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Interview: Sleepwalker

geschrieben am 21.06.2001
von Hannes Harborth

”Vorsprechtermin“ heißt eine neue, dreißig Tracks starke Compilation, auf der sich die Hamburger HipHop-Szene die Klinke beziehungsweise das Mikro in die Hand gibt: die Liste der Interpreten umfaßt neben bekannten Namen wie zum Beispiel Samy Deluxe, Eißfeld, Deichkind, Eins Zwo, Nico Suave, Digger Dance auch weniger bekannte Namen wie Hanseknaller oder Kurzer Prozess. Wir sprachen mit Sleepwalker, der zum Vorsprechtermin eingeladen hatte.

Sleepwalker bittete zum Vorsprechtermin Bild Vorderseite
Bassdraft: Du hast auf dem ”Vorsprechtermin“ die Hamburger HipHop Szene eingeladen. Haben es Leute aus anderen Städten mit ihren Bewerbungen nicht soweit geschafft?

Sleepwalker: So will ich das nicht gemeint haben, andere haben das schon lange geschafft. Mich haben immer Leute gefragt, ob wir mal was zusammen machen wollen, und dann habe ich immer gefragt: ”Wann kommst du vorsprechen?“ Das ist unsere Art des Redens. Das Album heißt ja auch nicht ”Hamburg City is the Dopest“. Es war aber viel einfacher, mit den Jungs von nebenan so ein Projekt durchzuziehen. Daß es dann ein reiner Hamburgsampler wird, war am Anfang gar nicht so geplant. Ursprünglich wollte ich zum Beispiel DJ Stylewarz mit auf dem Album haben, doch als es dann so Hamburg-spezifisch geworden ist, haben wir gesagt: Das paßt nicht.“ Sollte ich das nächste mal eine Compilation zusammenstellen, mache ich das eben deutschlandweit. Ich habe überall meine Jungs sitzen, ob nun in Hamburg, München, Berlin...

Bassdraft: Du bist ja nun schon länger dabei, seit dem ”Kill The Nation...“ Sampler vor fast zehn Jahren. Wie verlief der Weg vom harten Readykill Sound zum heutigen Sleepwalker?

Sleepwalker: Readykill hat sich irgendwann auseinander entwickelt, das war nach den Tourneen mit Killer Instinct und Gunshot. Damals haben Punks noch Pogo vor der Bühne getanzt und die hundert Leute auf den Konzerten waren zusammen so alt wie die 2000 Kids heute. Danach habe ich mich mit Ray eigentlich drei Jahre lang bei mir im Keller gesessen und an Beats gebastelt und viel herumexperimentiert. In dieser Zeit kam dann auch der Wechsel von den harten Sounds zu dem groovigeren jetzigen Sound.

Bassdraft: Hast du zu dem Zeitpunkt schon an eine Produzentenkarriere gedacht?

Sleepwalker: Ich hätte damals nie geglaubt, daß so ein Sound mehr als hundert Leuten gefallen würde. Dafür war ich immer zu schüchtern oder unsicher oder was auch immer. Ich habe lange gebraucht, bis ich wußte, daß ich nicht nur dicke Beats machen kann, sondern daß die Leute da auch drauf abgehen.

Bassdraft: Wie bist du dann zum Boogie Park gekommen?

Sleepwalker: Ich hatte mit Mr. Schnabel so ein Acht-Track-Demo aufgenommen, was den Leuten vom Boogie Park gut gefiehl. Er ist dann mit dem Ding bei Show Down gesignt worden, und ich habe im Boogie Park als Produzent richtig angefangen. Von dem Zeitpunkt ging es sehr schnell, ich habe dann Harlekinz ”What time is it“ gemacht, KC und die die ganzen Remixe und jetzt sitzen wir uns hier gegenüber und ich präsentiere dir einen Sampler mit 30 Tracks, von denen ich ein Drittel selbst produziert habe.

Bassdraft: Und wie wird es nach dem ”Vorsprechtermin“ weitergehen?

Sleepwalker: Meine Zukunft ist auf jeden Fall Hamburger Hill, ein Label, das am 9.9.99 gegründet wurde, und bei dem ich später dann eingestiegen bin. Da haben wir nicht nur Liebe, sondern auch Geld reingesteckt, und das läuft ganz gut an und hoffentlich irgendwann so, dass man auch davon leben kann. Wir haben einige Solokünstler am Start: SMG, Little-D, Hanseknaller, der gerade mit Nico Suave auf Tour ist, Kurzer Prozess, Tony, der auf dem einen All-Star-Track den Chorus singt... Da ist noch viel drin!