Album - 08/2009)
Duell - Bis ans Limit Duell - Bis ans Limit (CD, Fight 4 Music, 2009 )
Duell - Zwischen Gut und Böse (Album - 05/2005)
Duell - Zwischen Gut und Böse Duell - Zwischen Gut und Böse (CD, 41 Beatfanatika, 2005 )
Bassdraft: Die aktuellen Freetracks, die ich kenne, haben ein ähnliches Thema...

Duell: ...ja, den neuen mit Vero und Butcher "Komm in den Club" haben wir letztens im Studio spontan aufgenommen, und gleich als Werbung ins Netz gestellt. Bei mir gibt es nur Zwei Themen - entweder Party oder Sozialkritisch. Je nachdem, wie ich mich gerade fühle.

Bassdraft: Was hat dein Album von außen beeinflusst?

Duell: Auf das Musikalische bezogen, ist die einzige Inspiration Isy-Beatz. Wenn er sagt: "Mach diesen Part nochmal neu, das passt nicht so richtig" oder "das kannst Du besser" - dann nehme ich das Ernst, er ist ja mein Produzent.

Bassdraft: Auf "Bis ans Limit" sind sehr viele Featureparts enthalten, wie sind diese entstanden?

Duell: Durch den Wechsel von Distrubutionz zu Fight 4 Music habe ich neue Connections knüpfen können. Deshalb habe ich bei den Features auch Leuten dabei, mit denen ich früher nicht künstlerisch tätig war. Vero oder Akte habe ich über Fight 4 Music kennen gelernt. Bei DeineLtan bzw. Blutbad Berlin kam der Kontakt über 41 Beatfanatika zustande. Da wir auf einer Wellenlänge liegen, haben wir eine Feature für den Blutbad Berlin Sampler aufgenommen. Nach und nach haben wir immer mehr Tracks recordet. Und daraus resultierten mehr und mehr Connections.

Bassdraft: Und mit DeineLtan ist daraus ein ganzes Kollabo-Album entstanden, welches du bereits angesprochen hast?

Duell: Richtig. Das ist komplett fertig produziert und gemastert. Das werden 15-16 Tracks sein. Unter welchen Namen das erscheinen wird, wissen wir noch nicht. Es könnte z.B. amerikanisch angelehnt "Kings Of Crunk" oder "106 Prozent Crunk" heißen, was sich aus den alten Stadtteilkennzahl 65 für Wedding und 41 für Steglitz zusammensetzt. Das ist in erster Linie Isys Entscheidung, da er das Album produziert hat.

Bassdraft: In Berlin scheint eine Zusammenarbeit über die Stadtbezirksgrenzen hinweg oft schwierig zu sein. Wie siehst du das allgemein und im speziellen mit Blutbad Berlin?

Duell: Naja, Berlin ist im Endeffekt auch bloß ein Dorf. Wen man gegen andere Vorurteile hat und deshalb nicht mit ihnen zusammenarbeiten will, ist die Entwicklung so, dass nach Jahren trotzdem irgendwie zu einer Zusammenarbeit kommt. Da auch Wurzeln von meinen Freunden im Wedding liegen, kann ich mich mit Wedding auf jeden Fall identifizieren. Es ist cool, dass diese Zusammenarbeit entstanden ist. Man muss ja auch bedenken, das ist das erste Kollabo-Album von zwei kompletten Crews aus zwei verschiedenen Stadtbezirken ist. Von zwei verschiedene Leuten aus unterschiedlichen Bezirken gibt es das schon, aber zwei ganze Crews haben das nach meinem Wissen noch nicht geschafft.

Bassdraft: hmm... da fällt mir nur die Zusammenarbeit von Juiceful-Records mit Extendet Spirit ein, welche ja heute Jazzanova sind...

Duell: ...oder Spreepatienten, das war ja mehr ein großer Clan und ein Zusammenschluss von vielen Rappern aus Berlin, nicht zwei ganze Crews die zusammen arbeiten. Somit haben wir etwas Einzigartiges geschaffen.

Bassdraft: Ich habe schon oft gehört, dass die RapCity DVDs solche Zusammenarbeiten gefördert haben, trifft das bei euch auch zu?

Duell: Auf jeden Fall kann man sagen, dass man dadurch einen Überblick bekommen hat. Da ich meistens mit Leuten zusammenarbeite, die das selbe Ziel verfolgen und den selben Stil haben, kannte ich selbst viele Rapper und Crews nicht. Das finde ich gut. Aber wir haben durch diese DVDs keine neuen Kontakte geknüpft. Da bietet mir das Medium Internet mehr Möglichkeiten Leute kennen zu lernen und gleich anzuschreiben, z.B. myspace.com

Bassdraft: Und das hat dir gute Kontakte gebracht?

Duell: In erster Linie hat es Isy eine Menge gebracht. Er kann gleich die Beats in die USA schicken, er hat z.B. Smoke produziert. Der war Untergrundtalent 2008 in Memphis. Er arbeitet auch mit Leuten in Frankreich oder Italien zusammen. Dieser Weg des Internets ist gut nutzbar, um schnell zu arbeiten und Talente in anderen Städten und Ländern zu fördern

Bassdraft: Springt dabei auch finanziell etwas heraus oder bringt das in erster Linie Kontakte und Zusammenarbeit?

Duell: In erster Linie ist das natürlich ein Geben und Nehmen. Man schickt einen Beat und bekommt dafür einen 16er oder einen ganzen Part zurück. Es lässt sich aber auch mit Beats und Produktion Geld verdienen.

Bassdraft: Aber es ist schon schwierig sich nur mit Musik über Wasser zu halten?

Duell: Diese ganze Internetsache hat natürlich auch Nachteile, wie die illegalen Downloads. Wenn die Leute heute mit 20-30 Euro eine Flatrate bekommen und für das Geld, was sie früher in CDs gesteckt haben, alles downloaden können, was sie haben wollen, fehlt das Geld natürlich an anderer Stelle. Die Kosten, die durch eine Produktion entstehen und der Zeitaufwand den man hat, müssen zumindest gedeckt sein. Dass die Fans die CD kaufen, diese Anerkennung fehlt leider momentan. Wenn ein Künstler deshalb keine CDs mehr herausbringen kann, ist es natürlich traurig. Das Internetding hat Vor- und Nachteile.

Bassdraft: Man kann die Freiheiten durch Überwachung wieder einschränken. Vielleicht könnte man dadurch auch erreichen, dass die Fans wieder mehr CDs kaufen. Auf der anderen Seite sehe ich dann aber die Gefahr, dass die freie Meinungsäußerung eingeschränkt wird. Viele Rapper haben jetzt schon mit den entsprechenden Behörden zu kämpfen...

Duell: Ja, es wird natürlich immer ein Medium geben, welches nach Meinung der Politiker die Jugend verunreinigt und zum Ausrasten bringt. Sei es nun ein Ballerspiel wie Counterstrike oder Harter Rap. Teilweise haben sie ja Recht. Gewaltverherrlichende Texte, in denen man beschreibt, wie man Leuten die Köpfe abhackt oder wie man Frauen missbraucht und vergewaltigt - davon halte ich sehr wenig. Ich bin da eher Realist und verarbeite die Einflüsse meines Lebens. Bei Horrorrap und anderen Sachen ist es schwer eine Grenze festzulegen. Wo fängt es an und wo hört es auf, das ist die große Frage. Ich glaube nicht, dass Jugendliche durch Filme und Musik so schlimm beeinflusst werden. Es gab früher schon Action- und Horrorfilme. Und meine Generation und die davor ist auch schon an alles herangekommen. Also mich hat es nicht zu meinem Nachteil beeinträchtigt. Jetzt ist es nur durch das Internet noch leichter geworden an alles heranzukommen.

Bassdraft: Aber wenn ich mir die heutigen Mechanismen z.B. der BPJM ansehe, da sitzen über 60jährige Frauen, die beurteilen wollen, was ein 16jähriger heutzutage hören darf und was ihn nicht beeinträchtigt. Die Entscheidungen kann auch niemand nachvollziehen, da es nicht öffentlich ist und niemand weiß, warum diese Entscheidung getroffen wurde. Das halte ich für sehr bedenklich. Die Leben doch gar nicht in der heutigen Zeit, diese Leute setzen die Maßstäbe von vor 30 Jahren an.

Duell: Ein gutes Beispiel ist da auch die Serie "Family Guy". Die lief früher um 23:00 Uhr auf MTV und kommt jetzt auf Pro7 um 12:30 am Mittag. Dort wird in jedem zweiten Satz Schlampe, Nutte, Fotze oder ficken benutzt. Im Gegensatz werden CDs zensiert oder verboten, wenn man sagt ficken, bumsen oder blasen. Dadurch ist auf jeden Fall die Meinungsfreiheit und das was man ausdrücken möchte beeinträchtigt.

Bassdraft: Horrorrap ist auch künstlerische Freiheit. Ich sehe aber keine Grenze die man nachvollziehbar festlegen könnte, was erlaubt ist oder nicht. Also entweder lässt man so etwas komplett fallen oder geht noch restriktiver vor.

Duell: Nur weil ich jetzt kein Fan davon bin, würde ich Horrorrap nicht verbieten. Es gibt aber schon Grenzen. Ich weiß zwar nicht, wo ich die ansetzen würde und es fällt mir auch niemand ein, der so krasse Sachen rappt, dass man sie verbieten müsste. Für Außenstehende stellt sich eher die Frage, meint der Künstler das wirklich Ernst oder ist das alles Illusion. Wenn das ein Elfjähriger hört, weiß ich nicht, wie der das aufnimmt. Da macht die FSK 18 schon Sinn, aber letztendlich wird es auch wieder unter dem Ladentisch verkauft. Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel und letztendlich sinnlos.

Bassdraft: Ähnlich sieht es mit der Debatte um die Sperrung der Kinderpornoseiten aus. Es wird einfach der Mantel des Schweigens darüber geworfen, so das es die breite Masse nicht mehr sieht. Aber das wird es trotzdem weiterhin geben und diese Leute werden einen Weg finden, um an ihre Sachen zu kommen. Aber diese Gesetze werden missbraucht werden, um politische und kritische Seiten zu sperren.

Genau und diese Kinderpornoringe ziehen sich auch in politische Kreise. Wer da alles mit drin hängt und es wird nicht wirklich etwas dagegen getan. Es wird nur verschleiert. Und was sind Raptexte dagegen.

Bassdraft: Ich hatte auch den Eindruck, dass man z.B. die Leute von Hirntot zu Monstern aufgeblasen hat, um von anderen Problemen abzulenken. Oder DeineLtan, die hatten je richtig Stress wegen "Fick die Cops".

Es ist wirklich traurig, wie weit es gekommen ist. Vor allem mit dieser ganzen Überwachung. Ich sehe uns auch in zehn Jahren nicht mehr so offen und ehrlich über diese Themen reden können. Die werden das immer mehr eindämmen was man sagen darf. Da bin ich mir sicher. Wenn ich in zehn Jahren einen Track, wie "Fick die Cops" herausbringe, dann geht das noch viel schlimmer aus, da bin ich mir sicher.

Bassdraft: Ja das ist die eine Seite. Rap ist in den letzten Jahren aber auch sehr unpolitisch geworden und prangert diese Zustände nicht an, obwohl Leute wie Bushido in Deutschland mittlerweile die Reichweite haben, um etwas zu bewegen.

Duell: Das ist mir auch aufgefallen. Aber wenn man ehrlich ist, hat Bushido viele Lieder gemacht, die sozialkritisch sind, beispielsweise "Augenblick" oder "Janine", aber auch viele andere Lieder gehen in diese Richtung. Oder Massiv hat auch solche Sachen gemacht. Aber ich gebe Dir recht, das könnten mehr Leute machen. Das ist ebenfalls bei mir ein bisschen zurückgegangen. Ich habe zwei, drei Tracks auf meinem Album die in die kritische Richtung gehen. Es wäre auch schön, wenn sich wieder mehr zusammentun und solche Songs und Videos machen. Was ich auch gut fand, der Song "Wahlkampf" von Sido und G-Hot. Der Song hat in meinem Kopf wie eine Bombe eingeschlagen. Der kam ja auch genau zu den Wahlen raus, was ein schlauer Schachzug war. Aber so etwas müsste man auch machen, wenn keine Wahlen sind. Und andere Themen der Weltgeschichte ansprechen.

Bassdraft: Ich weiß nicht über was sich Rapper im Alltag unterhalten, gibt es bei euch politische Diskussionen?

Auf jeden Fall! Wir haben sogar ganz andere Themen. Bsp. Illuminaten und wer da alles verstrickt ist...

Bassdraft: Glaubt ihr an diese Theorien?

Duell: Viele Leute sagen ja, das sind Hirngespinste. Aber die Anzeichen dafür sind doch da. Oder wenn ich mir beispielsweise die Bibel anschaue und mit den Sachen vergleiche, die auf der Erde passieren... Ich beschäftige mich sehr damit. Und viele Leute die keine Musik machen, unterhalten sich mit mir, z.B. über den Antichristen, Illuminaten, Templer usw. Als Weltbürger sollte man sich damit beschäftigen. Das ist ein System, was über Jahrhunderte aufgebaut wurde und lässt sich nur ganz schwer ändern. Aber was will man gegen ein System tun, welches einem aufgezwungen wird. Außerdem kann man darauf hängen bleiben, wenn man sich zu lange damit beschäftigt und sieht nur noch alles negativ: glaubt niemanden mehr, es geht sowieso nur um´s Geld. Aber es ist schon verwunderlich, wer da alles mit drin steckt.

Bassdraft: Die Bilderberger oder wen meinst du damit?

Duell: Ein gutes Beispiel ist Tom Hanks. Warum bringt einer, der über zehn Ecken mit Bush-Leuten verwandt ist, ausgerechnet einen Film heraus der Illuminati heißt. Oder das Leute wie Rihanna in ihren Video das dritte Auge über ihren Kopf halten. Ob die nun provozieren wollen oder das bewusst einsetzen ist natürlich eine andere Sache. Man darf auch nicht vergessen, die Musikindustrie ist eine riesige Plattform um Leuten das Gehirn zu waschen. Künstler wie Britney Spears werden ja teilweise wie Götzen verehrt. Wenn 50.000 Leute davor stehen, sollte man sich schon der Verantwortung bewusst sein. Deswegen sollte man als Künstler immer wissen, was man sagt und wie man das meint. Dass du auch Rede und Antwort stehen kannst, wenn jemand mit den Finger auf dich zeigt. Auf jeden Fall beschäftige ich mich mit solchen Themen und glaube auch an Gott.

Bassdraft: Bist du christlich?

Duell: Ja, ich bin Evangelist oder Protestant, je nachdem wie man es nennen möchte. Ich bin getauft und konfirmiert. Natürlich kommen durch meine Freunde auch Einflüsse aus dem Islam dazu. Ich nehme viel aus dem, was mir meine Mutter beigebracht hat, z.B. dieses Geben und Nehmen und dieses Miteinander. Ich habe erkannt, dass es besser ist, wenn man positiv denkt. Dass man nicht alles schlecht macht und guten Freuden helfen sollte. Und als Mann zu seinem Wort steht. Man muss natürlich einen gewissen Abstand wahren und darf nicht jeden gleich als Freund betrachten. So kommt man mit einer positiven Einstellung durch das Leben.

Bassdraft: Leider funktioniert das im Allgemeinen ja nicht so.

Duell: Leider gehen die Werte im Allgemeinen den Bach runter. Es gibt immer wieder Leute, die es durch Spitzen werfen schaffen, einen runter zu ziehen. Gerade wenn sie über dir stehen. Letztens habe ich eine Probetag im Hotel gearbeitet. Ich habe das früher einmal gelernt. Dort habe ich gesehen, wie die Leute ticken und die Hierarchien aufgebaut sind. Deshalb habe ich das gleich wieder an den Nagel gehangen.

Bassdraft: Oft muss man sich aber mit diesen Strukturen arrangieren, um Geld zu verdienen. Eine Selbständigkeit ist auf alle Fälle angenehmer, aber auch in vielen Belangen schwieriger. Wenn das gut läuft, ist es die beste Möglichkeit, diesem System zu entkommen.

Duell: Natürlich muss man Arbeit finden und Geld verdienen, das bleibt nicht aus. Für Arbeitgeber zu arbeiten, die einem ständig auf´s Dach steigen, obwohl du derjenige bist, der ständig schuftet, ist auch nicht mehr mein Ding. Ich habe dort wieder gemerkt: Gott hat mir ein Talent gegeben und das ist die Musik. Menschen dadurch zum Denken anregen. Mein Lebensziel ist es eine kleine Firma aufzubauen, um mit meinen Kumpels und Freunden etwas entstehen zu lassen und es mit meinem Talent zu vereinen, um dann der nächsten Generation etwas wiederzugeben. Bzw. der nächsten Generation zu zeigen, dass es auch anders geht.

Bassdraft: Ihr fördert ja schon jetzt den Nachwuchs, wie ich in anderen Interviews mitbekommen habe.

Duell: Richtig! Wir haben mehrere Leute, die wir fördern. Einer heißt Mission, ist 19 Jahre alt und kommt aus Tempelhof. Ihn habe ich produziert. Oder Rush, der ist 16 Jahre, kommt aus Steglitz und ihn hat Isy unter seine Fittiche genommen.

Bassdraft: Wie kann man mit euch in Kontakt treten?

Duell: Man kann uns anschreiben. Ich kann zwar nicht versprechen, dass ich mir jedes Tape oder jeden Track sofort anhöre. Mission habe ich z.B. über Kontakte kennen gelernt. Er brauchte jemanden, die ihn produziert. Den habe ich gehört und da er Talent hat, habe ich gesagt, ich helfe dir. Und dann haben wir angefangen zu produzieren. Rush war jahrelang unser Nachbar und das läuft im Grunde genommen unter Nachbarschaftshilfe.

Bassdraft: Andere Labels oder Rapper unterdrücken eher neue Künstler. Viele sind meiner Meinung dadurch langfristig gescheitert. Wie siehst du das?

Duell: Es gibt Labelchefs, die sehr gut Rappen können und in der Szene eine großen Hype hatten. Aber die Leute, die sie fördern, nie so hoch kommen lassen würden wie sich selbst, weil sie Angst haben, dass die ihnen das Brot wegnehmen. Das finde ich sehr Schade. Man kann es aber in Eigenregie schaffen. Ich renne nicht zu einem Label und will das die mich signen, nur um dort Geld zu verdienen oder bekannter zu werden. Vielen Künstler schaffen es gesignt zu werden, klammern sich an das Label und wundern sich, wenn sie untergehen. Die verlassen sich auf Leute, die zwar einen großen Namen haben, aber eigentlich keine Zeit für sie haben. Ich probiere es auf meine Weise: Das Geld steht nicht im Fokus der ganzen Sache, sondern der Spaß an der Musik. Das was man erlebt wiedergeben und den Jüngeren etwas weitergeben.

Bassdraft: Wir wünschen dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei. Hast du abschließend noch ein paar Worte an unsere Leser?

Duell: An alle Fans und Raphörer unterstützt den Untergrund und kauft euch das Rapalbum Nr. 1 "Bis ans Limit". Ansonsten Grüsse ich meinen Bruder Isy-Beatz, Raper Pimp, Ghettokanakke und alle die mich kennen. Vielen Dank für das Interview, ich bin raus.