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Interview: Tone

geschrieben am 15.05.2006
von Ansgar Hufnagel
Bassdraft: Du bist in Frankfurt aufgewachsen und groß geworden, inwieweit hat dies deinen Werdegang beeinflusst und geprägt? Wie hat deine Karriere als Rapper allgemein begonnen?

Tone: Also ich denke mal, jede Stadt hat so ihren eigenen Vibe und alle Rapper, die aus Frankfurt kommen, haben eine sehr direkte Art, wie sie Sachen auf den Punkt bringen. Ich glaub, das hat man auch auf dem ersten Lied “Ich Diss Dich“ gehört, was ich zusammen mit Iz, damals mit Konkret Finn, geschrieben habe. Das war ziemlich direkt auf die Zwölf und wir haben damit battlerapmäßig etwas abgeliefert, was es zu der Zeit in Deutschland nicht gab. Frankfurt hat mich, was sich auch vor allem in meinen Texten ausdrückt, in jedem Fall geprägt.

Tone
Bassdraft: Die Produktion auf deinem Album wurde hauptsächlich von Teilen der Asiatic Worriors übernommen. Wie kam es dazu, hattest du schon zu Zeiten von Konkret Finn Kontakte zu A-Bomb, Feedback und Combad?

Tone: Genau, A-Bomb hat ja schon einen Großteil von dem Konkret Finn Album produziert, welches 2001 oder 2002 auf Def Jam erschienen ist. Außerdem waren wir zu Zeiten von Asiatic Warriors und Konkret Finn eigentlich komplett zusammen im selben Studio von D-Flame und haben dort parallel unser Ding gemacht. Daher kommt der Kontakt zu „Ulteamate“, meinem Produzententeam, welches aus A-Bomb, Combad, die beide bei den Asiatic Warriors waren und Feedback, der DJ von Konkret Finn war, zustande. Das heißt, es ist also nach wie vor so ein family Ding.

Bassdraft: Das Album ist ja über mehrere Jahre hinweg entstanden. Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem du dich voll und ganz darauf fokussiert hast, das Album fertigzustellen?

Tone: Die ersten konkreten Demos habe ich 2001 aufgenommen, da wir damals aber kein eigenes Studio hatten, hat sich das immer ein bisschen hingezogen, bis man Studiotermine hatte und regelmäßig aufnehmen konnte. Aber ich denke, das war so der erste Startschuss, wo ich dann auch selbst ernsthaft ein Album machen wollte. Ich habe zwar immer Texte geschrieben, auch nach der Trennung von Konkret Finn, aber ein konkretes Arbeiten kam ab 2001, würde ich sagen.

Bassdraft: Dein Album ist auf Platz 51 der Charts eingestiegen, inwieweit bist/warst du mit der Entwicklung der Verkaufszahlen von „Zukunftsmusik“ zufrieden?

Tone: Also angesichts dessen, dass kein einziges Video ernsthaft gelaufen ist, war der Einstieg eine sehr gute Sache und ich habe mich gefreut. Allerdings war mein Hauptanliegen bei dem Album, als es dann endlich nach der langen Zeit rausgekommen ist, dass die Leute endlich die Chance haben zu hören, was ich jahrelang ausgebrütet habe. Da hatte ich noch keine Chartplatzierungen im Kopf. Wobei es jetzt natürlich, wo ich mich in diesen Prozess befinde, das ernsthaft als Beruf zu sehen, schon wichtig ist. Mit meinem nächsten Album peile ich da auf jeden Fall noch was anderes an.

zugehörige VÖs:

Tone - Du hast Recht (Single - 05/2009)
Tone - Du hast Recht Tone - Du hast Recht (ONL, Monstar Music, 2009 )
Tone - Phantom (Album - 04/2009)
Tone - Phantom Tone - Phantom (CD, Monstar Music, 2009 )
Tone - Du Brauchst Mich (Single - 03/2006)
Tone - Du Brauchst Mich Tone - Du Brauchst Mich (CD, Beats Around The Busch, 2006 )
Tone - Zukunftsmusik (Album - 08/2005)
Tone - Zukunftsmusik Tone - Zukunftsmusik (CD, Beats Around The Busch, 2005 )
Tone - Reimroboter (Single - 07/2005)
Tone - Reimroboter Tone - Reimroboter (CD, Beats Around The Busch, 2005 )
Tone - Reimroboter Tone - Reimroboter (12", Beats Around The Busch, 2005 )
Bassdraft: Obwohl du sehr, sehr viele MCs beeinflusst hast und als Vater des Battleraps gehandelt wirst und dir fast die ganze Szene Props gibt, hast du nicht die Stellung eines Samy Deluxe, Azad oder Kool Savas erreicht. Woran könnte das liegen?

Tone: Wie gesagt, dass ist ja eigentlich mein erstes Album. Vorher habe ich zwar einige Features und so gemacht, aber im Endeffekt ist das Album mein erster, ernsthafter Schritt ins Business. Deshalb denke ich, muss ich mir meine Sache jetzt ganz normal, ehrlich und hart erarbeiten, so ein Stand kommt ja auch nicht von ungefähr. Die Leute, die du gerade aufgezählt hast, haben einfach wesentlicher früher einen gewissen Schritt gemacht und konnten zu der Zeit weiter in die Materie von Menschen, die noch Platten gekauft und nicht gebrannt haben, eindringen. Ich werde oft gefragt, ob ich das Gefühl habe, irgendetwas verpasst oder zu spät gemacht zu haben. Denen muss ich sagen, ich habe der Kunst die ganze Zeit den Vorrang gegeben und wollte das Album erst dann rausbringen, wenn ich der Meinung bin, das es reif ist. Hätte ich das Album vor 4 Jahren oder so rausgebracht, wäre meine Situation für mich jetzt sicherlich eine andere, das ist klar. Für mich stand aber die Sache an sich im Vordergrund, das es erst dann rauskommt, wenn ich es für ready und reif halte.

Bassdraft: Samy, Azad und Savas haben ja alle mittlerweile ihr eigenes Label, wäre das für dich auch ein Ziel, ein eigenes Label oder Imperium aufzubauen?

Tone: Nicht vordergründig. Wenn sich solche Sachen irgendwie ergeben, könnte ich es mir natürlich gut vorstellen, aber im Moment steht das nicht zur Debatte. Meine Konzentration ist darauf bedacht gute Alben abzuliefern und zu sehen, wohin mich der Weg führt. Aber wer weiß, das kann schon durchaus sein, wenn sich die Möglichkeiten ergeben....

Bassdraft: Auf dem Song mit J-Luv „Versteckter Feind“ redest du über falsche Freunde, beziehst du das auf eine bestimmte Situation, die dir eventuell selbst wiederfahren ist?

Tone: Bei den meisten Texten ist es eine Mischung aus mehreren Sachen. Teils habe ich sie selbst erlebt, teils sind sie aus meinem Umfeld, wo ich Geschichten miterlebt habe. Bei „Versteckter Feind“ spreche ich zu jemanden, wo ich von außen das Gefühl habe, etwas zu sehen, was ihm im Grunde nicht klar ist und was ich ihm vielleicht auch gar nicht direkt sagen könnte. So schreib ich meine Texte, manchmal wie einen Brief, dass jemand, wenn er ihn liest, auf Probleme aufmerksam gemacht wird oder ein bisschen genauer hinguckt. Im Allgemeinen sind die Texte eine Mischung daraus. Es ist selten, dass es sich komplett auf mich bezieht, wobei es das auch gibt.

Bassdraft: Du hattest vor einigen Jahren ja ein massives Alkoholproblem, wie kam es dazu, wie bist du damit umgegangen und wie bist du damit fertig geworden?

Tone: Also, ich würde mal sagen, es kam bei mir dazu, wie es bei allen jungen Leuten dazu kommt. Man geht am Wochenende raus, feiert und säuft einen. Irgendwann hat das in gewisser Weise überhand genommen und es ging über das normale Feiern und Spaß haben weit hinaus und es war halt soviel, dass ich gespürt habe, dass es mir nicht mehr gut tut. Ich hatte dann aber nicht die Macht, sofort damit aufzuhören. Das war so ein Moment, wo es seltsam wird. Das irgendetwas eine gewisse Macht über dich hat. Das war `97 als ich mich von Konkret Finn getrennt hatte und dass wurde dann zu einem Wendepunkt, wo ich irgendwie gemerkt habe, es muss einiges anders laufen. Es war dann eine der wichtigsten Sachen, komplett mit dem Alkohol aufzuhören um es mir selbst zu beweisen und mich von dort aus, auch was die Musik betrifft, wieder aufzubauen. Denn, zu Zeiten von Konkret Finn war es rein Bühnentechnisch undenkbar für mich, nüchtern auf eine Bühne zu gehen. Das war auch mit ein Grund, warum es ein bisschen gedauert hat, bis ich nach Konkret Finn alleine weitermachen konnte und dann auch nüchtern auf die Bühne zu gehen. Das hat alles seine Zeit gebraucht, aber es hat dann doch ein gutes Ende genommen.

Bassdraft: Was wird es in Zukunft von dir zu hören geben, gibt es schon konkrete Pläne für die nächste Zeit?

Tone: Ja klar, ich bin zurzeit auf Tour. Sobald die Tour fertig ist, mach ich mein zweites Album, wobei ich noch keinen Namen für das Album habe. Aber es ist geplant, das es im Herbst rauskommt.