Review: Marteria - „Zum Glück in die Zukunft“
von Cracc
Marteria springt mit seinem vierten Album „Zum Glück in die Zukunft“ vom Sound her auf ein neues Level. Electro angehauchte und dick produzierte Beats wissen zu gefallen. Produziert haben The Krauts, welche schon bei Peter Fox und Miss Platnum für das Klangbild zuständig waren. Mit dieser Information fällt es dann auch nicht schwer, das ein oder andere Grundrezept dieser Erfolge wieder zu finden. Vor allem betrifft zum einen das Arrangement und die Melodien, aber auch Percussions und andere Füllsounds. Was bei Peter Fox ein großer Aufreger für den geneigten Rapfan war, als er 2009 den Echo für die Kategorie Hip Hop / Urban gewann, scheint nun für die gleichen Leute kein Problem mehr zu sein: Belanglose Liedchen, die keinem weh tun – genau das richtige, um im Radio gespielt zu werden.

Zwei Songs sind über jede Diskussion erhaben und sind damit ganz klar die Highlights auf dem Album: „Endboss“ versetzt uns in eine Spielkonsolenwelt, in der Materia der Hauptheld ist und von Level zu Level hüpft – passende Nintendosounds inklusive. Bei „Verstrahlt“ stellen Materia und Yasha eine Welt dar, in der die Wahrnehmung verzerrt sind und alles in Ordnung scheint. Dabei geht es so doppeldeutig eindeutig zu, dass man gleich mitschweben will. Was bei den beiden Auskopplungen wunderbar funktioniert, geht einem spätestens bei „Marteria Girl“ auf den Sack. Marteria rappt wie eine Schlaftablette und variiert den Stil nicht. Als Marteria mit Featuregast Casper bei „Alles verboten“ antritt, wird durch Casper deutlich, was man raptechnisch auf diesen Beat bringen kann. Auf anderen Tracks gibt es noch Featureparts von Jan Delay, Peter Fox und Miss Platnum. Die beiden letzteren sind mit den Krauts ja bestens vertraut, bieten Materia aber nicht die Möglichkeit aus deren Schatten herauszutreten. Wenn Jan Delay dieses Album für das beste Rap-Album der vergangenen 10 Jahre hält, möchte ich lieber nicht wissen, was der die ganze Zeit angehört hat. Ganz nett!
