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Interview: MOK

geschrieben am 15.03.2006
von oliversum

Er hält nach wie vor den inoffiziellen Titel für das härteste deutsche Dissalbum. MOKs „Fick MOR“ von 2002 war in den Augen vieler sogar etwas übers Ziel hinausgeschossen. Andererseits kann es sich der Neuköllner durchaus leisten, verbal auf die Kacke zu hauen, im Gegensatz zu den meisten anderen Gangsta-Rappern kann er nämlich auf eine längere Zeit hinter den unbeliebten schwedischen Gardinen zurückblicken. Vom Musik machen hat ihn der Urlaub auf Staatskosten jedoch nicht abhalten können. Mittlerweile ist MOK Freigänger und steht kurz vor seiner Entlassung. Soeben ist sein jüngster Release erschienen, das Mixtape „Bad Boys“. Alles weitere erzählte MOK in einem ausführlichen Interview, dass er uns vor Kurzem gegeben hat.

MOK
Bassdraft: Mit „Fick MOR“ bist du erstmals an die Öffentlichkeit getreten, was war davor bei dir los?

MOK: Bei mir hat es mit dem Sprühen angefangen. Maxim Rest in Peace – er hat mich eingeführt in die ganze Sache, von ihm habe ich auch meinen Namen. Mit ein paar Freunden habe ich NHS gegründet und bei mir in der Gegend gesprüht. Ich habe dann Leute wie AMOK kennen gelernt, die ganzen alten Leute von dieser Sprühergeschichte. ODEM war bei mir in der Nebenklasse gewesen, wir sind zusammen zur Schule gegangen. Ich war nicht auf Style aus, sondern wollte nur Bombings machen. Ich war mehr einer dieser Gangbang-Sprüher, ich hab halt Leute abgezogen und Action gemacht. Ich habe viel gemalt, bin viel unterwegs gewesen, habe viel Scheiße gebaut. Irgendwann kam ich zu CMD, Criminal Minded, eine Sprühergruppe, da habe ich zum Beispiel MING kennen gelernt, einer meiner Mittäter, mit dem ich zurzeit im Knast sitze. Über ihn habe ich so Leute wie Bassboxxx kennen gelernt. Ich habe damals ein Album von Frauenarzt gehört, da war „Shake deinen Hammerkörper“ drauf, das haben wir übelst gefeiert. Das war coole Mucke! Ming meinte, er kennt die und hat sie mir vorgestellt. Davor kannte ich auch schon Asek, wir kennen uns sehr lange, mit dem habe ich meine ersten Versuche gemacht in diesem Rapding.

Bassdraft: Wie kam es dann zu deinem ersten Release?

MOK: Bei Bassboxxx habe ich angefangen, ein bisschen aufzunehmen, dann kam dieses „Fick MOR“ zustande. In meinen Augen war das die Blendergruppe überhaupt. Es konnte nicht sein, das eine Gruppe für ganz Berlin steht, die gar nichts mit Gangstern zu tun haben, aber darüber gerappt haben, was für Gangster sie sind. Das musste klargestellt werden. Das hat nicht nur mich, sondern auch sehr viele andere Leute gestört, aber ich war mal wieder derjenige, der es in die Hand genommen hat und darüber gerappt hat. Eigentlich sollte es nur ein Track werden, aber ich fand das Thema so geil, und außerdem bin ich der Über-Tim-Dog-Fan, und deswegen denke ich, wenn man mit jemanden fickt, muss man richtig mit ihm ficken und habe gleich ein ganzes Album gemacht. War auf jeden Fall eine lustige Zeit. Meiner Meinung nach ist es immer noch das härteste Album, das es gibt.

Bassdraft: Wie waren die Reaktionen darauf?

MOK: Meine Kumpels fanden es natürlich alle cool, wobei sogar einige von denen meinten, das sei zu krass, aber das ist eben Straßensprache. Es gibt halt kein anderes Wort für Hurensohn, weißte? Hurensohn ist Hurensohn. Meiner Meinung nach wurde es von den Medien unten gehalten, die wollten das Album nicht pushen. Das kann ich auch verstehen, wenn man drüber nachdenkt, ist es wirklich ein krasses Album, ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn jemand so etwas über mich gemacht hätte. Ist schon okay. Es war halt mein Einstieg in dieses Rapding. Inzwischen ist das Album Legende.

zugehörige VÖs:

MOK - Most Wanted (Album - 06/2009)
MOK - Most Wanted MOK - Most Wanted (CD, Yo! Musix, 2009 )
MOK - Badboys Limited (Mixtape - 11/2008)
MOK - Badboys Limited MOK - Badboys Limited (2CD, Yo! Musix, 2008 )
MOK - Jailhouse Pop (Gastparts - 03/2008)
MOK - Jailhouse Pop MOK - Jailhouse Pop (CD, unbekannt, 2008 )
MOK - Strassenmukke (Mixtape - 11/2007)
MOK - Strassenmukke MOK - Strassenmukke (CD, Sony Music, 2007 )
MOK - Hustler (Album - 05/2007)
MOK - Hustler MOK - Hustler (CD, ersboeserjunge, 2007 )
MOK - Hustler-Bulletproof MOK - Hustler-Bulletproof (CD, Neo - Yo! Musix (SonyBMG), 2008 )
Bassdraft: Du hast dich mit diversen Leuten von damals aber inzwischen ausgesöhnt, richtig?

MOK: Auf jeden Fall, ich bin zu Staiger hingegangen – wir hatten ja so einige lustige Anekdoten – und habe Frieden geschlossen. Jack Orsen kenne ich sowieso seit frühester Jugend. Es gibt einige Leute bei denen, die cool sind. MOR ist okay, mittlerweile gefällt es mir. Ein bisschen an Authentizität haben sie gewonnen, weil Derill jetzt dabei ist, der ist ein cooler Straßenrapper. Catee feiere ich übelst, alleine, weil sie Neuköllnerin ist. Royalbunker ist ein gutes Fundament, aber da sind zu viele Leute. Es erinnert mich an das HipHop-Haus früher in Steglitz. Rhymin Simon ist auch ein guter Rapper. Jack Orsen hätte ich mehr gegönnt, früher war er der Back-Up von Savas, kuck dir an, was er jetzt ist. Er hat auf jeden Fall viel Talent, ich hätte mir was anderes vorgestellt bei ihm.

Bassdraft: Wie ging es danach für dich weiter?

MOK: Ich habe dann über Tony D. Sido kennen gelernt, wir haben ab und zu ein bisschen gechillt. Sido hat mir damals schon vorgeschlagen, mich zu produzieren, mit B-Tight zusammen. Bei Bassboxxx gab es ein paar Unstimmigkeiten, keiner ist aus dem Arsch gekommen. Sido und B-Tight haben mich gefragt, ob ich einsteigen möchte und auf einmal war ich bei der Sekte. Zwischen durch war dann diese Knastgeschichte. Ich bin kurz vor dem Knast zur Sekte gekommen, ich war auf der Flucht. Ich bereue es nicht, in den Knast gegangen zu sein, weil es alles Schicksal ist. Was wäre gewesen, wenn ich in den Knast gekommen und nicht bei der Sekte gewesen wäre? Deswegen kann ich das in Kauf nehmen. Letztendlich habe ich noch die Kurve gekriegt, wer weiß, was noch passiert wäre? Ich habe so viele Dinger gedreht, so viel am Laufen gehabt, so viel rumgehustlet, so viel Geld gemacht, verbotene Sachen – irgendwann musste ich merken, Stopp jetzt!

Bassdraft: Wobei wurdest du denn erwischt?

MOK: Ich wurde überhaupt nicht erwischt. Ich wurde aufgrund einer Aussage festgenommen. Die Sache war schon ein Jahr her. Verurteilt wurde ich wegen schweren Bandendiebstahls in 250 Fällen und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei zu vier Jahren und drei Monaten. Dann bekam ich noch zwei Jahre Bewährungswiderruf, also insgesamt habe ich 6 Jahre nochwas bekommen. Viereinhalb sitze ich davon schon, demnächst werde ich wegen guter Führung entlassen, ich bin mittlerweile Freigänger. Die sehen halt, dass ich mich positiv verändert habe, keine Drogen mehr nehme und ein paar Anti-Gewalt-Programme absolviert habe. (grinst)

Bassdraft: Wie war denn die Zeit im Knast?

MOK: Auf jeden Fall ist danach entweder deine rechte oder deine linke Hand stärker, wenn du verstehst, was ich meine. Alle Bräute aus deiner Umgebung nimmst du in der Fantasie durch. Ich habe davor dreißig Kilo mehr gewogen, ich habe halt viel trainiert, ich wollte nicht mehr der gleiche Mensch sein, wenn ich aus dem Knast komme. Ich wollte was für meine Gesundheit tun. Die körperliche Gewalt im Knast ist gar nicht so schlimm, die mentale, die von den Beamten ausgeht, ist viel schlimmer. Da herrscht eine unfassbare Inkompetenz. Die wissen, wie man Türen auf und zu schließt, aber das war’s. Soziale Kontakte brechen natürlich total ab. Ich habe Glück gehabt, ich habe eine starke Frau, eine starke Familie. Die haben zu mir gehalten.

Bassdraft: Als gewissermaßen staatlich anerkannter Gangster: Wie siehst du die Entwicklung vom deutschen Rap zum Gangstarap hin?

MOK: Also, es gibt schon auch aufgesetzte Sachen, wobei ich sagen muss, aufgesetzt hin oder her, das Ding ist: Keiner mag Lügner. Ich könnte nicht mit jemand rumhängen, der mich die ganze Zeit anlügt. Natürlich ist selbst Savas in Oberammergau ein Gangster, schon klar. Das Problem ist, dass Leute über Sachen rappen, über die sie gar nicht Bescheid wissen. Aber wenn die Leute sich wohlfühlen als Studiogangster und die ganze Zeit irgendwelche Lügengeschichten erzählen, ist das deren Ding. Ich kann mich ja auch nicht auf eine Bühne stellen und der Jugend Tipps geben, obwohl ich auf meine Art und Weise resozialisiert bin. Auf der anderen Seite finde ich schon gut, dass Rap in die Gangsterrichtung geht, weil es das ist, was ich mag. Es gibt auf jeden Fall authentische Leute, Shok Muzik zum Beispiel, oder Bogy – wenn der etwas sagt, glaube ich es ihm. Dann gibt es Asek von der Kaosloge, der einen Gangster-Background hat, aber als Rapper ganz anders drauf ist. Ich sehe mich unter den ganzen Gangsta-Rappern ganz oben. Ich habe Erfahrungen damit, auf die ich zwar nicht stolz bin, aber das ist halt mein Leben. Wenn ich in den Spiegel schaue, fühle ich mich wohl. Man kann es den Leuten sowieso letztlich nicht beweisen und ich habe auch gar keinen Bock, es den Leuten zu beweisen. Aber wenn es hart auf hart kommt, wird man schon sehen, wer der echte Gangster ist.

Bassdraft: Trotz deiner Knastaufenthalte, zwischenzeitlich warst du ja in Bayern inhaftiert, hast du zwei Alben veröffentlicht. Wo sind die entstanden?

MOK: „Neukölln Hustler“ sollte eigentlich „Auf der Flucht“ heißen, weil ich das auf der Flucht aufgenommen habe. Das hat B-Tight produziert, beim letzten Track war ich mit Ilan im Studio und habe aufgenommen, eine halbe Stunde später bin ich nach Hause gefahren und wurde festgenommen. Der Release hat sich dann hinausgezögert, weil wir erst die U-Haft abgewartet haben. „Muzik oder Knast“ habe ich dann als Freigänger aufgenommen.

Bassdraft: Was gibt es über deinen neuen Release zu sagen?

MOK: Das Mixtape heißt „Bad Boys“, da präsentiere ich alle bösen Jungs aus Berlin, einige auch aus Hannover, dann meine Jungs Automatikk aus Nürnberg. Ich wollte zwischen durch was machen, an dem Mixtape habe ich drei oder vier Monate sehr hart gearbeitet. Da sind alle möglichen Leute drauf, Bogy, Sekte, Fler, G-Hot, VS Mafia, Frauenarzt, Bass Sultan Hengzt, ein neuer Produzent von mir, DIZM, ist dabei. Ansonsten gründen wir gerade unser eigenes Label, Sektenmuzik.

Bassdraft: Ich dachte, Sektenmuzik gäbe es schon?

MOK: Bis jetzt aber nur auf dem Papier, im Moment regeln wir das alles, den ganzen Papierkram, Büro und solche Sachen. Das wird ein Unterlabel von Aggroberlin. Die Hauptacts sind ja schon bei Aggro gesignt, Sektenmuzik wird einfach ein Podium für die anderen Jungs.

Bassdraft: Wie weit willst du denn mit Rap kommen?

MOK: Ich bin der Meinung, dass ich schon ziemlich weit bin, was meine Schiene angeht, wie weit soll ich denn noch kommen? Ich bin beim besten Team dabei, gibt es noch was Höheres? Okay, die Verkaufszahlen, aber ich lebe gut davon, ich zahle meine Miete, kann auf die Kacke hauen, mir was leisten. Ich will kein Multimillionär werden, aber schon so weit kommen, dass ich nie wieder hustlen muss. Ich will CDs ticken. Das Rappen wird ja nicht ewig gehen, ich mache nebenher eine Ausbildung zum Toningenieur, ich will ein eigenes Studio haben und andere produzieren. So sehe ich mich in der Zukunft.

Bassdraft: Vorher gibt es aber noch ein richtiges Album, oder?

MOK: Klar. Ich fange in drei Monaten damit an, ich habe einen Terminplan bekommen, bis Oktober muss ich ein neues Album auf die Beine stellen.

Bassdraft: Einen Terminplan? Von wem das denn?

MOK: Vom Oberboss. Halil. Mr. Cash. Mr. Ching-Ching! Der macht den Plan. Halil ist der größte Gangster. In dem Budget ist auch ein Video mit drin, ich muss kucken, wie ich das alles auf die Reihe kriege. Wenn ich jede Woche einen Track mache, kommt das schon hin. Beats bekomme ich von Tai Jason, Desue, B-Tight, Dizm, Tony D, Sido, das Fundament stimmt also.

Bassdraft: Wirst du inhaltlich immer auf der Gangstaschiene bleiben?

MOK: Nein, ich will schon andere Themen ansprechen. Ich werde was zu meiner Resozialisierung beitragen. Das Ding ist, ich habe so viel erlebt, so viele Geschichten, das dauert, bis die aufgebraucht sind! Ich muss kucken, welche Themen, denn alle Sparten sind schon abgedeckt und ich habe auch keinen Bock zu wiederholen, was andere gerappt haben. Außerdem will ich das Album nur analog aufnehmen, digital kann jeder, außerdem klingt analog viel wärmer. Ich will das erste komplett analoge Album aufnehmen. Ich will immer der Erste sein!