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Interview: Jonesmann

geschrieben am 20.01.2006
von Ille

Auf das Debütalbum des Frankfurters musste man lange warten – doch was lange währt, wird endlich gut. Seitdem er zusammen mit seinem Homie Jeyz unter dem Namen Chabs mit der Single „Kern der Wunden“ auf sich aufmerksam machte, war Jonesmanns Talent in der HipHop-Szene absolut unstrittig. Als sich die Chabs 2000 auflösten, ging Jones seinen eigenen Weg, der ihn jedoch erst fünf Jahre und zwei Mixtapes einschließlich einem massiven Untergrundhit („Fick Dich“) später zu seinem ersten richtigen Album führen sollte. Das erscheint nun definitiv Ende Januar und hört auf den Namen „SJ“, welches die Initialen von Jonesmanns richtigem Namen, Samson Jones, sind. Höchste Zeit also für ein Gespräch mit Jonesmann, den nicht wenige für den nächsten unter den ganz großen deutschen Rappern halten. Im gediegenen Alexander Plaza Hotel am Hackeschen Markt traf ich einen etwas müden, aber nichtsdestotrotz gut aufgelegten Jonesmann, begleitet von einem Mitarbeiter seines Labels, Bozz Music.

Jonesmann
Bassdraft: Du bist schon sehr lange, nämlich seit mehr als zehn Jahren im Game. Trotzdem erscheint erst jetzt dein erstes Soloalbum „SJ“. Ist das für dich gut so?

Jonesmann: Ich sag ganz ehrlich, ich hätte schon vorher mit ’nem Album kommen müssen. Ich meine, mein Mixtape „Macht, Käse, Cash, Flows“ kam schon vor einem Jahr. Also, da hätte auf jeden Fall schon was passieren müssen. Es hat aber nie geklappt, nach der Trennung von Chabs 2000 bin ich erst mal rumgegurkt, hab viele Features gemacht, hab viel mit Roey Marquis gemacht. Mit Roey wollte ich auch ein Album machen, kam dann aber halt selber nicht wirklich aus dem Arsch mit Schreiben. Wir haben zwar angefangen mit dem Album, aber es ist nie wirklich passiert. Stattdessen habe ich wieder tausend Features gemacht. Das Album hätte also schon lang erscheinen sollen, aber es hat wohl noch nicht sollen sein. Außerdem hatte ich lange Zeit kein richtiges Label. Mit Starting Line Up hab ich dann mein erstes Mixtape gemacht, um mal ein bisschen Welle zu schieben, „Best Of Jonesmann“, wo ich die ganzen Features draufgepackt habe und noch ein paar Sechzehner auf Amibeats...

Bassdraft: ... eines der ersten von diesen Mixtapes auf Amibeats in Deutschland.

Jonesmann: Genau. Dann kam Azad auf mich zu und meinte, er baut jetzt sein Label auf und hätte mich gerne dabei. Mein Mixtape „Macht, Käse...“ lief gut, wobei viele meinten „Warum denn wieder nur ein Mixtape, warum kein Album?“ Ich meinte, das Album kommt Anfang 2005. Es kam aber wieder nicht, wurde wieder verschoben. Vielleicht war das Label, Bozz Music, noch nicht so weit, war ja alles noch im Aufbau. Eigentlich hab ich in drei Monaten ein Album fertig gehabt, da wir den Releasetermin aber immer wieder verschoben haben, habe ich immer wieder dies und das geändert. Außerdem wollten wir das Album nicht nur Indiemäßig über Bozz raushauen, sondern noch einen größeren Deal mit einem Major checken, was dann ja bei BMG/Subword geklappt hat.

Bassdraft: Die Sache mit Subword kam ja etwas überraschend, viele hatten gedacht, dass Bozz Music eher über Azads Label Universal releast.

Jonesmann: Wir haben bei denen nur eine Vertriebsdeal. Wir bieten es Universal natürlich an, aber wenn die’s nicht wollen...Bozz Music ist ein eigenes Label, das machen kann, was es will – ob der eine jetzt bei BMG gesignt ist oder nicht. Das nächste Album auf Bozz kommt dann vielleicht über Universal raus oder nur über Bozz – kann alles passieren.

zugehörige VÖs:

Samson Jones - Sehnsucht (EP - 08/2010)
Samson Jones - Sehnsucht Samson Jones - Sehnsucht (ONL, Alles für Musik, 2010 )
Samson Jones - Echte Musik (Album - 05/2008)
Jonesmann - Echte Musik Jonesmann - Echte Musik (CD, Echte Musik, 2008 )
Samson Jones - In Dein Mund (Mixtape - 06/2006)
Jonesmann - In Dein Mund Jonesmann - In Dein Mund (CD, Bozz Music, 2006 )
Samson Jones - Nenn Mich Jones (Single - 03/2006)
Jonesmann - Nenn Mich Jones Jonesmann - Nenn Mich Jones (CD, Subword, 2006 )
Jonesmann - Nenn Mich Jones (Premium Edition) Jonesmann - Nenn Mich Jones (Premium Edition) (CD, Subword, 2006 )
Samson Jones - S.J. (Album - 01/2006)
Jonesmann - S.J. Jonesmann - S.J. (CD, Subword, 2006 )
Jonesmann - S.J. (Ltd. Edition) Jonesmann - S.J. (Ltd. Edition) (CD, Subword, 2006 )
Bassdraft: Deine bisherigen Releases waren stets große Erfolge, ob jetzt mit den Chabs oder dein Mixtape. Wie hoch sind deine Erwartungen an dein Soloalbum?

Jonesmann: Ich hoffe erst mal, dass die Heads, die Jonesmann eh schon kennen, zufrieden sind. Was heißt zufrieden – dass die einfach peilen, dass ich einer der krassesten Rapper bin, und Sänger jetzt ja auch noch! Und dann, dass ich über diese Heads hinaus noch mehr Leute erreiche und mit ein paar Songs begeistern kann. Ich will einfach auf den Tisch hauen und hoffe, dass jeder versteht, wer der Krasseste ist. Mit unter den Krassesten.

Bassdraft: Jetzt warten viele in Deutschland ja auf den nächsten großen Solo-MC, und viele sagen auch, dass du dieser MC sein könntest. Wie siehst du das denn?

Jonesmann: (etwas zögerlich:) Ja, ich meine, keine Ahnung...ich denke ich könnte es sein, ja. Wie groß das Album jetzt werden wird, das wird man sehen, aber ich denke, ich bin’s. (lauter:) Ich denke, ich bin’s! Ich bin der Auserwählte! (grinst) Nee, aber so wie die Dinge stehen, könnte ich schon der nächste große Act sein, ich meine, so habe ich das Album geschraubt, mal kucken, ob es auch so wird.

Bassdraft: Gleich im Opener auf dem Album sagst du „Scheiß Gangster, Zeit für eine Wende“ – ist das als Ansage zu verstehen?

Jonesmann: Auf jeden Fall. Ich meine das schon so, wie ich es sage. Überall dieser Gangsterkram – ob der eine jetzt wirklich ein Gangster ist oder nur so tut, es ist halt gerade Gangster-Zeit. Aber jetzt komme ich mit einem Album und fick erst mal den Scheiß-Gangsta-Kram, jetzt bin ich hier. Jetzt ist die Zeit für den Jonesmann-Kram. Es langt erst mal mit dem Gangster-Gelaber. Ich bin jetzt da, der neue Man. Also, Gangster, bisschen leise sein, erst mal!

Bassdraft: Meinst du, dein Album könnte tatsächlich eine Wende einleiten, so dass sich deutscher Rap wieder mehr in eine andere Richtung entwickelt?

Jonesmann: Das hoffe ich. Hey, das wäre cool. Aber dieses Gangsta-Ding ist so groß – mal kucken. Aber es wäre gut. In einem gewissen Rahmen wird es bestimmt andere Rapper beeinflussen, dass die sagen „Okay, ich erzähle jetzt kein Gangsterkram, weil ich vielleicht gar kein Gangster bin, sondern versuche, das zu machen, was ich bin“. Ob es jetzt Partymucke ist, Pornoraps oder einfach Battlekram – irgendwie anders. Mal wieder was Neues vor allem, nicht immer nur auf den Zug aufspringen.

Bassdraft: Prinzipiell hast du aber nichts gegen Gangsta Rap, oder?

Jonesmann: Nee, ich finde auch vieles krass und kann die feiern. Wenn jetzt aber alles nur noch darum geht, nervt mich das natürlich.

Bassdraft: Wohnst du eigentlich noch in Bonames in Frankfurt-Nord?

Jonesmann: Nee, ich habe da gewohnt, bis ich acht Jahre alt war, dann war ich drei Jahre im Heim, anschließend bin ich wieder nach Frankfurt gezogen und jetzt wohne ich in einem gechillteren Stadtteil. Schön ordentlich (lacht).

Bassdraft: Einfamilienhaus?

Jonesmann: (lacht) Nee, nee, ich hab ’ne kleine Wohnung.

Bassdraft: Ist die Konkurrenz zwischen Bozz Music und Aggro Berlin für dich noch ein Thema, ist das aktuell?

Jonesmann: Nee, nee. Das war halt diese Geschichte mit Sido und Azad und die ist vorbei. Ich denke, da ist Gras drüber gewachsen. Für mich ist das gegessen, für die Jungs auch. Ich wäre ja auch blöd, wenn ich da jetzt irgendwas drüber erzähle oder versuche, da einzugreifen, das wäre dumm. Das Ding ist passiert, der hat sein Move gemacht, die haben ihren Move gemacht, wie das Rapding halt so ist. Für die (Aggroberlin – Anm. d. Verf.) ist es, glaube ich, auch gegessen, es fühlt sich zumindest so an.

Bassdraft: Wie bereits erwähnt hast du früher viel mit Roey Marquis gemacht, auf „SJ“ findet sich jedoch kein Beat von ihm. Warum nicht?

Jonesmann: Ich habe mir auch von ihm Beats für das Album schicken lassen, da waren auch ein paar coole Dinger dabei, aber mich hat es nicht so krass geflasht. Ich dachte bei keinem Beat, krass, da muss ich was machen. Ich hab versucht, bei dem Album echt nur Beats zu picken, bei dem ich gedacht habe „Wow, das ist ’n Ding!“, bei denen man auch nach mehrfachem Hören denkt, der hat Kraft. Wäre so ein Ding dabei gewesen, wäre natürlich wieder was passiert, aber das war halt nicht der Fall.

Bassdraft: Die Entscheidung, außer Azad niemand zu featuren, fiel sicherlich bewusst, oder?

Jonesmann: Ja. Ich wollte das Album eigentlich ganz alleine machen, dann habe ich mir aber gedacht, als Häppchen mache ich noch ein Ding mit Azad, einen krassen Battletrack, irgendwas flashiges, um praktisch einen kleinen Flash für Fans reinzuhauen. Ich habe im Internet schon gelesen, dass manche enttäuscht sind, weil kein Pal One- oder Olli Banjo-Feature drauf ist. Ich denke aber mal, ich habe mein Ding durchgezogen, so wie ich wollte, eigentlich keine Features draufzuhaben. Mit Azad habe ich zwei Tracks gebaut, weil der halt meine Verbindung zu Bozz Music ist, der Man von Bozz Music ist...der Boss von Bozz Music ist (lacht).

Bassdraft: Eigentlich hast du ja auch schon genug Features gemacht. Wie kam das denn zustande, bist du so extrem reiselustig und kontaktfreudig?

Jonesmann: Früher, als mit Roey Marquis abgehangen bin, so nach dem Chabs-Split, als ich ein bisschen auf meinem eigenen Trip war, hab ich zu Roey gemeint, dass ich gerne mal ein paar Features mit dem und dem machen würde. Er hatte eben schon viele Kontakte, weil er mit vielen Künstlern zusammen gearbeitet hat, dann habe ich über ihn ein paar Jungs angerufen und auch bei ihm im Studio ein paar Leute kennen gelernt. Wie das so ist, haben wir dann einfach mal ein paar Dinger aufgenommen. Ich mache gerne Features, shine da und mach für den mal ne Hook so.

Bassdraft: Letztendlich hast du damit ja auch eine gute Vorarbeit für dein Album geleistet.

Jonesmann: Ja, so ist natürlich meine Welle, die Jonesmann-Welle, ein bisschen größer geworden. Wie gesagt, ich hätte auch gerne früher ein Album rausgebracht, „Macht, Käse...“ hätte auch schon ein Album sein können. Auch wenn es dann nur indie rausgekommen wäre, das wäre auch schon was gewesen, da waren schon Killertracks drauf, die auf meinem Album sein können hätten. Aber der Hype ist vielleicht nur noch größer geworden, durch ein Feature hier und ein Feature da, so ist das cool.

Bassdraft: Wird dein bisher größter Hit „Fick dich“ auch auf „SJ“ sein?

Jonesmann: Es wird eine Limited Edition geben, wo noch vier Sachen drauf sind, die nicht auf der Standard-Version enthalten sind, unter anderem ein Benni Blanko-Remix von „Fick Dich“. Auf meiner Single „Bis der letzte fällt“ wird auch noch mal die Originalversion auf der B-Seite sein. „Fick dich“ kam jetzt als Platte raus, aber nur für DJs, und die Leute, die es unbedingt haben wollen, haben es auf dem Album und auf der Single.

Bassdraft: Obwohl „Fick dich“ nur als DJ-Promo auf 12“ erschien, hast du es damit auf Platz 12 in den Black Charts geschafft. Hast du so etwas erwartet?

Jonesmann: So krass natürlich nicht. An die Black Charts hatte ich gar nicht gedacht.

Bassdraft: Worauf führst du diesen Erfolg denn zurück? Ist der Song so gut?

Jonesmann: Ja, klar. Es ist einfach ein geiler Track. Cooler Beat, cooler Flow – einfach Jones, wie es is’! (lacht) Vielleicht auch, weil ich „Fick Dich“ sage. Ich glaube, es ist hier noch nicht so wie bei den Amis, die machen einen Track, dann pressen sie eine 12“ für die DJs und wenn’s in den Clubs brennt, schießen die das Album hinterher, so ist der normale Weg. In Deutschland gibt es ja gar nicht so viel R’n’B und die Alben, die rauskommen, gehen eher nicht diesen Weg. Wir haben jetzt eben diesen Move gemacht, es an die DJs gegeben, die spielen das, bewerten das, turnen drauf. Und das hat auch dazu beigetragen.

Bassdraft: Jetzt hätte man denken können, dass du wieder einen R’n’B Track als Single nimmst, aber du hast dich mit „Bis der Letzte fällt“ für einen klassischen Representer entschieden.

Jonesmann: Original. Das Ding ist, dass das sein muss, weil ich kann jetzt nicht von einem Rapalbum mit einer R’n’B-Single kommen, da denkt man ja, was’n das? Unser Plan ist... (zum begleitenden Labelmenschen, der es sich auf dem Bett bequem gemacht hat:) das darf man hier erzählen, ne?

Labelmensch: Du darfst alles erzählen.

Jonesmann: Alles? Auch, wie groß mein Schwanz ist?

Labelmensch: Klar, aber das wäre ja peinlich für dich.

Jonesmann: Ja, ja, ja. (lacht). Also, die erste Single wird „Bis der letzte fällt“, die zweite „Nenn mich Jones“, ein bisschen clubbigeres Ding. Die dritte Single soll dann der R’nB Track sein und da denke ich, da es bei „Fick dich“ so gut geklappt hat, wird man das wieder vorher an die DJs feuern.

Bassdraft: Wie kamst du überhaupt zum Singen? Unter der Dusche?

Jonesmann: So ungefähr. Ich hab schon lange Soul und R’n’B Musik gehört und hab auch immer ein bisschen mitgesungen und mitgeflasht. Auch wenn im Studio mit Sängern gearbeitet wurde, habe ich immer ein bisschen mitgesungen, bis jemand gesagt hat „Das klingt schon gut, was du da machst. Sing doch mal irgendwas!“ Bis ich irgendwann mal eine Hook geschrieben und die eingesungen habe, dann war’s mal cool, mal wieder nicht cool, bis ich dann mal ne Bridge gesungen habe und irgendwann habe ich einen kompletten R’n’B-Track aufgenommen.

Bassdraft: Schritt für Schritt also.

Jonesmann: Auf jeden Fall.

Bassdraft: Du willst ja ein ganzes R’n’B-Album aufnehmen, wann kann man damit rechnen?

Jonesmann: Ich fange in nächster Zeit mit der Arbeit an. Ich habe auch noch ein anderes Projekt, das ich auf jeden Fall machen will, über das ich noch nicht so viel erzählen möchte, auf jeden Fall ein Rap-Ding, ein Kollabo-Album mit jemand – mit wem, wird eine Überraschung. Danach fange ich aber sofort mein R’n’B-Album an. Erscheinen wird es dann vielleicht Ende 2006, oder Anfang 2007.

Bassdraft: Was wird da inhaltlich so passieren? Battlen geht ja nicht.

Jonesmann: Nee, battlen geht nicht. Obwohl, in anderer Form schon. Ansonsten werden es clubbige Geschichten, Chaien-Tracks oder wie „Long Iceland Ice Tea“, was ein clubbiges Ding ist, wo ich über Alk trinken labere und einfach meine Story erzähle. Das wird auch dabei sein, Stories, die ich in Rhymes packe, über krasse HipHop-Beats. Es werden auch Beats sein, wo du denkst „Boah, das ist aber eigentlich auch ein Beat, wo man auf jeden Fall drauf rappen muss“, die werde ich nehmen und drauf singen. Außer krassen Battlesachen kann man alles umsetzen.

Bassdraft: Seit Chabs-Zeiten bist du bekannt für deepe Sachen, Stichwort „Kern der Wunden“. Was ist dabei deine Motivation, willst du nur was loswerden oder geht es dir auch darum, andere anzuspornen?

Jonesmann: Wenn irgend was auf meiner Seele brennt, wo ich denke, das muss ich auspacken - meistens, wo ich denke, das muss ich einem Homie erzählen - verpacke ich es in einem Track, weil manchmal ist man schon Homie, aber kann nicht so gut über deepe Sachen reden - sollte man eigentlich, aber kann man nicht immer. Da ich ja eh in diesem Rapding bin, schreibe ich einfach einen Track, vielleicht nimmt er sich’s zu Herzen und denkt drüber nach. In erster Linie schreibe ich aus mir raus, was mich abfuckt, mache einen geilen Track draus und der Druck ist weg. Natürlich packe ich auch immer Botschaften mit rein, geben ihnen aus meinen eigenen Erfahrungen was mit.

Bassdraft: Was steckt hinter dem Text von „Bruderliebe“ für eine Geschichte?

Jonesmann: Als ich neun Jahre alt war, ist mein Bruder gestorben. Als Kind konnte ich das gar nicht verarbeiten, erst als ich älter wurde, als mein anderer Bruder es mir erzählt hat. Ich habe leider nur wenige Erinnerungen an ihn, und versuche so, den Kontakt zu knüpfen, indem ich ihm Briefe schreibe, ihm erzähle, was abgeht. Der erste Teil war auf der EP mit Pal One drauf, bei ihm ist es fast dieselbe Geschichte, sein Bruder ist auch gestorben. Beim Mixtape habe ich den zweiten Teil gemacht, der war ein bisschen fröhlicher, was heißt fröhlicher, nicht so traurig, der dritte ist jetzt wieder trauriger geworden.

Bassdraft: Lernt man denn den ganzen Samson Jones auf deinem Album kennen oder gibt es auch Seiten an dir, die du ganz bewusst nicht auf dem Album zeigst?

Jonesmann: Eigentlich habe ich schon fast alles gezeigt. Eigentlich alles. Ich würde sagen, da ist alles dabei. Es sind Pornogeschichten drauf, wo natürlich net alles stimmt, was in diesen „Dickere Sau“ gesagt wird. Manches stimmt, anderes nicht, das hört man dann auch raus. Aber sonst – das ist schon alles, was ich bin. Ich zeige gerade auf „Bruderleibe“ zum Beispiel krass, wer ich bin, auch im Traurigen. Es spiegelt mich schon wieder.

Bassdraft: Als jemand, der gleichermaßen gut rappt UND singt: Muss deutscher Rap musikalischer werden?

Jonesmann: Könnte er teilweise schon. Ich mag halt Tracks mit Gesang, mit Hooks, auch mal eine Bridge und melodische Raps. Wie das 50 Cent-Ding, der singt ja schon fast bei „Window Shopper“. Deutscher Rap kann auf jeden Fall auch seinen Teil davon abkriegen. Auch von den Beats her, ich stehe auf Beats, die Musik haben, wenn irgendwas singt oder summt, warum nicht?

Bassdraft: Dein Ex-Partner von den Chabs, Jeyz, ist auch auf deinem Label, Bozz Music. Ist eine erneute Zusammenarbeit von euch beiden vorstellbar?

Jonesmann: Nee. Chabs als Gruppe ist gestorben. Wir hatten ne coole Zeit zusammen, bisschen Schmodder-Zeit, bisschen coole Zeit. Wir featuren uns schon gegenseitig, aber jeder fährt weitgehend seinen eigenen Film.

Bassdraft: Azads Album „Der Bozz“ wurde gerade indiziert. Was hältst du davon?

Jonesmann: Ich weiß nicht. Natürlich, wenn kleine Kids zu krasse Sachen hören und dann dumm werden, finde ich das schon Scheiße, aber irgendwie übertreiben die es auch mit diesem Indizieren. Das zu verbieten finde ich blöde. Eißfeldt hat mal in einem Interview ein cooles Beispiel gesagt: Die lassen Musik wegen ein paar Ausdrücken verbieten, aber die Eltern von den Kids sitzen zuhause und rauchen, trinken Alkohol, das ist doch viel schlimmer!

Bassdraft: Aber dein Album war nicht in Gefahr, oder?

Jonesmann: Naja, es war so, dass die von BMG gesagt haben, zwei Dinger sind echt zu hart, macht die bitte nicht drauf. Dann haben wir gesagt, okay, wir machen die als Hidden Tracks drauf.

Bassdraft: Da muss man sich also Gedanken drum machen, ja?

Labelmensch: Wenn man mit der BMG zusammen arbeitet, muss man sich da Gedanken machen, ja.

Bassdraft: Hast du noch ein Schlusswort?

Jonesmann: Das Album erscheint am 27. Januar, „SJ”, Bozz Music. Der Käse is’ mir! Des isses! Ihr wisst nix! Ihr wisst nur wenig. (lacht) Cool auf jeden Fall.