Interview: King Orgasmus One
von oliversum, Oliver von Marquart
Pünktlich zum Splash! hat King Orgasmus One, von seinen Fans zärtlich Orgi genannt, ein neues Album veröffentlicht. Es hört auf den Namen "Moderne Sklaverei" und ist inhaltlich härter und musikalisch roher ausgefallen, als man nach den Imbiss Bronko-Alben erwarten konnte. In einem exklusiven Interview für Bassdraft erzählte Orgi alles Wissenswerte dazu und ließ dabei des Öfteren seine berühmt-berüchtigte Lache erklingen.

Orgi: Ich feiere einfach diesen alten Style, mit dem es in Berlin angefangen hat. Ich war ja damals selbst ein Teil davon. Diesen Berliner Hardcore-Rap wollte ich mal wieder representen. Ich finde, das hat inzwischen kräftig abgenommen. Es gibt im Untergrund bestimmt noch einige, die so ein härteres Zeug machen, aber alles Bekanntere ist softer geworden. Bei den Ami-Sachen ist es ja dasselbe: Früher gab es Mobb Deep und Wu-Tang, irgendwann kam dann die Wende und der ganze Crunkshit. Das war halt scheiße, aber viele Weiber haben eben dazu getanzt, deswegen haben dann auch viele HipHop-Typen gaymäßig dazu getanzt. Der Hardcore-New-York-Sound war eben verschwunden. Aber ich glaube, das kommt wieder.
Orgi: Naja, was heißt Gegentrend? Ich mache das ja nicht, weil ich glaube, da kommt jetzt eine Gegenbewegung. Ich würde es aber tatsächlich feiern, wenn wieder mehr in diese härtere Richtung käme.
Orgi: Klar, ich lache ja selber gerne, und Imbiss Bronko ist eine Figur, die ich halt feiere. Trotzdem habe ich weiterhin auch meine harten Sachen gemacht. Letztens habe ich die „Seelenficker Edition“ von „Le Petit Mort“ herausgebracht, was vielleicht auch nicht jeder mitbekommen hat, weil sie sehr „Untergrund“ gehalten wurde und auf tausend Stück limitiert war. Imbiss Bronko ist halt ein Projekt, mit dem ich viel live spiele, aber Ende des Jahres, vermutlich im Oktober, wird es auch mal wieder eine reine King Orgasmus One-Tour geben.
zugehörige VÖs:
King Orgasmus One - MILF (Album - 09/2011)
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King Orgasmus One - La Petite Mort 2 - Moderne Sklaverei (Album - 07/2010)
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King Orgasmus One - Fremdgehen – Gastparts (Gastparts - 04/2010)
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King Orgasmus One - Hunger & Müde - Das Mixtape (Mixtape - 10/2009)
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King Orgasmus One - La Petite Mort 2 (Album - 09/2009)
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Orgi: Genau, ich nehme das ja alles immer nicht so ernst. Das muss man schon mit Humor sehen, ganz klar. Es gibt auch ein paar Punchlines, die einfach völlig übertrieben sind, wo man sich denkt, so hart kann man doch gar nicht sein, was ja auch wieder lustig ist.
Orgi: Klar. Ich saß ja immer daneben, und wenn sie irgendein modernes Geräusch verwenden wollten, habe ich 'stop' gesagt, nimm lieber was, was gar nicht passt. (lacht)
Orgi: Atzenmusik, Arzt und Marc, machen halt einen poppigen, eigenen Style, in die Hüttengaudi-Richtung. Deutschland feiert es und das ist auch gut so. Als Rap würde ich es nicht unbedingt bezeichnen, es ist schon eher Electroschlager, Ballermannmäßig, was ja schon cool ist. Vielleicht hat das Wort 'Atze' bei mir noch eine etwas andere Bedeutung als bei denen, bei mir ist es mehr so Richtung Atze Brauner oder Atze Bierbong. Durch den Hype von Atzenmusik fühlt sich jetzt jeder als Atze, auch solche, die gar keine Atzen sind – aber dafür kann man ja nix. (lacht) Ich bin keiner aus dem tiefsten Untergrund, der sich darüber aufregt, dass sich jetzt jeder Atze nennt, aus dem Alter ist man ja nun raus. So battlet man ja nicht mehr. (lacht)
Orgi: Das weiß ich jetzt leider auch nicht. (lacht) Dazu müsste ich ihn jetzt nochmal anmachen. Soll ich mal?
Orgi: Okay. (hört sich den Song nochmal an) Naja, so mafiamäßig halt. Außerdem bin ich nicht mehr so der Groupie-Bumser, deshalb „ich werde eines Tages in den Armen meiner Frau sterben“. Das steckt auch ein bisschen Sozialkritik drin, wie eigentlich im ganzen Album. Das deutet ja auch der Titel schon an.
Orgi: Auf Sklaverei früher und wie es heute ist. Man muss ja arbeiten, um Geld zu verdienen. Schon da fängt die Sklaverei an. Wenn man sich die Arbeitsbedingungen ansieht, dann geht es teilweise sogar immer mehr in die Sklaverei-Richtung. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich Künstler bin und nur für mich arbeiten kann. Willkommen in der Chefetage. (lacht) Der Hörer soll sich zu dem ganzen Thema aber selbst eine Meinung bilden, ich gebe da nicht vor, wie man es sehen muss. Das ist so ein bisschen die Kunst daran. (lacht)
Orgi: Ja, ich bin erstmal schon auf meine eigene Musik fixiert. Ich denke schon, dass ich auch mal wieder andere Künstler herausbringen werde (In der Tat - soeben wurde gemeldet, dass Sillas neues Album „Sillainstinkt“ über ILM erscheinen wird – Anm. d. Verf.) Mit Marsimoto ist immer noch ein gemeinsames Album geplant, muss man mal kucken, wie es mit der Zeit aussieht. Dann kommt bald auch „I Luv Money Untergrund“, ein Sampler mit unbekannteren Künstlern. Ab und zu kommt also schon noch was.
Orgi: (lacht) Naja, die Leute stellen sich da auch immer mehr vor. Natürlich hatte ich meine Rock 'n' Roll-Zeit, hab auch gut gefeiert. Aber ich hatte auch immer wieder eine Frau und war dann brav. Und so ist es jetzt eben auch gerade.
Orgi: Naja, das ist so eine Sache. Ich wurde ja gerade verklagt, Arzt musste sogar schon eine Strafe zahlen. Ich muss da auch erstmal kucken, dass ich mehr aufpasse, was ich rausbringe, damit es nicht gleich teuer wird. Indizierung ist eine Sache, aber Strafe noch mal eine andere. Ich werde wohl schon auch mal wieder was in dieser Richtung herausbringen, aber das würde ich dann eher untergrund halten. Deshalb soll der harte Fan sich auf meiner Seite informieren und dort auch bestellen.
Orgi: Ja, genau, die wollen bis zu 10.000 Euro. Das ist für Untergrundleute ja schon der Genickbruch. Deswegen muss man echt aufpassen, was man rausbringt. Ich finde ja immer noch, es sollte eine Art FSK auch für Musik geben. Bei Filmen geht das ja auch. Meine Alben könnten ruhig ab 18 sein, das wäre schon okay. Aber bis jetzt gibt es das leider noch nicht, deshalb gibt es Indizierungen und Beschlagnahmungen.
Orgi: Nee, ich war nur letztes Jahr nicht auf der „Venus“ (berühmte Erotikmesse in Berlin – Anm. d. Verf.), weil kein Film herauskam. Dieses Jahr kommt eventuell einer und dann bin ich auch wieder auf der „Venus“. Im Prinzip ist es bei Pornos wie bei Musik: Alles wird heruntergeladen. Der Wichser geht einfach auf YouPorn und kuckt sich die Szenen, auf die er steht, an. Aber wie bei der Musik gibt es noch Liebhaber, die Filme kaufen. Man muss sich eben in beiden Bereichen eine Fanbase aufbauen, darauf kommt es an.




