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Interview: Schulte 2009

geschrieben am 28.09.2009
von Cracc

Suffatze Schulte hat mit konstanten Output das letzte Jahr musikalisch-versoffenen Lebenszeichen von sich gegeben. An was er momentan arbeitet und wie er das angeht, erfährt man in einem Interview, das wir nach vielen verschoben Terminen, die durch meine aktuelle Verpeiltheit platzen, endlich letzte Woche führten.

Schulte
Bassdraft: Dein zweites Soloalbum "Herr Der Biere" kam ja schon vor über einem Jahr heraus und dieses Jahr hast Du ja schon etliche Sachen releast. Kannst du mal einen aktuellen Überblick deiner Projekte geben?

Schulte: Es ist viel passiert und es steht viel an. Von daher genau die richtige Zeit für ein ausführliches Interview. Erst einmal besten Dank an euch! Zum Wohle!
Im April 2009 kam das gemeinsame Album „Szeneputzen, ab ins Bett“ von Epoz und mir heraus. Das war auch das erste Release von mir, welches nicht mehr über Vollrausch Rekordz erschien. Man hatte sich entschlossen musikalisch getrennte Wege zu gehen und das Label hat sich  mittlerweile aufgelöst.
Nach der guten Zusammenarbeit mit den Jungs von GuideLines Music beim  Szeneputzen-Album, entschied ich mich dazu, die nächsten Releases meinerseits weiterhin über dieses Label zu veröffentlichen. Die Arbeit mit den Atzen dort ist äußerst produktiv und der Spätkauf  gegenüber vom Studio hat die ganze Nacht geöffnet. Eiskaltes Pilsator für 50 Cent. Besser geht’s nicht.
Vor knapp einem Monat kam dann die „Kimme & Korn“ EP von meinem Reinickendorf-Atzen Kiam und mir zum kostenlosen Download raus. Das gute Stück gibt’s GRATIS auf www.guidelinesmusic.de zum runterladen.
Die EP ist ein Stück härter und weniger versoffen als meine letzten Alben, doch mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Kiam ist ein sehr talentiertet Junge und er wird auf jeden Fall bei weiteren Releases von mir am Start sein.

Bassdraft: Was ist eigentlich aus deinem Comedy-Projekt "Aus dem Leben eines Taugenichts" geworden?

Schulte: Das ist immer noch aktuell. Ich brauch mir da auch nicht irgendetwas zusammenspinnen. Das sind reale Schicksalsreportagen meines Lebens. Dinge die mich nerven, die mir auffallen oder die ich selbst durchlebt habe. Und anscheinend spricht das auch viele Leute an. Am 04.12. bin ich übrigens im Quatsch Comedy Club Berlin zu sehen. Schulte live in Adiletten auf der Bühne. Es wird einmalig!

Bassdraft: Arbeitest du derzeit an einem weiteren Soloalbum und wenn ja, wie weit ist die Arbeit derzeit fortgeschritten?

Schulte: Bevor wir uns für das „Kimme & Korn“ Projekt entschieden hatten, wollte ich eigentlich mit den Arbeiten an meinem dritten Solo-Album beginnen. Aus einer versoffenen Studio-Session mit FlowOne und einem Knüller-Beat von QingMaras entstand dann jedoch eines Abends spontan der Song „Wir sind blau“. Wir bekamen unheimlich viel positives Feedback und uns selbst gefiel das Konzept der BlueMänGroup auch so gut, dass wir uns dazu entschlossen, ein ganzes Party-Album in dieser Konstellation aufzunehmen. Somit wurde mein Solo-Album erst einmal auf 2010 verschoben. „Wir sind blau“ gibt’s übrigens immer noch GRATIS zum runterladen auf der oben schon genannten GuideLines Homepage.

Das BlueMänGroup Album „Apocalypse blau“ erscheint am 30.10.2009 und wird definitiv das kaputteste und versoffenste Album, was jemals ein Presswerk verlassen hat. Ein schönes Musikvideo wird es selbstverständlich auch wieder geben. Die Aufnahmen hierfür werden Anfang Oktober gemacht. Da kann sich jeder Suffatze schonmal vorweg eenen drauf rinnkippen.

zugehörige VÖs:

Schulte - Der Herr der Biere (Album - 07/2008)
Schulte - Der Herr der Biere Schulte - Der Herr der Biere (CD, Vollrausch Rekordz, 2008 )
Schulte - Dipsomanie (Album - 12/2006)
Schulte - Dipsomanie Schulte - Dipsomanie (CD, Vollrausch Rekordz, 2006 )
Bassdraft: Der Rote Faden in Deinen Projekte ist ja stets der Alkohol. Trinkst du solange bis dir etwas neues Einfällt oder reflektierst du eher die Erlebnisse, die mit Alkohol zu tun haben?

Schulte: Das der Alkohol in meinen Texten stark thematisiert wird, liegt nicht nur an meinem Lebensstil. Ich habe ja genau aus dem Grunde angefangen selber Musik zu machen, weil es solch eine „Stilrichtung“ nicht gab. Bis Heute hat sich da auch nicht viel geändert. Es gibt meiner Kenntnis nach keinen anderen Musiker, der sich so auf das Thema Alkohol fixiert hat wie ich. Das ist meine Visitenkarte. Kotzen, Kacken, Komasaufen. Und das Thema habe ich noch lange nicht erschöpft!

Ich brauche auch nicht unbedingt ne Flasche Korn zum Frühstück, nur damit ich nen Song schreiben kann. Das ist ganz unterschiedlich. Entweder ich habe eine konkrete Track-Idee, die ich unbedingt umsetzen will und QingMaras baut mir dazu den passenden Kracher-Beat oder ich bekomme von ihm ne Reihe an Beats zur Auswahl, auf denen ich dann etwas schreibe, wenn ich spontan eine Eingebung hab. Das passiert vollkommen stralle oder auch nüchtern. Beim Aufnehmen allerdings war ich noch nie nüchtern... glaub ich zumindest... .. Da wird immer schön eener über den Durst getrunken. Der Qualität der Songs hat das noch nie geschadet.

Bassdraft: Es muß auf jeden Fall authentisch wirken. Hast du schon Ideen verworfen, da du sie nüchtern nicht mehr so gut fandest?

Schulte: Nein! Toi, toi, toi. Das ist mir noch nie passiert. Ich hab zwar jetzt beim BlueMänGroup Album oft beim durchhören gedacht „Scheisse, datt is sowatt von kaputt, datt kannste nicht rausbringen“. Aber es hat bisher trotzdem jeder Song einen Platz auf dem Album bekommen. Wenn man Tracks über Bierplautzen und Mikrowellen macht, hat man doch ab und zu das Gefühl, da sind schon so n paar Hirnzellen abgestorben. Aber das macht die Musik ja auch so authentisch. Wir machen einfach das, worauf wir lust haben und wenn da nun mal  Songs wie „Schlüppa uffm Kopp“ entstehen, dann feiern wir das und bringen das dann natürlich auch raus.

Bassdraft: Viele Rapkollegen beschäftigen sich ja eher mit anderen Drogen in ihren Texten, spielen diese bei dir gar keine Rolle bzw. warum fokusierst du dich so auf den Alkohol?

Ich konnte z.B. mit Kiffen nie was anfangen. Erstmal ist mir die Beschaffung zu kompliziert. Da musste erstmal irgendwo anrufen, dann irgendwo hinfahren, dann musste datt koofen, dann musste dir datt  zurechtbauen, dann brauchste auch noch Tabak, dann brauchste Blättchen oder watt weeß ick allet... Das ist mir zu viel Aufwand. Da bleib ich lieber meinem heiligen Fusel treu. Der steht immer abholbereit beim nächsten Supermarkt um die Ecke. Uffschrauben, rinnkippen... und wenn Du genug trinkst, haste sogar am nächsten Tag noch was davon. Vielleicht bin ich einfach nur zu faul für andere Sachen. Alkohol liebte ich schon mit 13 und ich liebe ihn heute mit 27 noch genauso. Der Fusel  ist immer für mich da, egal was kommen mag.

An dieser Stelle würde ich übrigens gerne etwas von Charles Bukowski einbringen: „Ich konnte mich nicht dazu bringen, die Stellenanzeigen zu lesen. Die Vorstellung, wieder einem Mann an seinem Schreibtisch gegenüber zu sitzen und ihm zu sagen, dass ich einen Job wollte und die nötige Qualifikation dafür mitbrachte, war einfach zu viel für mich. Ehrlich gesagt, ich hatte einen Horror vor dem Leben; vor dem, was ein Mann alles tun musste, nur um essen und schlafen und sich was zum Anziehen kaufen zu können. Also blieb ich im Bett und trank. Wenn man trank, war die Welt zwar immer noch da draussen, aber wenigstens hatte sie einen im Augenblick nicht an der Kehle.“

So sehe ich das eigentlich auch. Schöner könnte ich das selbst nicht beschreiben.

Bassdraft: Hast du keinen anderen Job als Rappen? Wie kannst du dich damit über Wasser halten?

Schulte: Hört euch den Song „Pfandflaschenhustlaz“ auf dem BlueMänGroup Album an!

Vielen Dank an euch fürs Interview. Prost!