Review: Michelmann und der Party-Bass-Mob: Geil und durstig
von oliversum
Michelmann ist ein alter Hase im Geschäft, seit zwölf Jahren betreibt er sein eigenes Label, Michelmann Records. Auf diesem veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen bassfreudige Alben irgendwo zwischen Suff, Sex und Comedy, die in ebenso regelmäßigen Abständen von der etablierten HipHop-Presse in Grund und Boden ignoriert werden.

Warum eigentlich? Schließlich besetzt der Düsseldorfer seine ganz eigene Sparte im deutschen Rap. Hörbar beeinflusst von Miami Bass und Oldschool-Electro nimmt er seine vermutlich hauptsächlich männlichen Hörer mit in eine Welt voller Stripclubs, Schlampen, Suff und Feierei. Auch auf seinem jüngsten Streich "Geil und durstig" bleibt er, wie es der Titel bereits erahnen lässt, der eingeschlagenen Richtung einmal mehr treu. Songtitel wie "Angucken, aber nicht anfassen" (von wegen!), "Nach dem Saufen Döner kaufen" oder "Frauen, Bass und Geld 2010" geben ganz klar die feucht-fröhliche Richtung vor. Michelmanns Musik eignet sich defintiv besser für Bierzelte und mallorquinische Großraumdiscotheken als fürs heimische Wohnzimmer oder den gemütlichen Abend mit der Freundin, soviel steht fest. Man kann das alles furchtbar spätpubertär und monoton finden und sich pikiert abwenden, man kann aber auch wenigstens für fünf Minuten mal fünfe grade sein lassen, sich ein paar Biere ins Gesicht stellen und "Abgehen, durchdrehen", wie es Song Nummer 8 vorschlägt. Langeweile kommt trotz der Beschränkung auf die besagten Themenfelder nicht auf, dafür sorgt schon die beeindruckend umfangreiche und heterogene Featureliste, die u.a. die Düsterrrapper Schwartz und Blokkmonsta von Hirntot, fast in Vergessenheit geratene Althelden wie Hans Solo (Äi-Tiem) oder die Münchner Echorausch, genialische Selbstdarsteller wie Eko Fresh und DJ Tomekk sowie Schlagerbarden wie Jürgen Drews und Frank Zander umfasst. Auf Saufen und Ficken kann man sich halt genre- und szeneübergreifend einigen. Für den gewissen Schuss Weiblichkeit sorgt die mehr stöhnende als rappende Pornodarstellerin Miss Doggystyle. Man hätte sich allerdings einen selbstbewussteren femininen Widerpart zu all den gerappten und gesungenen Männerphantasien gewünscht, auf den 2 Live Crew-Alben gab es schließlich auch immer mindestens einen Song, auf dem die Mädels mal den Spieß umdrehen durften. Gut möglich allerdings, dass es in Deutschland schlicht keine Rapperin gibt, die diese Rolle glaubwürdig auszufüllen in der Lage wäre. So bleibt das Ganze eben eine ziemlich klare Jungsangelegenheit. Darauf erstmal ein paar Pils. Weitsicht beweist Michelmann übrigens mit der Auswahl der Bonussongs: Auf den "Weinachts Song" (kein Schreibfehler, sondern ein Wortspiel) folgt direkt mal der "Oster Rap" - man kann "Geil und durstig" also an allen wichtigen christlichen Feiertagen pumpen. Prost Neujahr!
