Benutzername: Passwort: hier kostenlos anmelden

Suche

Interview: Jan Delay

geschrieben am 16.02.2001
von Sophie Kobow, Michael Schemel und Caro Schwarz

Am 09.04.2001 werden die Alben von Jan Delay und Denyo77 veröffentlicht. Die beiden Künstler gaben zu diesem Anlaß zusammen ein Interview. Also liebe Reggaegemeinde, wenn ihr mit dem Lesen des Jan Delay-Interviews fertig seid, schnell in den HipHop-Teil blättern und den zweiten Teil mit Denyo77 auf keinen Fall verpassen!

Jan Delay - Searching For The Jan Soul Rebels Bild Vorderseite
Bassdraft: Als ich das Album zum ersten mal hörte, war ich ziemlich überrascht, daß es eine Reggae-Platte ist, welche mit einer Band eingespielt wurde und kein Dancehall Album.

Jan Delay: Ragga ist cool, aber ich stehe mehr auf das Handgemachte.

Bassdraft: Welche Einflüsse hat Jan Delay?

Jan Delay: Alten Reggae, Roots Reggae und langsame, smoothe Ska- Nummern, auf jeden Fall alte Sachen und nicht die neuen. Bis hin zu 80er Jahre Reggae wie der Sleng Teng Riddim oder "Here I come" von B. Levy. Der Beat von "www. Hitler.de" ist dem nachempfunden, aber nicht nachgebaut. Ich habe versucht jeden Style der mich flasht, egal ob englischer oder jamaikanischer, auf dem Album zu haben. So ist z. B. "Der Rote Knopf " vom Mix her für mich ein Rocksteady-Stück, dann geht es weiter mit Roots Reggae und 80er Sound und dann kommen die Euro London Dub Styles wie bei dem Instrumental "Da Flashgod". Dancehall gibt es dann auch noch.

Bassdraft: Wer ist die Sam Ragga Band?

Jan Delay: Wir waren als Absolute Beginner mit einer Band unterwegs, um es live zu präsentieren und hatten damals schon Bock, vor vier Jahren, Reggae zu machen. Als dann die Tour beendet war, haben wir uns mit dem Bassisten und dem Gitarristen getroffen und gespielt, hatten einen Auftritt und das war's dann. Irgendwie verlief die Sache im Sand und vor zwei Jahren haben wir dann wieder angefangen zu spielen, weil wir einfach Bock drauf hatten. Wir haben uns dann noch einen Reggae-Schlagzeuger und einen Keyboarder dazugeholt, und das ist die Festbesetzung. Dann kam die Anfrage von Grönemeyer wegen "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" und ich hatte Lust, eine Reggae Version zu machen, und habe das mit dem Schlagzeuger und dem Bassisten zusammen gemacht. Wir fingen dann wieder an zu proben, haben einen Bläser dazugeholt und jetzt ist es die Sam Ragga Band.

Bassdraft: Also kam die Idee zu "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" von Grönemeyer?

Jan Delay: Nein, die Idee kam von mir, von Grönemeyer kam die Idee, den "Pop2000" Sampler zu machen.

Bassdraft: Wie kam der Wechsel vom HipHop zum Reggae?

Jan Delay: Ich bin halt ein sehr musikalischer Mensch und höre jede Form von Musik, die mir gefällt. Irgendwann brennt es mir dann halt in den Fingern und ich will es machen. Z. B. mit Tropf von Dynamite Deluxe mache ich "La Boom", eine Mischung aus allem, Dub, TripHop, Big Beat.

Bassdraft: Gibt es einen bestimmten Grund, warum Torch das Intro für die LP spricht?

Jan Delay: Weil Torch der Mann ist! Als ich wollte, daß er das Intro spricht war seine Platte auch noch gar nicht draussen. Einfach nur weil er der Mann ist.

Bassdraft: Könntest du vielleicht mal den Track "Ich Will Nicht Dass Ihr Meine Lieder Singt" erklären?

Jan Delay: Die Erklärung dazu sind eigentlich die Strophen selbst. Alle die, die versuchen an solchen geilen musikalischen oder moralischen Bewegungen teilzuhaben nur indem sie die CD kaufen, aber selber nur Plastikmenschen sind. Sowas kotzt mich einfach an. Das hat mich übrigens auch angekotzt als ich das Nena Cover gemacht habe. Und die erste Single "Ich Will Nicht Dass Ihr Meine Lieder Singt", das ist die Antwort auf das Nena Cover.

Bassdraft: Aber man wird doch als Musiker bekannt durch die Leute, die die Musik kaufen. Und wenn nur Menschen, die wirklich Ahnung haben, die Musik kaufen würden, würdest du wahrscheinlich nicht hier sitzen.

Jan Delay: Schon klar, aber ich sag's einfach mal, damit es vielleicht ein bißchen weniger von den Spacken werden. Dann hab ich es wenigstens gesagt. Ich könnte natürlich auch sagen: "Scheiss drauf" und mache einfach weiter, aber dann bin ich immer weiter gepisst wenn ich bei Festivals oder im Kaufhaus mein Lied höre und sehe wie irgendwelche fetten, ekligen Deutschen mitsingen. Das macht einfach meinen Flash kaputt, und deshalb muß ich es einmal sagen, und dann mach ich weiter.

Bassdraft: Also nicht, um etwas zu verändern?

Jan Delay: Doch, aber es ist halt so: Musik wird gehört, und man kann nicht rumlaufen und jeden erschießen, der einem nicht paßt. Ich gucke, was passiert, und wenn es irgendwann immer noch so abgeht, dann kann ich auch nichts mehr dazu sagen.

Bassdraft: Auf dem Promo Tape war ein Lied, was auf dem Album nur zensiert erscheint. Warum?

Jan Delay: Ich habe einfach gesagt, was ich denke, und das darf ich in diesem Land nicht. Wir waren deswegen beim Anwalt und der hat gesagt: "Wenn du das so sagst, kannst du deine Koffer packen." Und bevor ich die Koffer packen muss, hab ich es lieber geändert.

Bassdraft: Wie ist dein Verhältnis zu Gott?

Jan Delay: Das Verhältnis zu meinem eigenen Gott, dem Flashgod, ist cool. Dieser Gott hat nichts mit der Bibel zu tun, er ist einfach das, was ich aus allen Religionen rausgezogen habe für mich, seit ich denken kann. Xavier Naidoo singt auch davon, nur hat sein Gott mehr mit der Bibel zu tun.

Bassdraft: Ist das der Grund, warum du "Flashgod" mit ihm gemacht hast?

Jan Delay: Auf jeden Fall. Ich wollte sowieso einen Track mit ihm machen auf der Platte, einfach weil ich ihn für die derbste Stimme halte. Und bei diesem Stück paßte es einfach am besten.

Bassdraft: Warum ist kein Jamaikaner auf deinem Album vertreten?

Jan Delay: Es ist einfach nicht mein Style. Wenn ich ein Album mache, ist es mir wichtig, daß darauf Leute zu finden sind, mit denen ich chille und gedanklich auf einer Wellenlänge bin. Sie kriegen von mir allen Respekt dieser Welt für ihre Musik, aber ich kenne einfach keine Jamaikaner und bin mir ziemlich sicher, dass wir auch gedanklich nicht auf einer Linie liegen. Bounty Killer und Eißfeld- das paßt einfach nicht!