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Interview: LMNZ - „Worldwide Rap“

geschrieben am 03.09.2010
von Cracc

Der in Berlin Neukölln lebende Rapper und Produzent LMNZ wurde 1985 als Markus Gram in Fulda geboren. 2005 zog es ihn als Zivi nach Berlin, wo er seine Kontakte und Fähigkeiten durch die Vielfalt an Möglichkeiten ausbauen konnte und 2007 ein Studium in Sound Engineering begann und 2010 abschloss. Neben dem Studium begannen die Arbeiten am gerade erschienen Album „Worldwide Rap“. Und dieser Name ist Programm: Auf dem Album vereint LMNZ 76 Künstler von allen Kontinenten in 29 Sprachen. Wie man ein solches Projekt stemmt und welche Schwierigkeiten dabei auftreten, erklärt der Sound Engineering studierende Rapper in diesem Interview mit Bassdraft.

LMNZ - Worldwide Rap Bild Vorderseite
Bassdraft: Wie entstand die Idee zum Album „Worldwide Rap“?

LMNZ: Die Idee kam natürlich völlig unerwartet, so wie man das bei kranken Einfällen so gewohnt ist. Ich bin vor ziemlich genau drei Jahren eines Morgens neben meiner damaligen Freundin aufgewacht…Mir war klar, ich kann sie jetzt nicht wecken, was eine andere Geschichte ist…ich musste mich also von diversen Dingen ablenken und ohne großen Lärm zu machen, meine Zeit herum bekommen: Bääääm! Die Idee zu „Worldwide Rap“ war geboren! Ich wollte ein Album machen, dass zum Großteil für den Großteil der Menschen verständlich ist (daher die vielen englischen Parts auf dem Album), aber auch diverse Sprachen featured, die man sich sonst normalerweise nicht so anhört. Wann hört man schon von sich aus mal koreanischen Rap? Wer kennt von den Deutschen HipHop aus Uganda – Lugaflow? Und wieso ist eigentlich Sanskrit auf dem Album? Wer spricht das denn heute noch? HipHop went global und es ist geil zu sehen, dass man fast überall hin fahren kann und Gleichgesinnte treffen wird, mit denen man ein paar Scratches rappen kann, oder footworkmäßig sprühen. So Sachen halt. Das verbindet halt. Wie Bier. Bier ist geil. Du weißt. Da ich schon einige gute Kontakte zu amerikanischen Artists hatte, fragte ich die zunächst mal, ob die auf so ein Projekt Bock hätten. Wie sagt man noch mal so schön: And the rest is history!

Bassdraft: Bei dem Album bekommt man einen ungefähren Eindruck, was babylonische Sprachverwirrung bedeutet. Hast du bei nicht so geläufigen Sprachen einen Überblick, was die Künstler inhaltlich von sich geben?

LMNZ: Die Inhalte der Texte waren mir sehr wichtig. Ich habe deshalb alle Texte ins Englische übersetzen lassen oder selbst übersetzt. Allein das hat ewig gedauert und tausende Mails und Anrufe gekostet. Ich hoffe, irgendjemanden interessieren die Lyrics. Man kann sie unter http://www.worldwide-rap.com/media/lyrics/ runterladen. Wenn man das Album bei Bandcamp bestellt, sind die Texte auch dabei. Lyrics wie bei „Time and Money“ oder „Gasmask“ sollen gehört und verstanden werden. Ich würde mich da auch über Diskussionen freuen. Natürlich auch die anderen Lyrics. Aber die fallen mir gerade spontan ein, vielleicht auch weil wir da Videos zu gedreht haben oder drehen wollten.

zugehörige VÖs:

LMNZ - Worldwide Rap (Album - 08/2010)
LMNZ - Worldwide Rap LMNZ - Worldwide Rap (CD, Eigenvertrieb, 2010 )
Bassdraft: Das Video „Worldwide Intro“ feat. Yarah Bravo habe ich bereits gesehen. Wird es in nächster Zeit noch mehr Videos zum Album geben?

LMNZ: Yep. Haben noch drei andere Musikvideos gedreht. Dazu wird aber noch nicht mehr verraten. Na gut, ehrlich gesagt…die sind außer Kontrolle. Die kommen aus dem Hinterhalt, wenn ihr es nicht erwartet. Ich habe da gar keinen Einfluss mehr…

Bassdraft: Musikalisch hast du Einflüsse aus verschiedensten Gegenden der Erde verarbeitet. Hast du zuerst die Instrumentals produziert und dann die passenden Künstler gesucht?

LMNZ: So war es. Um einen Song zu machen, musste ich also drei bis vier Künstler haben, die ich geil finde, die den Beat feiern, denen etwas Sinnvolles dazu einfällt, die die „richtigen“ Sprachen sprechen, die ihr Vorhaben auch in die Tat umsetzen und auf irgendeine Weise eine Aufnahmemöglichkeit haben. Meist habe ich die Künstler aufgenommen. Aber es kaum auch vor, dass es nicht möglich war, sehr gute afrikanische Künstler auf den Sampler zu bekommen, obwohl schon alles fertig geschrieben war. Ich habe am Ende die Instrumentale aber immer noch an die Raps angepasst, neue Spuren eingespielt oder mit begnadeten Solisten den Track gepimped.

Bassdraft: Ich hatte mir vorgestellt, dass du einigen übers Internet den Beat geschickt hast, die dir anschließend den Accapella Part zurückgesendet haben. Ist diese Vorgehensweise technisch nicht sinnvoll?

LMNZ: Ja genau so lief das ab und zu auch ab. Manche hatten einfach keine Aufnahmemöglichkeiten bzw. nicht das Geld, diese zu bezahlen. Das wollte ich nur damit sagen. Und ich hatte das Geld auch nicht ;)

Bassdraft: Als ich gelesen habe, dass du mit dem Album 76 Künstler und damit 29 Sprachen vereinst, ist mir schon bei der Vorstellung schwindlig geworden, dass logistisch zu stemmen. Wie kamen diese Kontakte zu Stande und wie hast du dich mit den Künstlern abgestimmt?

LMNZ: Wenn ich eine Idee fresh finde, klemm ich mich dahinter, dass ist wie eine Sucht oder ein Trieb. Ich war z.B. viel auf Konzerten. Berlin, als Magnet für Künstler, ist ein guter Ort, um genau diese kennen zu lernen. Leute haben hier Gigs, off-days etc. oder wollen hierhin ziehen, weil es einfach mal die billigste Großstadt ist. Außerdem kann man hier auf der Straße saufen, viel Weed mit sich herumtragen und in den Parks chillen, ohne sofort abgezogen zu werden. Frauen können nachts alleine nach Hause laufen. Es ist im Vergleich zu anderen Städten in der Größenordnung einfach schon ganz cool hier. Ich habe natürlich auch viel über Freunde von Freunden oder Internet geregelt. Myspace war noch nicht tot und man konnte ganz gut Kontakte knüpfen. Ich dachte mir: Warum nicht mal A & R und Chef eines Projektes zu sein, anstatt im Studio als Praktikant Kaffee zu kochen und das Klo zu putzen für sagenhafte 0 Euro.

Bassdraft: Hattest du mit der Unzuverlässigkeit von Menschen allgemein zu kämpfen? Wann kennt es ja, dass jemand etwas versprich und man dann x-mal nachfragen muss oder derjenige gar nichts mehr von sich hören lässt. Wie hoch war die Ausfallquote?

LMNZ: Ganz ehrlich, dass war ein Riesenproblem. Nicht nur von der Künstlerseite her, auch von Videoleuten, Fotografen, Shirt-Designern…eigentlich von allen Bereichen. Wenn man kaum Budget hat, ist es schwer die Leute bei Laune zu halten. Wenn mir jemand sagt „Hey, ich will das unter diesen Konditionen nicht machen“ oder „Ich hab Bock, aber es gibt andere Prioritäten, weiß nicht, wie lange es dauern wird“ ist das cool. Man kann da nichts Unmögliches verlangen. Auch ein „Hab heute doch keinen Bock, ich geh saufen“ ist okay. Ich kann den Leuten nur da einen Vorwurf machen: Wenn sie ihr Wort nicht halten und sich dann menschlich mies verhalten. Das ist einfach respektlos! Etwas versprechen, es nicht halten, Rückfragen ignorieren…wack. Sagt einfach an, was Sache ist. Damit kann man immer dealen. Ich werde jedoch keine Namen nennen und wenn sich jemand im Nachhinein entschuldigt, auch nicht böse sein. Im Endeffekt danke ich jedem dafür, dass er oder sie mir helfen wollte. Ohne Hilfe hätte ich dieses Projekt niemals auch nur ansatzweise stemmen können. Deswegen auch die lange Shoutoutliste im Booklet. Got love for y’all! Das andere passiert meist auch nur, weil die Menschen mit irgendwelchen Ängsten, die auftauchen, nicht umgehen können und nicht unbedingt, weil sie abgrundtief böse sind oder mich verarschen wollen. Ängste sind auch ein schweres Thema in dieser geschminkten Leistungsgesellschaft.

Bassdraft: Viele ambitionierte Projekte mit wenig Budget gehen ja genau daran zu Grunde. Das verlangt eine starke Hand im Hintergrund die sehr zielstrebig ist und sich nicht vom Weg abbringen lässt. Hattest du während des Projektes auch Phasen, dass du aufgeben wolltest?

LMNZ: Nein. Ich war aber einige Male schon sehr frustriert. Aber immer, wenn ich dann eine Nacht drüber geschlafen hatte, ging das auch wieder. Im Endeffekt waren es nur und sind es immer noch viele Punkte auf einer langen to-do liste und die müssen abgehakt werden step by step. Wenn es an einem Punkt nicht weitergeht, muss man nach Alternativen suchen. Und wenn ich das Projekt hingeschmissen hätte…ich hätte ja dann was anderes machen müssen. Mein Anspruch an mich selbst ist hoch und ich weiß nicht, ob das irgendwas erleichtert hätte; eher im Gegenteil. Natürlich fühle ich mich auch all denen verpflichtet, die an dem Projekt beteiligt sind. Es wäre unfair zu sagen: „Ok, ich habe keinen Bock mehr, sorry.“ All these good people deserve the best treatment.

Bassdraft: Kannst du dir vorstellen, so ein Projekt nochmal anzugehen und einen „Teil 2“ zu produzieren? Was sind deine nächsten Ziel?

LMNZ: Ich kann mir das auf jeden Fall vorstellen. Ich werde jedoch erstmal abwarten, wie das Feedback so ist und ob ich davon Leben kann. Ich habe das Album neben dem Studium gemacht. Jetzt muss ich Geld verdienen; nicht, dass ich reich werden müsste...aber ohne Essen werde ich ungemütlich. Ich habe genug Freunde, die extrem wegen Cash strugglen oder keine Wohnung haben und es bremst einen krass und schränkt einen ein. Es entscheidet sich jetzt einfach auch, wie exzessiv ich weiter Musik machen kann. Das größte Argument gegen solch ein Album ist, dass es live sehr schwer umzusetzen ist. Bei Live-Auftritten gewinnt man aber Fans und verdient Geld. Ich bin also im Moment darauf angewiesen, dass die Leute die Musik gut finden und sie für unterstützenswert halten. Im Moment habe ich täglich 12-16Stunden damit zu tun Pressearbeit zu machen und die CDs zu verticken; sei es auf der Straße oder über das Internet. Das läuft bisher ziemlich gut. Je besser Worldwide Rap ankommt, desto mehr Aufträge werde ich für die Zukunft bekommen. Nebenbei produziere ich weiter und mische Musik von anderen Künstlern, u.a. das Album von Badkat, meiner Mitbewohnerin. Ich danke hiermit allen, die mich supporten. Egal auf welche Weise. Peace!!

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