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Interview: Serk

geschrieben am 15.02.2006
von oliversum

Warum wohnen Musiker eigentlich immer im obersten Stockwerk – zumindest wenn es keinen Fahrstuhl gibt, der einen ohne körperliche Anstrengung zum Interview bringt? Rapper und Producer Serk weiß die Antwort: „Weil einen da keine Nachbarn stören.“ Beziehungsweise sich gestört fühlen, und zwar von den Beats, die aus Serks Studio durch die Wände dringen. Und der 23jährige aus Berlin, den viele als Produzenten von u.a. Orgi und wahrscheinlich noch mehr durch seine Rolle in der Viva-Doku-Soap „Unser Block“ kennen, hatte noch mehr Antworten auf Lager. Welche, lest ihr hier.

Serk
Bassdraft: Wie sahen deine ersten musikalischen Schritte aus?

Serk: Die haben im zarten Alter von sechs Jahren begonnen, als ich die ersten Klavierstunden bei meinem Vater genossen habe.

Bassdraft: Dein Vater ist Klavierlehrer?

Serk: Mein Vater ist Klavier- und Gitarrenlehrer, Komponist und Gitarrist. Weil sein Hauptfach Gitarre ist, fand er es schade, dass ich Klavier lernen wollte. In der Grundschule habe ich dann angefangen, im Schulchor zu singen, mein Lehrer fand das ganz toll, wir sind mit „Heal the World“ von Michael Jackson durch die Berliner Grundschulen getourt ...

Bassdraft: Deine erste Tour!

Serk: Genau.(lacht) Parallel hatte ich weiter Klavierunterricht, insgesamt zwölf Jahre lang. Als ich auf die Oberschule kam, hab ich angefangen, in einer Swingband Klavier zu spielen und zu singen, zeitgleich habe ich in einer Punkband gesungen. Mit diversen Leuten hatte ich noch weitere kleinere Projekte. Gegen Ende meiner Schulzeit habe ich angefangen, Raptexte zu schreiben, dann haben sich meine Punkband und meine Swingband kurz nacheinander aufgelöst, und ich war mit meiner großen Leidenschaft alleine. Also konnte ich mich auf Rap und HipHop konzentrieren. Ich rede halt sehr gerne – da hat sich das angeboten. Man musste auch keine ganzen Lieder komponieren, sondern konnte einfach einen Beat basteln und dann darüber rappen, also reden.

Bassdraft: Wie ging es dann mit dem Rappen weiter?

Serk: Angefangen habe ich zusammen mit Weskone, der gleich neben mir gewohnt hat, aus meiner damaligen Crew, der KOS-Crew. 2002 haben She-Raws und meine Wege sich wieder getroffen, wir kannten uns schon von der Schule. Über Godsilla habe ich Orgi kennen gelernt, über Orgi dann ganz viele andere. 2003 habe ich dann auch über Orgis Label I Luv Money mein erstes Album „Serkulation“ releast. 2004 kam der Main Theme-Sampler. Anfang 2005 habe ich angefangen, bei Orgi im Studio zu arbeiten.

Bassdraft: Wofür bist du bei Pornoboss Production zuständig?

Serk: Ich bin sozusagen Abteilungsleiter im Bereich Audio bei Pornoboss. Ich bin größtenteils für die Beats auf den Soundtracks zuständig. Ich habe die „Pörnchen“-Sampler komplett aufgenommen, dafür auch die meisten Beats gemacht und Orgis Album aufgenommen. Bei Orgis Filmen mache ich auch das Soundmastering. Orgi nennt mich immer den Soundfucker.

Bassdraft: Wann hast du mit Produzieren angefangen?

Serk: In der elften, zwölften Klasse habe ich angefangen, die Sachen, die ich für Klavier geschrieben hatte, über ein Midi-Keyboard aufzunehmen. Das Problem war, dass ich keine Texte hatte, die ich dazu singen konnte, das fand ich nervig. Irgendwann habe ich angefangen, unter die Stücke Beats zu packen und dazu zu rappen.

Bassdraft: Mit welchem Programm produzierst du heute?

Serk: Mit Logic, das ist sehr intuitiv. Deshalb hasse ich auch Cubase. In Logic kannst du wunderbar irgendwelche Instrumente einbauen. Durch einfache Klicks. In Cubase muss man voll ackern. Mein Vater arbeitet auch mit Logic, der hat mir irgendwann Micrologic geschenkt und meinte: „Hier, mein Sohn, jetzt kannste besser aufnehmen als mit dem Magic Music Maker“.

Bassdraft: Kommen wir zur Gegenwart: Dein neues Album steht an.

Serk: Ja, mein zweites Album „Diss mich is nich“, das in die Annalen der Musikgeschichte als „Bangersexy“ eingehen wird.

Bassdraft: Warum das denn?

Serk: Weil es das einzige „Bangersexy“-Album sein wird, das es gibt, denn dieses Wort kommt von mir. (lacht) Nein, ich glaube, dass das Album vielen Leuten gefallen wird, ich glaube aber auch, dass meine ganzen Hater noch mehr abkacken werden. Es ist schön abwechslungsreich geworden, ehrlich, lustig, ernsthaft – eigentlich alles.

Bassdraft: Bei so einer Vielfalt fällt es andererseits schwer, festzulegen, wofür du eigentlich stehst.

Serk: Das finde ich aber überhaupt nicht schlimm. Ich finde das sogar ziemlich cool. Ich meine, Anthony Hopkins ist nicht nur Hannibal. Auch wenn das jetzt ein ziemlich hoch gegriffener Vergleich ist. Aber mich langweilt es, wenn ich mir ein Bushido-Album durchhöre und die ganze Zeit „Dieser harte Junge“ höre und dann zwischendurch mal „Aber du bist doch mein Augenlicht“. Das finde ich komisch. Ich mag es, wenn mir jemand eine komplette Bandbreite präsentiert und mir seine ganzen verschiedenen Facetten zeigt. Ein Mensch ist eben nicht immer nur ganz gerade. Deshalb finde ich es komisch, sich da so eingrenzen zu lassen.

Bassdraft: Tun das andere Rapper in deinen Augen? Sich eingrenzen lassen?

Serk: Ja, natürlich.

Bassdraft: Warum?

Serk: Weil sie sich irgendwann für ein Image entschieden haben, von dem sie nicht mehr wegkommen. Wenn die Leute gut sind, schaffen sie es, das Image zu durchbrechen. Wenn sie schlecht sind, nicht.

Bassdraft: Hast du dir deshalb erst gar kein Image zugelegt, oder ist deines einfach nur breiter angelegt?

Serk: Die Frage habe ich mir letztens auch gestellt. Es ist so ein Zwischending, man kann mir eine Überschrift geben, aber nicht wirklich ein Image zuordnen. Ich will zum Beispiel nicht, dass die Leute von mir denken, dass ich ihnen auf die Fresse haue, wenn sie mich treffen. Aber ich will, dass sie wissen, dass es auch nicht gut für sie ist, wenn sie mir dumm kommen. Ehrlichkeit wäre eine gute Überschrift.

Bassdraft: Ein normaler Berliner Junge, der nicht überhart ist, aber auch kein Weichei?

Serk: Ja, genau. Einfach ein schöner Normalo-Boy (lacht).

Bassdraft: Der ab und an auch mal nachdenkt, oder?

Serk: Nachdenken zu können ist eine ganz wichtige Eigenschaft. Es wird zu wenig nachgedacht. Es wird zu viel Musik releast – und nicht nur Musik, es wird zu viel öffentlich gemacht, worüber nicht nachgedacht wurde. Dadurch entstehen auch diese ganzen Image-Probleme, wo versucht wird, ein Image auf Biegen und Brechen zu verteidigen, und dann meistens alles in die Hose geht. Sowieso ist es für jeden Menschen wichtig, über sein Leben nachzudenken. Es sollte zumindest der Wunsch da sein, rauszukriegen, wo man steht und wo man hin möchte. Sonst hängt man fest.

Bassdraft: Weißt du denn, wo du hin möchtest?

Serk: Ja. Ich weiß, dass ich mit Musik meinen Lebensunterhalt verdienen möchte, okay, das tue ich schon, aber ich will nicht die ganze Zeit kämpfen müssen, sondern irgendwann ganz sicher davon leben können. So, dass ich mir keine Gedanken machen muss wie „Scheiße, wenn ich jetzt meinen Dispo noch mal überziehe, kriege ich keine Kohle mehr“ und hoffen, dass ich nächsten Monat wieder drei Aufträge habe. Das ist mein Ziel, und wenn ich es mit meiner eigenen Musik nicht schaffe, dann will ich auf jeden Fall derjenige sein, der die Musik entweder komplett produziert oder zumindest aufgenommen und gemischt hat. Ich sehe meine Zukunft auf jeden Fall im studio- und bühnentechnischen Bereich.

Bassdraft: Stehst du da in der Tradition deines Vaters?

Serk: Mein Vater hat mir eigentlich immer davon abgeraten, aufgrund eigener schlechter Erfahrungen. Er hatte einfach nicht das Glück, das ich hatte. Ich hatte halt die Chance, mehr als zwanzig oder hundert Menschen für mich zu begeistern. Mein Vater hat in Bars gespielt, da kannst du einfach kein großes Feedback bekommen. Von meiner Mutter kam natürlich auch immer „Mensch, du brauchst doch was Vernünftiges“, obwohl es dann irgendwann hieß, wenn du diese Tontechnikerausbildung an der SAE machen willst, dann helfen wir dir auch dabei. Der Wunsch, von meiner Mucke zu leben, kommt auf jeden Fall von meinem Vater, aber mein Weg ist ein anderer.

Bassdraft: Ist dein Vater Jazzmusiker?

Serk: Mein Vater hat ein sehr breit gefächertes Spektrum als Musiker. Das reicht von Klassik bis Jazz und noch weiter. Einmal hat er in einem Jahr ein klassisches Klarinetten-Duett mit Gitarrenbegleitung verlegen lassen und eine CD mit Synthesizer-Sphärenmusik rausgebracht.

Bassdraft: Du bist es sicher schon oft gefragt worden, aber: Hast du dein Mitwirken bei der Viva-Doku-Soap „Unser Block“ im Nachhinein bereut?

Serk: Mein großes Anliegen ist es, Spaß im Leben zu haben. Deshalb habe ich bei „Unser Block“ gerne mitgemacht, ich konnte Erfahrung vor der Kamera sammeln, es war lustig und deshalb bereue ich es auch nicht.

Bassdraft: Hast du eigentlich weitgehend dich selbst gespielt oder wurde dir eine Rolle vorgegeben?

Serk: Der Text war nicht gescript oder so, der war frei. Wir haben immer irgendwelche Situationen vorgegeben bekommen, wie zum Beispiel: Serk, du kommst jetzt zu spät ins Studio, weil du noch mit Julia gechillt hast und alle sind richtig pissed-off.

Bassdraft: Also etwas, dass du sowieso schon aus dem Leben kanntest.

Serk: Nee, eben nicht. Ich kannte so eine Situation bis dahin wirklich noch nicht, weil ich noch nie wegen einem Mädel zu spät ins Studio gekommen bin. Mittlerweile komme ich wirklich immer ein bisschen zu spät, das wurde mir aber durch die Serie antrainiert. Vorher war ich immer pünktlich! Deswegen fand ich es auch wirklich hart, dass ausgerechnet ich immer derjenige war, der zu spät kommen sollte. Aber wenn die Leute mir solche Eigenschaften jetzt unterstellen, kann ich damit leben, weil die Leute, die „Unser Block“ ernst genommen haben, sowieso für ’n Arsch sind.

Bassdraft: Wobei es ja schon auf Reality gemacht war.

Serk: Ja, aber „Fernsehgericht“ ist auch auf Reality gemacht. Deshalb: Ich bin der Alexander Hold des Rap. (Gelächter)

Bassdraft: Euer Manager hat mir erzählt, dass ihr von den „Unser Block“-Leuten nicht gerade im Guten geschieden seid.

Serk: Von den Film-Leuten sind wir absolut im Guten geschieden, die haben auch meine Video zu „Ich zähl’ die dunklen Tage“ gemacht, aber die musikalische Geschichte lief nicht so gut. Joe von Cheyenne hat versucht, uns übelst über den Tisch zu ziehen und das haben wir nicht mit uns machen lassen. War eine Erfahrung, die nicht so schön war, aber auch schlimmer hätte sein können. Und Joe ist jetzt arbeitslos. Schöne Grüße, Joe!

Bassdraft: In S.E.R.K. sprichst du schlechte Erfahrungen mit der Presse an. Was war denn da los?

Serk: Vielleicht lag es daran, dass ich es noch nicht gewohnt war, dass etwas über mich geschrieben wird, aber mich hat es sehr geärgert, dass seriöse Zeitungen wie der Tagesspiegel oder die Berliner Zeitung die fehlende Realness in „Unser Block“ so angeprangert haben, aber in ihren Berichten selber voll daneben gehauen haben. Unser Studio sei in Steglitz, unser Label in Charlottenburg, einfach solche Sachen, die sie falsch recherchiert hatten. Das fand ich übelst peinlich.

Bassdraft: Was steht denn sonst so an?

Serk: Erst mal mein Album, „Diss mich is nich“, am 24. März. Gegen Ende März, Anfang April kommt die Download-EP von Schampus, der auch auf „Diss mich is nich“ drauf ist. Schampus kenne ich über familiäre Verkettungen schon seit er drei oder vier ist, ich feiere den unfassbar, der ist sehr gut, sehr frisch vor allem. Der ist so ungebändigt. Und She-Raw und ich nehmen gerade ein gemeinsames Album auf.

Bassdraft: Sonst noch was wichtiges?

Serk: Seeed haben keine schönen Texte. Die haben einen guten Sound, aber ihre Texte sind eine Vergewaltigung der deutschen Sprache. Ich finde es auch schlimm, dass die bei diesem Bundesvision-Song-Contest gewonnen haben – das ist nicht Berlin! Außerdem: Ich habe eine Homepage: www.serk.homepage.t-online.com. Und auf www.maintheme.de wird dieses Jahr auch jede Menge passieren. Dann noch was zu dieser Beefgeschichte zwischen Kobra/Jubeko und Main Theme/Bigbud: Ich habe Kobra beim Probedreh von „Unser Block“ kennen gelernt und er ist ein sehr netter Mensch, sehr freundlich. (lacht) Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Einige werden das schon verstehen.

Ich zwar nicht, aber trotzdem danke für das Gespräch.