Interview: K.I.Z.
von oliversum
Die bekennenden Fleischfresser Maxim, Tarek, Euro8000 und DJ Craft, zusammen bekannt unter den Namen K.I.Z., haben mit ihrem Debüt auf Royalbunker letztes Jahr gezeigt, dass man witzigen Rap auch ohne peinlichen Klamauk und die unerträgliche deutsche ‚Witzischkeit’ machen kann. Nun haben sie mit dem Mixtape „Böhse Enkelz“ nach- und nach einhelliger Meinung ausgewiesener Auskenner noch einen draufgelegt. Gewitzte Coverversionen bekannter Rapstücke aus Deutschland (Torch „Wir waren mal Stars“, Beginner „Liebes Lied“ oder One „Monstashit“) wechseln sich mit Coverversionen von Amitracks ( Lil Jon „Let’s Go“, Master P „Make Em Say Uh“) und bieten stets genügend Raum für die drei Rapper, ihrem schwarzen Humor und ihrer Vorliebe für ungewöhnliche Bilder zu frönen („Ich komm’ überall rein, als wär’ mein Penis ein Durchsuchungsbefehl“ – das soll doch erst mal jemand toppen, bitteschön!). Dank den Mixkünsten von DJ Craft, der neben seinem Engagement bei K.I.Z. auch noch bei diversen anderen Projekten mitmischt, verdient „Böhse Enkelz“ die Bezeichnung Mixtape auch voll und ganz. Ein Gespräch mit den vier Berlinern, die die nahende Grillsaison kaum abwarten können.

Euro8000: Ich bin ein bisschen krank, ich habe Schnupfen. Aber sonst gab es auf jeden Fall viele positive Reaktionen. Mittlerweile sogar mehr als negative, glaube ich.
Euro8000: Zum Beispiel ist der Typ, der unser Album gemastert hat, ein krasser Heavy Metal-Atze, der meinte, er hat es seinen ganzen Rock-Atzen vorgespielt, die da übelst drauf stehen.
Tarek: Es polarisiert. Entweder man mag es oder nicht.
Euro8000: Stimmt, wenig Leute sagen, na ja, es ist mittelmäßig. Oder sehr, sehr selten. Maxim: Ja, das ist wunderschön, die Leute sagen entweder es ist abgrundtief scheiße oder sehr geil.
Euro8000: Naja, wir hatten noch nie erlebt, wie es ist, wenn man ein Album rausbringt, aber wir sind schon von uns selbst überzeugt, also haben wir auch damit gerechnet, dass es positive Reaktionen geben wird. Allerdings, über welche Kanäle sowas zu einem kommt, ist dann teilweise schon überraschend.
DJ Craft: Es ist so eine Bandbreite von verschiedenen Leuten, die es geil finden. Nicht nur Hip-Hopper, auch diese Rocker-Atzen, alternative Leute, Leute, die eher auf elektronische Musik stehen...
Euro8000: Neulich hat mich eine Punker-Gruppe angerufen, „die Broilers“ aus Düsseldorf und die hören uns die ganze Zeit im Tourbus.
Tarek: Ich war gestern im Rauchhaus, dem krassesten Crackhaus, das ich je gesehen habe, wo irgendwelche 50jährigen Hartz-IV-Empfänger mit schwarzen Händen vor der Bong saßen. Und die hören dann einfach mal „Freisein“ von unserem Mixtape.
zugehörige VÖs:
K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn (Album - 06/2011)
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K.I.Z. - Das System (Die kleinen Dinge) (Single - 09/2009)
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K.I.Z. - Halbstark (Single - 07/2009)
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K.I.Z. - Einritt (Single - 07/2009)
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K.I.Z. - Geld Essen (Ausgestopfte Rapper) (Single - 08/2007)
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Maxim: Das liegt wohl einfach daran, dass wir einfach positiv primitives Zeug erzählen. Natürlich sagen wir auch ein paar HipHop-bezogene Sachen, aber ansonsten sind es Sachen, wie wir ganz normal miteinander quatschen. Was wir witzig oder interessant finden.
Euro8000: Wir erfassen auch Situationen, die viele Leute kennen und die nicht nur in der „Booth“ stattfinden, „am Mic“ und „spitten“ und was weiß ich was.
Tarek: Vor allem können wir mit den Texten gut versinnbildlichen. Dass man es vor sich sieht, was gerade so erzählt wird. Lustige Situationen oder ernste Sachen. Das wissen sicher einige Leute zu schätzen.
Tarek: Vor sechs Monaten ungefähr.
Euro8000: Als das alte Ding rausgekommen ist. Zuerst haben wir ein bisschen rumgeeiert, uns dann aber immer mehr rangesetzt.
Maxim: Zuerst wollten wir nur deutsche Sachen nehmen. Verarschung finde ich aber das falsche Wort, weil eigentlich niemand gecovert wird, wo wir sagen, wir wollen jetzt den verarschen, wir respektieren die alle schon in einer gewissen Weise.
Tarek: Außer TicTacToe.
Maxim: Selbst bei TicTacToe, natürlich ist das in gewisser Weise peinlich, aber egal.
Euro8000: Maxim steht halt auf TicTacToe.
Maxim: Ich bin ein Fan! Kennt ihr ‚Ruhrpottniggaz’? (Gelächter) Egal. Auf jeden Fall wollten wir erst nur deutsche Sachen machen, deswegen auch der Titel, „Böhse Enkelz“.
Euro8000: Die vierte Generation.
Tarek: Manche werden es so verstehen wollen, dass wir zum Beispiel Torch dissen wollen, was aber nicht der Fall ist. Die Coverversionen sind als Hommage zu verstehen.
Euro8000: Wir machen schon Sachen aus Spaß, aber wir ziehen uns ja keine Clownskostüme an.
Tarek: Oder malen uns golden an in der BACKSPIN. (Gelächter)
Maxim: Wir hatten natürlich schon einen Moment, wo wir gesagt haben, okay, das könnte jetzt ein bisschen albern werden, aber dadurch, dass wir auch ernste Themen ansprechen und die witzigen Sachen psychohart rüberbringen, ist das nicht wirklich ein Problem.
Euro8000: Das werden wir sehen. (Gelächter)
Tarek: In unseren Texten sind viele Dinge, die einfach jeder beobachten kann. Auch in den Battlesachen. Es ist zwar ein bisschen parodiert, man macht sich ein bisschen lustig darüber, aber krasser alberner Spaßrap ist es ja nicht. Sonst würden uns ja auch nicht so viele Leute hassen.
Maxim: Es macht einfach mehr Spaß und ist für mich cooler, nicht zu sagen, die Welt ist psychoscheiße und ich heule den ganzen Tag durch, sondern die Sache ein bisschen zu verdrehen und aus der Ich-Perspektive etwas zu beschreiben und dadurch wird es am Ende ganz witzig. Tarek: Bei den Reaktionen auf das letzte Album haben wir gemerkt, dass viele Leute diesen Zynismus oder Humor nicht verstehen.
Euro8000: Vielleicht haben wir ihn ja aber auch gar nicht! (Gelächter)
Euro8000: Es gibt auf jeden Fall Leute, die Sachen ansprechen, die mich interessieren, die es aber auf eine Art und Weise tun, die mich nicht interessiert, wo ich dann dabei einschlafe. Wenn ernsthafte Themen so angesprochen werden, dass man es sich gut anhören kann, dann ist am Ende auch die Message besser rübergebracht.
Maxim: Keine Ahnung, die sind ja alle so Fame. Tarek: Das ist die Frage, ob die Leute, die so Fame sind, noch über sich lachen können.
Maxim: Wir haben uns bei manchen Sachen gefragt, ob wir es den Leuten schicken sollen, aber wenn die damit nicht klarkommen, Pech gehabt. Wir dissen die ja nicht.
Euro8000: Man ist eben immer Zielscheibe.
Maxim: Wir haben ja auch einen Track von uns selbst parodiert. Und wenn jetzt jemand ankäme und einen Track von uns persifliert, hätten wir damit auch kein Problem.
Euro8000: Zurzeit nicht, aber vielleicht bin ich irgendwann psychofame und dann lasse ich ihn einfach erschießen. (Gelächter)
Euro8000: Das hat mein Kumpel Romanz’n gemacht, den kennt man noch von seiner Zeit mit Diablow. Wir fahren beide auf dieses Screwed & Chopped-Zeugs ab und haben dabei gemerkt, dass man dabei noch mehr machen kann, als irgendwelche Worte zu zerkloppen, nämlich einfach eine neue Punchline daraus machen.
Maxim: Für jemand, der es nicht gewohnt ist, ist es zum Kotzen, aber in den USA kann es auf Platz eins der Billboardcharts gehen. Vielleicht nicht K.I.Z., aber...
Euro8000: (unterbricht) Doch! K.I.Z., Mann!! Bald! Ihr werdet sehen!
Maxim: Wasser, Obst...
Euro8000: Ich nehme ’nen Tee dazu, das klappt auch. Ansonsten, wenn ihr kein Codein bekommt, kann man, glaube ich, auch Valium nehmen.
Maxim: Man kann es als Symbolik sehen, für eine gewisse Ehrlichkeit, gegen die Leute, die denken, dass Fleisch in der Tiefkühltruhe wächst.
Euro8000: Fleisch muss frei sein.
Maxim: Wenn ich etwas durchsetzen will, etwas Neues machen will, muss ich etwas Altes kaputtmachen und auch töten.
Euro8000: Ey, du klingst gerade viel zu schlau, Alter.
Tarek: Auf jeden! Alles Hurensöhne, alles! (Gelächter) Es ist ja auch ein Sinnbild, wir könnten auch die Namen bekannter Rapper auf die Fleischfetzen schreiben, aber das wäre ja plump und wir sind nicht plump.
Maxim: Ein neues K.I.Z.-Album gibt es, schätze ich, Ende des Jahres, oder Anfang nächstes Jahr.
DJ Craft: Ich mache ein Projekt an der komischen Oper, eine HipHopera, eine Mischung aus Oper und HipHop, eine Neuinterpretation der Mozart-Oper „Cosi Fan Tutte“, ist ja Mozartjahr.
Euro8000: Mozart? Der hat uns auch krass inspiriert, der Junge.(Gelächter)
Maxim: Wir wollen einen einheitlichen Sound darauf haben.
Tarek: Also, einheitlicher als beim „Kettensägenmassaker“.
Maxim: Genau, uns auf wenige Produzenten konzentrieren. Wie das wird, werden wir sehen.
Maxim: Wenn Staiger uns den brutalen Vorschuss gibt, den wir haben wollen. (Gelächter)
DJ Craft: Royalbunker ist das beste Label der Welt!
Tarek: Man muss es einfach mögen, sonst ist man ein Bastard!
Maxim: Man will nicht darüber diskutieren, wie gut ist ein Rapper, Mann, der kann aber rappen und der flowt ja – es ist einfach nur so, fühlt man es oder fühlt man’s nicht?
Tarek: Und genau das habe ich mir auch dabei gedacht, als ich es auf Wodka eingebrüllt habe. (Gelächter)
Tarek: Wir wollen unbedingt auf den Index!
DJ Craft: Ich gucke nicht soweit in die Zukunft, sondern versuche, aus jedem Tag das beste rauszuholen und Spaß zu haben.
Euro8000: Auf jeden! Sehr gute Antwort.









