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Interview: Orgasmus & Mach One - "Rap aus Berlin"

geschrieben am 21.10.2010
von Cracc

Als King Orgasmus One und Mach One durch einen technischen Unfall in ländlicher Abgeschiedenheit zur Untätigkeit gezwungen waren, entstand beim Totschlagen der Zeit die Idee, innerhalb einer Woche ein gemeinsames Album mit möglichst vielen Features zu produzieren. Zurück in Berlin wurde das Vorhaben tatsächlich in Angriff genommen und stieß auf Begeisterung bei befreundeten Rappern. Im K.I.Z-Studio arteten die Aufnahmesessions teilweise zum Massenhappenings aus und ließen die frühere Begeisterung aus Bassboxxx-Zeiten wieder auferstehen. In diesem Interview zur Entstehung und Hintergründen kann man diese Begeisterung spüren und gespannt dem Ergebnis von „Rap aus Berlin“ entgegensehen.

Orgasmus & Mach One
Bassdraft: Wie ist das Projekt „Rap aus Berlin“ entstanden?

Mach One: Wir waren bei Orgi in Österreich im Haus und wollten arbeiten. Da die Verkabelung dort provisorisch war, kamen ein paar „Spezialisten“ vorbei, die das in Ordnung bringen sollten. Die haben bei laufenden Rechner die Soundkarte rausgezogen. Die war darauf hin natürlich im Arsch! Die restliche Woche saßen wir einfach rum und ärgerten uns, denn in dieser Zeit hätten wir ein ganzes Album machen können. Und das war der Ursprung der Idee.

King Orgasmus One: Wir wollten in kürzester Zeit ein Album zusammen machen. Und da wir das in Berlin in Angriff genommen haben, wollten wir alle mit drauf nehmen, die wir kennen und die hier im Studio bei K.I.Z sowieso chillen. Einige haben wir auch extra eingeladen. Und es ist jetzt mehr ein Kollabo-Album geworden.

Mach One: Ursprünglich wollten wir die ersten Tracks schon in Österreich aufnehmen. Wenn wir wieder Berlin gewesen wären, hätten wir noch ein paar Features recordet und schon hätten wir ein Album fertig gehabt. Das ist ja nichts geworden. Also wollten wir das in Berlin innerhalb einer Woche durchziehen. Jeder von uns beiden hat ein paar Leute eingeladen und innerhalb kürzester Zeit war das Studio voll. Einige Featuregäste kamen zufällig dazu. Als ich z.B. einmal im vorderen Teil des K.I.Z-Studios saß, begrüßt mich plötzlich jemand und Vokalmatador stand vor mir. Er hat natürlich sofort einen Part aufgenommen. Insgesamt sind jetzt 22 Features drauf.

Bassdraft: Gab es inhaltlich ein Konzept?

Mach One: Das Thema des jeweiligen Songs richtet sich immer nach dem Featuregast. Bei Blokkmonsta und Schwartz ist das dementsprechend ein horrormäßiger Track geworden. Und bei MC Bogy musste das natürlich ein oldschooliger Bassboxxx-Track werden. Die Refrains sind ebenfalls  dementsprechend ausgewählt worden.

King Orgasmus One: Oder beim Track mit Jope ist ebenfalls ein knallharter oldschool Beat von Nico genommen worden, wie man das von früher kennt. Das passt perfekt zusammen.

zugehörige VÖs:

Orgasmus & Mach One - Orgasmus Mach One Rap Aus Berlin (Album - 12/2010)
Orgasmus Mach One  - Rap Aus Berlin Orgasmus Mach One - Rap Aus Berlin (CD, I Luv Money Records, 2010 )
Bassdraft: Also ist es mehr so etwas wie ein Sampler geworden?

King Orgasmus One: Das Album heißt ja „Rap aus Berlin“. Das sagt einfach alles aus. Da sind alle möglichen Leute drauf, die aus unserem Umfeld kommen.

Mach One: Es ist nicht wirklich ein Sampler. Orgi und ich sind ja auf jedem Track. Und haben immer einen Gast. Wenn man sich vornimmt innerhalb einer Woche einen Track zu machen, gibt es da kein Konzept.

Bassdraft: Gab es nicht einmal einen roten Faden?

King Orgasmus One: Doch, den gab es: Schnell fertig werden. (lautes Orgilachen)

Bassdraft: Das sieht man. (Ich deute auf den Studiorechner, wo vor Beginn des Interviews gerade noch Doppelungen und kurze Gesangspassagen für das Album aufgenommen wurden, immerhin drei Wochen nach geplantem Ende der Arbeiten)

Mach One: Naja, ich hänge am stärksten hinterher. Orgi kann man immer einen Beat vorsetzen, der schreibt da gleich was und nimmt auf. Bei mir ist das eher Tagesform abhängig. Es kann sein, dass ich zwei Texte am Tag schaffe. Es kann aber auch sein, dass ich...

King Orgasmus One: Hmm, es kommt drauf an, wieviel Alkohol da ist.

Bassdraft: Das hat man ja durch die Fotos im Internet schon erahnen können.

Mach One: Oh ja, da waren schon ein paar echt chaotische Tage dabei. Lustig war es auf jeden Fall. Der Spaß stand im Vordergrund.

Bassdraft: Gibt es auch ein „Making of“ dazu?

King Orgasmus One: Wir haben Skits aufgenommen! Wir haben einfach jedes mal das Gerät eingeschaltet und das laufen lassen, wenn neue Gäste kamen. Aus den Aufnahmen suchen wir noch Skits raus und ich denke, das ist ein gutes Making Of.

Mach One: Wir haben einfach alles mitgeschnitten, wenn nicht geschrieben oder recordet wurde. Leider nicht bei jedem, da ich das Gerät nicht von Anfang an hatte. Aber trotzdem haben wir eine Menge der Stimmung eingefangen. Aber ein richtiges „Making Of“ wird es nicht geben, da wir keine Kamera dabei hatten.

Bassdraft: Wie kam es zu der Idee, die Studioatmosphäre mitzuschneiden und einzufangen?

Mach One: Die Leute kamen her und haben ihre 16er geschrieben. Die anschließend aufgenommen wurden. Danach waren die meisten auch schon wieder weg. Dann hat teilweise der Refrain gefehlt oder andere Sachen waren nicht fertig. Um das Auszugleichen und für Notfälle Material zu haben, habe ich dann das Aufnahmegerät hingestellt. Dabei sind echt kranke Aufnahmen entstanden. Wir haben die Nacht durch gesoffen und das alles mitgeschnitten.

Bassdraft: Aha,und das kommt alles mit auf das Album?

Mach One: Natürlich nur ausgewählte Sachen! Man muss sehen, was man nehmen kann.

Bassdraft: Auf welchem Label wird das denn eigentlich veröffentlicht? I Luv Money Records?

King Orgasmus One: I Luv Money Records und Mach One präsentieren „Rap aus Berlin“.

Mach One: (lacht) … ich habe ja kein Label mehr!

Bassdraft: Wäre es nicht nahe liegend das Album über Bassboxxx Records zu veröffentlichen...

Mach One: Darüber haben wir auch schon nachgedacht. Dazu hätte aber unbedingt auch ein Frauenarzt-Feature gehört. Welches leider nicht zustande gekommen ist. Er hat zur Bedingung gemacht, dass eine Sache die zwischen mir und Basstard steht, zuerst aus der Welt geräumt werden muss. Dass haben wir in Angriff genommen, aber Basstard hat es noch nicht geschafft, her zu kommen. Und wäre Arzt mit drauf gewesen, hätte man das bestimmt machen können. Aber es ist auf alle Fälle ein vollwertiges Bassboxxx Produkt.

Bassdraft: Wird man das Album deutschlandweit in allen Läden bekommen?

King Orgasmus One: Ich habe meine Alben wegen der Androhung von Strafzahlungen durch die großen Elektronikketten, komplett aus dem Vertrieb genommen. Und wir werden das Album auch nur untergrundmäßig anbieten. Wir wollen nicht, dass Mediamarkt usw. mit verdienen. Und ich glaube ein paar Sachen sind wirklich zu hart. Wir haben überhaupt nicht darauf geachtet, ob das textlich für einen großen Vertrieb passt. Das soll etwas für die Fans sein, die uns schon früher gehört haben und uns daher kennen. Die werden das über spezielle Internetportale kaufen können. Wir werden jetzt anfangen Vorbestellungen anzubieten. Diese werden wir dann Mitte Dezember versenden, damit die CD zu Weihnachten da ist. Am besten sollte das schon über die Vorbestellungen ausverkauft sein.

Bassdraft: Wie viele Exemplare werdet ihr denn pressen lassen?

King Orgasmus One: Wir werden 2000 Stück pressen lassen. Wenn die weg sind, war es das. Wir wollen, dass nur die echten Fans ein Exemplar in der Hand halten. In dieser Konstellation haben wir uns zwar öfter im Studio getroffen, aber so intensiv haben wir schon lange nicht mehr gearbeitet. Die „Imbiss Bronko“-Sachen und ab und zu ein Beat haben wir schon hinbekommen. Aber Orgasmus & Mach One gab es so noch nicht und das wird viele Fans freuen.

Mach One: Obwohl das eigentlich eine unmögliche Kombination ist.

King Orgasmus One: Ja. Das passt eigentlich nicht zusammen. Ich als der verrückte Pornorapper und Mach One ist der … ähm … Künstler? … und Drogen... (wird durch allgemeines lautes Lachen in der Überlegung unterbrochen) Aber was ich damit sagen wollte: Gerade weil das nicht auf den ersten Blick zusammen passt, ist das gut.