Review: Grobian - Grobian Lebt
von Cracc
„Grobian lebt!“ Hmm, klar – wer sich jetzt die Frage stellt, ob er denn tod sein soll bzw. wer das überhaupt ist, bekommt als Richtungsanzeige Professor Te und reist ins Jahr ins Jahr 1997 zurück, als eine EP namens „Bitte Hau Mich Nicht“ für Aufsehen sorgte. Okay da noch nicht jeder eine Zeitmaschine zu Hause hat, werde ich helfen. Als Frontrapper von Creme De La Creme hat Grobian bzw Der Te schon einige Klassiker, wie „Haschisch Kakalake“ oder das komerziell erfolgreiche „Letzte Nacht “ auf dem Kerbholz. Einige Jahre war es verdächtig ruhig um Te. Jetzt gewährt er mit diesem Album einen Einblick in seine Psyche und man erfährt, was mit ihm die letzten Jahre los war.

Das Intro besteht aus Schnipseln der Psychatrieszenen aus „12 Monkeys“(*). Der nächste Song „Direkt aus der Klapse“ schließt thematisch daran an und läßt inhaltlich nicht viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Frisch in der Nervenheilanstalt untergebracht, trifft Grobian seine Kumpels Hans Solo, Tekbass, Mutha, Cäspa und M.A.R.C. Alle dürfen natürlich an´s Mikrofon und bringen einen treibenden Partytrack. Danach wird’s ruhiger und Grobian widmet sich den betäubten Fersehboys. Zwischen den Tracks gibt es ab und zu Gespräche zwischen Grobian und seinem Therapeut, zu denen Grobian immer als eine andere Persönlichkeit erscheint. Anschließend gibt es einen erklärenden Track aus der Welt der jeweiligen Figur. Der Titeltrack „Grobian lebt“ bezieht sich dabei auf Grobian der Wikinger. Über einen E-Gitarren-Riff und entspannte Begleitmusik rappt Grobian mit einer Art Helge-Schneider-Stimme über die Weltansicht seines Alteregos. Als nächstes greifen die Außerirdischen Bugs Köln Porz an und es darf geraten werden, wer mit einem Old-School Beat zur Rettung eilt. „Lachen ohne Zähne“ ist der ein Battletrack und genauso abgedreht und widmet sich namentlich einem Nomaden aus Mönchengladbach. „Von der Wiege bis zum Sarg“ ist nur auf einen Beat, Bassline und Noise reduziert. Zum Ende darf man bei der „Abrissparty“ zuhören: Grobian und seine Kumpels scheinen sich dem Aufsichtspersonal entzogen zu haben und lassen ihren Phantasien freien Lauf. Das knapp 40 Minuten umfassende Werk ist leider viel zu schnell vorüber, da Grobian immer wieder den Stil wechselt, sei es thematisch, musikalisch oder der Flow. Okay, seine Skillz sind nicht übermäßig, seine Vielfalt sucht man bei anderen Flowgenies vergeblich. Musikalisch sind die meisten aktuellen Trends wohl auch an Köln-Porz abgeprallt, deshalb empfehle ich das Album allen, die schon etwas länger deutschen Rap hören oder mal über den Einheitsbrei-Tellerrand hinaus blicken wollen.
(*) Hier wird der wissende Zuhörer auf den Inhalt vorbereitet und wer „12 Monkeys“ für einen genialen Film hält, wird auf jeden Fall seinen Spaß haben. Weitere Filme die als Vorbereitung dienen können: „Starship Troopers“, „Donny Darko“ oder „Einer flog über´s Kuckucksnest“
