Interview: Herr von Grau - Revue
von Cracc
Herr von Grau veröffentlichen am 28. Mai 2010 ihr mittlerweile drittes Album „Revue“. Dabei nehmen Benny und Kraatz mit feinen und manchmal bösen Humor Songs, ihr Umfeld und sich selbst auf´s Korn. Was sich in der Arbeitsweise gegenüber zum letzten Album geändert hat und warum sie „Revue“ nun über ihr eigenes Label Grautöne auf den Markt bringen, gibt es in einem Interview mit den grauen Herrn zu lesen.

Benny: Wir waren diesmal wieder im Gespräch mit einem Label, doch konnte das Release dort aus zeitlichen Gründen nicht realisiert werden. Die Mädels und Jungs hatten an unserem Wunschtermin schon was anderes auf der Startrampe. So waren wir uns ziemlich schnell einig, jetzt wirklich alles selbst in die Hand zu nehmen und unseren Traum vom eigenen Label wahr zu machen. Und siehe da: Sehr viel Arbeit, aber sehr gutes Gefühl.
Benny: Inzwischen sind wir dazu übergegangen, sehr viele Instrumente selbst einzuspielen, also nicht ausschließlich Samples und Synths zu benutzen. Wir waren auf Flohmarkteinkaufstour und haben ganz viel verschiedenen Kram, der Krach macht, zusammengesammelt, und haben dann über noch sehr unfertige Loops gejamt. Benny hat die Ergebnisse dieser Sessions dann wieder zerhexelt und, wenn man so will „synthetisiert“, und das Zeug dann wieder als Ausgangsmaterial für die Schöpfung neuer Klänge benutzt. Das ging dann so ein paar Mal hin und her, bis wir das Gefühl hatten, dass ein Beat fertig ist.
zugehörige VÖs:
Herr von Grau - Das erste Buch Grau (Box-Set - 08/2011)
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Herr von Grau - Revue (Album - 05/2010)
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Herr von Grau - Internetmusik (Album - 11/2009)
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Herr von Grau - Heldenplätze (Album - 04/2009)
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Herr von Grau - Blumenbeet (Album - 05/2007)
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Benny: Nee, live werden die fertigen Instrumentals genutzt, da Kraatz mit Rappen, Back-Ups und Auflegen schon genug beschäftigt sind. Aber vielleicht kommt ja bald die Herr von Grau Revueband und die dazugehörigen Puschelgirls...
Benny: Wenn wir bei der Auswahl der zu verfilmenden Tracks Rücksicht darauf nehmen würden, dass wir thematisch niemandem wehtun, hätten wir das Problem, kaum noch Songs übrig zu haben. Wir haben uns für Risiko entschieden, da wir schon beim ersten Hören des Songs Kopfkino hatten und weil er so schön eingängig ist.
Benny: Der Herr Minister W. ist einfach so ziemlich das abartigste Wesen, das zurzeit dauernd überall zu sehen ist. Dieses falsche Grinsen, diese schneidende SS-Stimme, diese ekelhaften Ansichten, dieser unverhohlen zur Schau getragene Geltungsdrang und dann noch so öffentlich Vetternwirtschaft betreiben.... Kotz, Spuck! Hat ein nettes Lied verdient, der Herr.
Benny: Nee. Die Politik steuert weiterhin auf die totale Überwachung des Bürgers zu. Nur macht des Wolfgangs Nachfolger nicht so einen Lärm und findet sich nicht permanent in allen Medien mit populistischen Aussagen wieder. Aber geräuschlos heißt ja nicht unbedingt auch ungefährlich. Herr de Maizière hat schon in seiner Zeit als Kanzleramtschef gelernt, die Dinge im Stillen sehr effizient zu erledigen, und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.
Kraatz: Nicht wirklich. Benny hat zwar des öfteren einen Tinitus, auch weil er des nächtens in einem Technoclub arbeitet, aber glücklicherweise kam es noch nicht zu einem richtigen Hörsturz. Der Track „Gehirnfurz“ handelt übrigens von einem Absturz im Club, Benny hat sich da auf jeden Fall inspirieren lassen... Aber mit der Stimme war es wirklich so schlimm, wie du dich erinnerst. Das war eine ausgewachsene Kehlkopfentzündung, die zur Folge hatte, dass Benny über einen Monat komplett die Klappe halten musste. Dem Hals kommt nun mehr Aufmerksamkeit und Pflege zuteil, damit so etwas nicht wieder passiert. Denn abgesehen von den Einschränkungen, die ein „Nicht-sprechen-können“ mit sich bringt, sind enttäuschte Fans das schlimmste, was einem Musiker passieren kann.
Kraatz: Das läuft so Fifty-Fifty.
Benny: Das Ding spitzt sich einfach immer weiter zu. Einfacher, bodenständiger Hass halt. Ohne Wendung.
Benny: Wir dachten eher an Mitte, zu einer Modewoche oder so was. Das Viertel zwischen Hackeschem Markt und Alex würde sich da anbieten. Die Grundidee des Songs entstand nämlich genau da. Aber wir sind ja keine Bezirksnazis und denken noch einmal über deinen Vorschlag nach.



