Interview: Marcus Staiger - Royal Bunker
von Konrad J. Karkos
Wer sich schon mal mit Berliner Untergrund-Rap befaßt hat, wird wohl an dem Namen Royal Bunker nicht vorbeigekommen sein. Einst eine Freesytlekneipe, später das ”Tape-Label“, heute Vertrieb und Label von Marcus Staiger. Immer wieder machten RB-Acts wie Kool Savas, Fuat, Fumanschu, Funk Füxe von sich reden. Durch den Verkauf von Tapes und T-Shirts gelang es dem Kopf, Marcus Staiger, ein finanzielles Polster anzusparen, so daß man mittlerweile Vinyl und mehr produzieren kann. Die erste Vinyl Veröffentlichung auf Royal Bunker sind die Masters Of Rap mit ”NLP“. Das alles war Grund genug für mich, mich mit Marcus Staiger zu unterhalten. Wer die Entstehungsgeschichte von RB nicht kennt, sollte sie sich unbedingt auf "www.RoyalBunker.de" durchlesen.

Staiger: Auslöser war, daß sich Leute beschwert haben und sagten: “uns bringt keiner raus“ oder “uns will keiner“. Ich hatte schon vorher mal von reinen Tape-Labels in den Staaten gehört und auf der Suche nach einen Tapehersteller wurden wir durch ein wenig telefonieren auch fündig. 260 DM für 100 Tapes, das war irgendwie finanzierbar.
Staiger: Was daraus entstehen kann, kann man bei uns sehen. Wir können so viele Moves machen weil wir Tapes verkauft haben. Wir haben diese nicht verkauft, weil die mit Geld marketingmäßig gepusht wurden, sondern weil die Leute die gut fanden. Die Künstler bekommen dadurch erstmal ein Feedback. Die Leute wissen, das du was machst und am Start hast. So kannst du dann viel besser auftreten. Plattenfirmen haben mich ausgelacht, bevor ich ihnen erzählte wie viele Tapes ich schon verkauft habe. Überhaupt, an die Leute da draußen: Unterschreibt keine Verträge die ihr nicht versteht, laßt euch nicht verarschen und macht eigene Tapes. Es gibt zu viele Idioten in diesem Game.
Staiger: Super abwechslungsreich, insgesamt ein souveräner Umgang mit Rap, es ist für jeden etwas dabei. Also es ist keine peinliche Sache drauf. Man denkt, wow, da rappen Leute einfach, nicht wie bei anderen Alben, wo ich mir denke, die versuchen gerade zu rappen.
Staiger: Auf jeden Fall, bei Ronald liegt das vor allem auch an der Technik, jetzt kommt das Schnelle klarer rüber. Die Weiterentwicklung zeigt auch, daß die Leute ein musikalisches Talent haben und dieses wurde auch auf NLP umgesetzt.
Staiger: Wir rechnen jetzt auch damit das Geld zu haben, um ganz normal als Label zu arbeiten. Bisher hatten wir nicht mal uns selbst ausgezahlt. Mein Ziel ist es in den kommenden fünf Jahren pro Jahr eine Gewisse Anzahl von Alben zu verkaufen und damit kontinuierlich arbeiten zu können. Außerdem will ich eine stabile Fangemeinschaft aufbauen.
Staiger: Zum Glück nicht. Man muß sich mal ernsthaft vorstellen, wenn dann auf einmal 150.000 DM vor einem liegen, ich weiß nicht was man dann macht. Im Nachhinein sage ich warum 150.000, daß ist doch lächerlich. An Royal Bunker sieht man auch, daß man die großen Labelstrukturen und das große Geld nicht braucht und von ganz unten kommen kann.
Staiger: O.K., ich sage nicht Hamburg ist scheiße, sondern die Acts von dort sind es. Die Absolute Beginner sind es, weil sie ganz krass mit ihrer Vergangenheit gebrochen haben, nichts davon wissen wollten, plötzlich funmäßig abgehen wollten, mit einer Ironie die keiner versteht. Jetzt der Rückfall in die Politik, ach ja, Eißfeld will sowieso nichts mehr mit mir zu tun haben, weil ich mal zufällig zu seiner Freundin gesagt habe sie soll Hamburger HipHop boykottieren. Auch Samy ist ein verspannter Typ, der sich die ganze Zeit rechtfertigen muß. 5 Sterne Deluxe sind unter aller Sau, weil die mit den Wörtern derbe, deftig, flashen, steil gehen, abstylen oder heftig, ein 15 Minuten Interview abhalten können. Mit Stuttgart habe ich eher ein krasses ideologisches Problem. Ich komme selbst aus Stuttgart, dort klopfen die Leute zu gern auf die Schulter. Die finden sich alle gegenseitig Hammer und kommen mit Kritik einfach nicht klar. Eins darf man nicht vergessen, Samy kann gut rappen und das neue Snippet-Tape von Afrob hat mir z.B. wirklich gut gefallen. Wir sind also nicht so verblendet, wir hören auch wer gut rappen kann.
Staiger: Wir waren ja schon sehr viel in Deutschland unterwegs und haben viele Crews kennengelernt. Vor allem ein junger MC aus Mönchengladbach ist sehr interessant und hat bereits schon Sachen mit Savas zusammen gemacht.
Staiger: Nein, man muß ganz einfach sagen, wir und auch Berlin insgesamt wären nicht da, wo wir jetzt sind, wenn Savas nicht gewesen wäre. Man braucht immer eine Person die einen Katalysatorfaktor hat. Savas bringt dieses Jahr sein Solo-Album auf PDNTDR raus, danach muß Royal Bunker auch versuchen sich zu emanzipatieren und zeigen, daß es auch ohne Savas weiter geht. So dominant wie Savas auf ”NLP“ zu hören ist, wird es in der Zukunft wohl nicht mehr sein.
Staiger: Alben von Jack Orsen, Ronald Mack Donald, Fumanschu stehen genauso, wie die jetzt neu dazukommenden, nicht aus dem M.O.R.-Umfeld stammenden Acts, demnächst an.
Staiger: Fuat hat einen Künstlerexklusiv-Vertrag bei Ypsilon. Es wäre eine große Ausnahme gewesen wenn “HassIckDir ? II“ auf RB rausgekommen wäre. Beim ersten Teil war es eine freundschaftliche Abmachung. Überhaupt, das verfickte an diesem Geschäft ist, es gibt langsam überall Verträge und diese kommen vor der Freundschaft, Verträge haben Recht. Fuat ist mein Freund, es war letztendens seine eigene Entscheidung.
Staiger: Weil ich ja bald 30 werde, würde ich gerne ein Album über ”For The 18 B-Boy“ machen, wo man dann über die Athrose beim breaken rappt, eher was für Erwachsene. Ich war Enttäuscht von dem Torch-Album, der ja auch so alt ist wie ich und schon soviel erlebt hat. Da habe ich mehr Analyse oder Altersweisheit erwartet. Ich will mich nicht mit ihm vergleichen, aber würde ein Album für erwachsene B-Boys machen.














