Review: Orgasmus & Mach One - „Rap aus Berlin“
von Cracc
Das Gemeinschaftsprojekt von King Orgasmus One und Mach One „Rap aus Berlin“ war von Anfang an als Marathonprojekt angelegt, welches komplett innerhalb einer Woche aufgenommen werden und den Geist der alten Bassboxxx-Tage wieder Leben einhauchen sollte. Dazu verbarrikadierten sich die Zwei im Studio, nahmen sich alte Instrumentals die bei Mach One unbenutzt seit Jahren auf der Festplatte vor sich hin staubten und legten ohne großes Konzept einfach los. Zusätzlich lud man sich viele rappende Kumpels ein und weitete das Ganze zu einer Dauerparty aus. Was erst einmal nach purem Chaos klingt, ordnet sich auf wundersame Weise beim Durchhören zu einem runden Gesamtpaket. Die Welten von Orgi und Mach prallen ausgewogen aufeinander, wobei die Sichtweisen klar getrennt sind und als Gegenpole fungieren.

Pro Song ist mindestens ein Gast dabei – das sind alte Bassboxxx-Member bzw. Weggefährten der letzten Jahre. So überrascht es nicht, dass man MC Bogy, Isar, Vero, Bass Sultan Hengzt, Tony D, Akte, Jope oder die K.I.Z-Member unter den Featuregästen findet. Konstellationen wie mit Blokkmonsta und Schwartz bzw. Berlin Oldschool Rapper wie Vokalmatador oder Jack Orsen bieten dann aber doch einige Überraschungen. Aber auch unbekannte Namen wie Bass Sniper oder Jesus Rhythmus mischen sich ohne Probleme unter die bekannten Rapper und zeigen, dass die Zeit eben nicht stehen geblieben ist und der angepeilte Spirit in die Jetztzeit transformiert worden ist. Dass „Rap aus Berlin“ kein Schritt zurück ist, hört man vor allem an der ausgereifteren Produktion und auch an der Art zu Rappen. Wurde bei den alten Bassboxxx-Produkten teilweise übermotiviert rumgebrüllt, wenn der Takt mal wieder nicht getroffen wurde, sind heutzutage alle entspannt und konzentrieren sich voll auf ihre Parts. Und dass der Spaß nicht verloren gegangen ist, merkt man bei jedem Song und den zwischengeschobenen Skits mit O-Tönen während der Aufnahmen. Und ist eine weitere Besonderheit des Albums - denn dieses funktioniert nur als Ganzes. Würde man einen Song oder eine Strophe herausziehen, entsteht ein falscher Eindruck. Das kann mal sexistisch primitiv aber auch sozialkritisch durchdacht sein. Jede Aussage lässt sich mit einer Passage aus einem anderen Text widerlegen. Jeder stellt seine eigene Welt nachvollziehbar dar und jeder Song wird auf eine andere Art lebendig. Orgi zieht seine Parts auf dem erwarteten Niveau durch und punktet durch schnoddrige Direktheit. Mach geht subtiler vor und schlüpft immer in eine andere Rolle und gibt sich mit Kostümierung manchmal erst bei genauerem Hinhören zu erkennen. Großes Undergroundkino - eben „Rap aus Berlin“.
