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Interview: Eko Fresh

geschrieben am 18.06.2003
von oliversum, David Seitz

Und ein weiteres Mal erklimmen wir die schier endlose Treppe zum Optikbüro, um uns in die hochgelegenen Sphären aufzuschwingen, in denen sich Eko offensichtlich nicht nur im übertragenen Sinne bewegt. “König Von Deutschland” heißt seine mit Spannung erwartete neue EP, mit der er sich auch aus altem Fahrwasser löst und Neues ausprobiert. Eko ist gerade auf dem Sprung, übers Wochenende geht’s heim zu Mama, doch für uns nimmt er sich natürlich gern die Zeit, bei einer gediegenen, äh, Zigarre locker über dies, das, einfach so verschiedene Dinge zu reden und uns sein Leben als von den einen als Rapstar Gefeierter, von den anderen als Savaskopie Geschmähter näherzubringen.

Eko
Bassdraft: Was machst du jetzt? Bist du hauptberuflich Rapper?

Eko Fresh: Ja, eigentlich schon. Ich hab’ sonst nichts zu tun. Ich mach’ auch ziemlich viel, das wundert mich selber (grinst). Ich hab’ jeden Tag was zu tun. Wenn ich nicht aufnehme oder was schreibe, dann bin ich hier im Büro oder zum Beispiel gestern war ich bei MTV, den Tag davor war...(zum Labeltyp) was war da noch mal, David? Ach so, Auftritt in Ostdeutschland für Radio Fritz. Ist schon geil, das so hauptberuflich zu machen.

Bassdraft: Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Eko Fresh: Sehr stark, auf jeden Fall. Ich muß viel selbständiger arbeiten. Ich mach’ alles zu Hause selber, waschen und so, das mußte ich früher nicht, als ich bei Mama gewohnt hab’. Jetzt muß ich alleine Miete bezahlen, muß gucken, daß Essen auf den Tisch kommt.

Bassdraft: Kannst du noch auf die Straße gehen?

Eko Fresh: Eigentlich schon. Ich bin meistens überfordert, wenn mich Leute darauf ansprechen, weißt Du, im Club oder so. Deswegen gehe ich ungern raus. Ich geh’ auch ungern abends weg, wenn ich nicht einen Auftritt habe. Ich bleibe lieber anonym. Mit meinen Freunden von früher – die nicht mit mir reden in dem Bewußtsein: Das ist jetzt jemand, der bekannt ist – die meinen Humor von früher kennen, habe ich immer meinen Spaß. Aber das mit Rap sehe ich alles sehr professionell, als Beruf eben.

Bassdraft: Wie sieht’s mit der Kohle aus?

Eko Fresh: Na ja, ich bin nicht reich. Durch das Geld von der Plattenfirma finanziere ich mein Album. Was ich durch Auftritte et cetera verdiene, ist mein Taschengeld. Man denkt immer, wenn jemand gesignt ist, ist er automatisch reich, aber da fängt es erst richtig an. Wenn du dann erfolglos bist, bist du richtig am Arsch.

Bassdraft: Du giltst ja bei vielen als der Typ, der nur über Amirapper rappt. Wie stehst du selbst dazu?

Eko Fresh: Das habe ich mittlerweile eigentlich eingestellt. Auf dem Nicon-Tape und so, das sind halt Spitter-Parts, die schreiben wir teilweise in 15 Minuten. Aber auf meinem Album mach’ ich das nur noch, wenn’s auch krass geil ist. Das wurde immer falsch verstanden. Ich rappe auch nicht mehr über solche Gangsterscheiße. Ich könnte auch lachen, während ich das rappe, die würden das trotzdem falsch verstehen. Manche Leute wollen’s gar nicht richtig verstehen. Aber egal. Auf der EP habe ich einen Track, in dem eine Strophe nur aus Vergleichen aus Robert De Niro-Filmen und die zweite aus Al Pacino-Filmen besteht, den hab’ ich “Heat” genannt, weil das der Film ist, in dem die beiden zusammen spielen. “Wie Du Es Willst” ist nur über Club und Frauen. Das Video “König Von Deutschland” ist über Promis in Deutschland. Das ist mein kommerziellster Track bisher.

Bassdraft: Wie war der Dreh?

Eko Fresh: Anstrengend. Es waren zwei Tage. Zuerst eine Nacht, in der wir die Autoszenen gedreht haben. Dann konnte ich ein bißchen schlafen. Und dann noch mal 24 Stunden am Stück in einer Bowlingbahn. Ist halt ein bißchen wahnsinnig, da sind hundert Leute, die laufen alle rum, drei Trucks fürs Licht und so. Alles wegen deinem Song, schon ein krasses Gefühl.

Bassdraft: Hast du Interesse an Amifeatures?

Eko Fresh: Natürlich. Ich hab’ allerdings ein paar schlechte Erfahrungen gemacht. Wir haben zum Beispiel Clipse getroffen, die waren halt so, wie man sich desinteressierte Amis vorstellt. Auf meinem Album will ich keine Leute, die hot sind, sondern die, die ich von früher höre. Im Endeffekt ist denen das eh scheißegal. Dann muß ich gucken, daß es mir nicht scheißegal ist. Cuban Link von Terror Squad will ich zum Beispiel anchecken.

Bassdraft: Wer hatte denn nun die Idee zu diesem Optikstyle, dasselbe auf dasselbe zu reimen?

Eko Fresh: Nicht Sentence (lacht). Es war halt ein Running Gag auf der Überoptiktour. Wir haben ein bißchen gefreestyled und uns voll krankgelacht darüber. Diese Idee hatten die Amis schon vorher. Allerdings haben wir das auf Deutsch umgesetzt und rausgefunden, daß es auf Deutsch noch so einen eigenen Witz hat, weil man da halt diese Wortspiele machen kann (mit der doppelten Bedeutung eines Wortes - Anm. d. Verf.). Die Amis machen das ja eher primitiv, wahrscheinlich, weil denen nichts anderes einfällt. Wenn, dann hat es Savas erfunden, und es als erster in den Texten umgesetzt habe ich es. Die Sache mit Sentence ist aber geklärt. Desue und Sentence wurden halt mit uns bei Subword gesignt. Das lief über diesen Julian Smith damals (Ex-Manager von Savas, der sich mit 20.000 Euro abgesetzt hat - Anm. d. Verf.). Die BMG hat dann viele deutsche Rapper gedroppt, unter anderem Sentence’ Album. Der hat dann Überabturn geschoben, als ob wir etwas damit zu tun gehabt hätten. Er war aber hier, meinte: ’Sorry, das war ein Fehler mit dem Disstrack.‘ Zur Zeit sind viele Leute hatermäßig unterwegs. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Mir hat keiner was geschenkt.

Bassdraft: Denkst du, daß irgendeine Crew aus Deutschland euch in absehbarer Zeit ernsthaft Konkurrenz machen könnte?

Eko Fresh: Nee, das denke ich nicht (lacht). Es gibt viele verschiedene Crews für viele verschiedene Geschmäcker. Azads Crew fährt mehr so den ernsthaften Style. Manchmal habe ich Bock auf den “Mentale Krisen”-Style und mehr so eine härtere Sprache, dann gebe ich mir das. Optik steht eben mehr für Wortwitz. Jeder macht sein Ding. Wir arbeiten nicht gegen irgendwen. Der Markt in Deutschland ist ja nicht so riesig. Savas, Azad, Samy Deluxe, Tone, Curse - das sind schon die krassesten Rapper.

Bassdraft: Was erwartest du dir von der EP?

Eko Fresh: Keine Ahnung. Viele meinten ja immer, daß sie meine Sachen sehr witzig fänden, aber in meiner Tasche habe ich das nicht gespürt. Deswegen habe ich bei diesem Teil darauf geachtet, daß auch Omas und Kinder den Text verstehen. Insofern habe ich mir schon mehr Mühe gegeben, daß es krass einschlägt. Aber ich wäre mit allem zufrieden, was über der letzten EP ist. Top 40 würde mich schon freuen.

Bassdraft: Angenommen, dein bester Freund rappt unglaublich schlecht. Würdest du ihn trotzdem featuren?

Eko Fresh: Nicht auf meiner Platte. Ich würde ihn aber auf Nicons Tape featuren. Familie geht auf jeden Fall vor Business.

Bassdraft: Du kannst jetzt noch ein paar neue Trends setten: Was hörst du zur Zeit?

Eko Fresh: Caput aus Iserlohn - der ist der Shit, Alter! Der Typ denkt, er ist Tupac (lacht). Nein, er ist der deutsche Tupac. Er nennt sich Caput, weil Tupac rückwärts Caput heißt. Er spricht den Türken in Deutschland aus dem Herzen. Vielleicht werde ich mit ihm, Ercan (ABS) und Summer Cem ein Album machen. Mein Ohr zur Straße ist immer offen. Meiner Meinung nach sind die Karten neu gemischt worden, die Szene hat sich selbst gereinigt. Dadurch bedeuten alte Namen nicht mehr so viel, ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, aber für neue Leute ist es auf jeden Fall gut. Was die Amisachen betrifft, es ist ein neuer Track von 50 Cent mit einer unveröffentlichten Strophe von Tupac draußen, wo 50 Ja Rule disst. Das muß für Ja Rule der Weltuntergang sein. Von Jay Z bin ich sehr enttäuscht. Früher war er mein Lieblingsrapper, aber jetzt hat er einen Track gegen Puffy rausgebracht, und ich bin sehr loyal zu Puffy. Als Biggie noch gelebt hat, ist er ihm in den Arsch gekrochen. Bei mir hat Jay Z verschissen!

Bassdraft: Wer kommt nach 50?

Eko Fresh: Sein Partner Lloyd Banks ist sehr gut. Jewels Santana, der Partner von Cam’Ron ist sehr gut. Ich hör viel Cash Money, Baby, Young Wayne. 50 Cent, ich finde ihn schon krass, aber ich kann das auch alles nicht glauben, es erinnert mich so an Tupac, diese Geschichten über ihn. Überhaupt sein Image! Guck Dir Baby an, von dem weiß jeder, daß er ein krasser Gangster ist, aber der versucht in seinen Texten wie ein lustiger Typ rüberzukommen. Ich hab’ letztens eine DVD über 50 gesehen, da redet er über die Sache, wo er angeschossen wurde. Der stand da und hat sich voll krankgelacht. Entweder ist das ein Überpsycho oder da ist irgendwas faul. Jemand, der dem Tod wirklich nahe stand, würde sich doch nicht darüber kranklachen. Oder die Ruff Ryder DVD. DMX, wie der redet, wie ein Psycho! Aber ich hatte das Gefühl, der fährt sich einen Film oder es ist halt Image, so können doch keine normalen Menschen sein. Ich bin schon froh, daß ich hier wohne, wo alles nicht so krass ist.